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Hitze

Es ist heiß auf den Philippinen – viel zu heiß. Letzten Dezember und Januar haben wir uns noch gefreut, wie gut wir mit dem tropischem Klima klar kommen. Die „Je kälter, desto besser“ Einstellung der Filipinos beobachteten wir mit genervtem Kopfschütteln und haben notgedrungen Pullover in über-klimatisierten Bussen und Restaurants angezogen. Aber damals waren es oft unter 30º Celsius im Schatten. Wir vermieden Spaziergänge durch schattenlose Zuckerrohrfelder in der Mittagshitze – aber nachts wurde es kalt, oft habe ich zusätzlich zum Laken eine dünne Decke zum Schlafen benutzt.

Doch dann kam der März. Seitdem läuft der Ventilator 24 Stunden am Tag – sonst schwitzt man nachts. Die Temperatur können wir jetzt mit einem Fieberthermometer messen. In den letzten Monaten waren es tagsüber häufig 35º C im Schatten und nachts 28º C – man kann sich vorstellen, dass es da im Haus schlecht abkühlt. Aus Verzweiflung habe ich mir nachts schon mehrmals den harten Balkonboden mit Moskitos geteilt.

Bisher haben wir erfolgreich den Versuchungen einer Klimaanlage widerstanden. Mit großen Produktivitätseinbußen, wenn man das Internet fragt: Bei etwa 20 °C sei der Mensch zu 100 % leistungsfähig. Die Leistungsfähigkeit sinke bis zu einer Temperatur von 33° C kontinuierlich auf 50 Prozent ab  (http://www.heinisch.at/Support/FAQ/Klimatechnik/FAQ_Klimatechnik.htm#7 )

Die jetzige Hitze und Dürre ist auch für die Philippinen untypisch. Auf Negros ist üblicherweise von Juni bis Oktober Regenzeit, von Oktober bis Mai Trockenzeit, wobei vor allem in den Monaten März bis Mai heiß wird – doch dieses Jahr ist es besonders heiß. Der Grund heißt El Niño.

El Niño ist eine Klimaanomalie, die durch Veränderungen der Strömungen zwischen der Westküste Südamerikas und Südostasien verursacht wird. El Niño wird verursacht „durch die ins Stocken geratene Pazifikzirkulation, welche im Normalfall kaltes Wasser vor der Westküste Südamerikas aufsteigen und warmes Oberflächenwasser vor Südostasien absinken lässt. Durch die rückläufige Zirkulation in einem El Niño- Jahr findet man genau die umgekehrte Situation vor: kaltes Wasser vor südostasiatischen Küsten und überdurchschnittlich warmes Oberflächenwasser vor Mittel- und Südamerikas Westküste. Der Grund dafür ist, dass der Südostpassat aussetzt oder sogar in die umgekehrte Richtung bläst. Er schiebt die warmen Wassermassen nicht mehr wie bisher vor sich her, sondern lässt diese in einer Wellenbewegung (Kelvinwelle) nach Südamerika zurückschwappen.“ (siehe http://www.elnino.info/index.php )

El Nino tritt seit mehr als 150 Jahren in zwei bis siebenjährigen Abständen auf.  Die Folgen sind verheerend: Die erhöhte Wasseroberflächen-temperatur vor Peru und Ecuador verursacht Massensterben von Fischen, Seevögeln und Korallen. Außerdem kommt es zu sintflutartige  Regenfälle mit katastrophalen Überschwemmungen, denn die erwärmte Meeresoberfläche verursacht Wolkenbildung. In Südostasien herrschen hingegen Dürre und Ernteausfälle. Das nationale Amt für Katastrophenschutz (NDCC) der Philippinen redet von Ernteausfällen in Höhe von 10,4 Milliarden Pesos (180 Millionen Euro), besonders Reis, aber auch Mais, Weizen, Obst und Blumen sind betroffen. Viele Bauern treiben die Ernteausfälle in Existenznot. Wer keine Bewässerungsanlage hat, dem bleibt nur der Glaube an Gott. /iw/

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