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SONA 2013 – Great Expectations

Leaving a dusky and rainy weekend behind, the IPON Negros team happily goes into another week in Bacolod.  The sun seems to have awaken from its temporary lethargy and an aura of sunny peace and tranquility has been surrounding the routine in our neighbourhood from very early hours.

For us three, as a brand-new team in Negros Occidental, every Monday is accompanied by the excitement and expectations of new events and activities to come: contacts being forged among the Task Force Mapalad (TFM) Hacienda farmers’ representatives, old cases from former teams being relived and reviewed and discussions raised on potential projects to be launched during the next months.

But today’s Monday is not one like any other.

Today, President Benigno S. Aquino III is holding his fourth State of the Nation Address (SONA) since him entering his role back in May 2010. The SONA is mandated by the 1987 Constitution and is an annual address by the President of the Republic of the Philippines to the Filipinos through a Joint session of the Congress of the Philippines. The speech is being held today at 2pm in the Batasang Pambansa Complex in Quezon, the same venue where Corazón Aquino, the mother of the current President, held her first SONA upon the re-establishment of the Congress in 1987.

Source: Official Gazette of the Republic of the Philippines, http://www.gov.ph/

From the perspective of our mature and well-established European democracies, this annual event may be seen as a mere occasion for the government to highlight its achievements and leave aside any performance failures since last July 2012. However, the overall feeling here in the Philippines today is far different from such a view. There are great expectations and hopes connected to today’s SONA as Aquino is facing a much more demanding audience, eager to obtain palpable results of his numerous promises. Unlike previous SONAs of his presidential term, a standard discourse shaped and tinged by the good intentions after the take-over from the Gloria Macapagal-Arroyo’s administration will not suffice.

One of this demanding social actors is our partner organization TFM, whose next steps and actions, including a possible protest march in Manila in August (s. our blog entry Promised Land) are closely dependent upon the attention paid today by Aquino to land issues and the effective implementation of the Comprehensive Agrarian Reform Programme (CARP, Republic Act NO. 6657 as amended by RA 7881, 7905, 8532 and 9700).

But not only will the speech this afternoon affect TFM’s objectives and priorities and thus indirectly IPON’s agenda in Negros: a protest rally against the SONA and the Aquino government itself has been organized by different filipino and foreign human Rights non-government organizations, community and advocate groups concerned about the human rights situation in the country, all of them coordinated under the umbrella of  the global network International Conference for Human Rights and Peace in the Philippines (ICHRPP).

Human rights violations are expected to constitute one of the issues addressed by the President today, reacting to the demands of these groups for accountability of state crimes such as  extrajudicial killings and enforced disappearance commited mainly by the  military and other state security forces during the previous decade. This, together with the desire for freedom for political prisoners and a stop on militarization of rural communities should require a direct approach by Aquino to the Armed Forces of the Philippines (AFP) and the Philippine National Police (PNP) during his speech today.

As the day moves forward into noon, our expectancy and hopes, too, increase on this regular Monday morning. We look forward to offer you an update,  upon delivery by the President, as soon as the speech is available in English.

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Herausforderungen im Arbeitsalltag – Das Beispiel „Unson Farm“

Julio Quijano ist ein hagerer, für philippinische Verhältnisse großgewachsener Mann, der sich durch eine herzerwärmende Freundlichkeit auszeichnet und uns mit einem breiten Lächeln auf der Unson-Farm in Cadiz-City, Negros North, empfängt. In gebrochenem, aber dennoch verständlichen Englisch stellt er sich vor, bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, eine lange Freundschaft mit uns zu beginnen und führt uns durch die Felder der Farm, auf denen primär Zuckerrohr sowie Süßkartoffeln kultiviert werden.

In Anbetracht des Anlasses unseres Besuches fällt es allerdings schwer zu glauben, dass Julio wirklich nach Lachen zumute ist. Denn auch wenn die Philippinos in diversen internationalen Studien wiederholt als glücklichstes Volk der Erde bezeichnet worden sind, wird Julios Leben in diesen Tagen weniger von Lebensfreude, Enthusiasmus und positiven Emotionen geprägt. Stattdessen wären Existenzangst, Verzweiflung und eine gewisse Ausweglosigkeit wahrscheinlich die passenderen Schlagworte, um die Lebensumstände einiger Bauern auf der Unson-Farm adäquat zu umschreiben.

Das Ausmaß der sich für die TFM-Farmer anbahnenden persönlichen Katastrophe ist für uns zunächst nur schwer greifbar. Die Abgeschiedenheit von der Stadt, die Weite der Zuckerrohrfelder und Bananenplantagen erzeugen eine auf den ersten Eindruck eher friedvolle, ruhige, fast ein wenig idyllische und harmonische Atmosphäre.

Dies erweist sich allerdings relativ schnell als Trugschluss. Julio führt uns zu einem ganz bestimmten Feld und wir werden Zeuge, wie das von den TFM-Farmern bewirtschaftete Land mit einem großen Traktor rigoros umgepflügt wird. Er erklärt, dass es sich bei den an den Zerstörungen beteiligten Personen um Bauern handelt, die sich loyal gegenüber dem Landbesitzer verhalten und von diesem instruiert würden.  An dem Ertrag der Ernte zeigen sie tatsächlich keinerlei Interesse.

Die von TFM kultivierten Felder werden umgepflügt, die erhoffte Ernte wird zerstört.

Es ist für uns kaum möglich, nachzuempfinden, was die Zerstörung der Felder für die TFM-Farmer wirklich bedeutet. Beeindruckend bleibt, mit welch einer Ruhe und Nüchternheit sie uns über die Hintergründe der von den Landbesitzern orchestrierten Aktionen in den vergangenen Tagen aufklären. Und doch ist die sich breit machende Verzweiflung zumindest zwischen den Zeilen und Worten nun spürbar. Die TFM-Farmer sehen ihre Existenz bedroht, denn sie müssen mehr oder weniger tatenlos mit ansehen, wie ihre gesamte Lebensgrundlage zerstört wird. Bewusst setzen sie sich nicht aktiv gegen die Aktionen zur Wehr, denn sie haben Angst, in diesem Fall wegen illegalem Betreten des Landes (forcible entry) angeklagt zu werden.

Bereits seit 1986 waren besagte Ländereien Brachland gewesen. Nachdem das Land offiziell als CARP-Land klassifiziert wurde begannen die Bauern mit der Kultivierung derjenigen Bereiche, die sowieso seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr landwirtschaftlich genutzt worden waren. Der jeweilige Landbesitzer bzw. die Company, die das Land gepachtet hatte, schienen sich dabei kaum an der Präsenz der Bauern zu stören. Bis vor knapp zwei Wochen, als die Zerstörungen begannen.

Schnell wird uns klar, dass wir an dieser Stelle vor einer Herausforderung stehen, die ein wenig typisch für die Arbeit von IPON auf Negros ist und unseren Alltag auch in den nächsten Wochen sicherlich noch entscheidend prägen wird.

Natürlich ist es im Grunde Anspruch unserer Arbeit hier auf den Philippinen, die Mitglieder von TFM so gut es geht zu unterstützen und aktiv zu werden, sofern unsere Präsenz vielleicht eine positive Entwicklung für sie verspricht. Natürlich entwickelt man quasi automatisch ein großes Verständnis für die Situation von Julio und den anderen TFMlern der Unson Farm, die ihre Existenz in akuter Gefahr sehen. Und natürlich ist niemand so kaltherzig, den Bauern direkt schonungslos zu erklären, dass auch wir es aufgrund der rechtlichen Konstellation oder der von uns klar formulierten IPON-Prinzipien womöglich schwer haben werden, einen Ansatzpunkt zu finden. Wichtig scheint es also zu sein, die richtige Balance zu finden, das heißt keine übersteigerten Hoffnungen zu wecken und immer wieder die Fundamente und Prinzipien der Arbeit von IPON auf den Philippinen in den Fokus zu rücken.

Für uns liegt insbesondere bei der Vorstellung unserer Arbeit immer wieder ein entscheidender Fokus darauf, zu verdeutlichen, wofür IPON steht, wann wir aktiv werden können und wann eben nicht. Wichtig ist dabei vor allen Dingen, den TFM-Farmern zu erläutern, dass wir politisch unabhängig agieren wollen und uns damit zum Beispiel nicht direkt in die diversen Prozesse der Landreform einmischen. Wofür wir einstehen, sind einzig und allein die Menschenrechte, wobei wir bei der Umsetzung die staatlichen Akteure in der Verantwortung sehen und sie an die Einhaltung der vom philippinischen Staat unterzeichneten internationalen Verträge und Konventionen erinnern wollen (legalistischer Ansatz).

Wie reagiert man also vor diesem Hintergrund adäquat auf die Geschehnisse auf der Unson-Farm? Eine sehr schwierige Frage. Wir machen vorsichtig deutlich, dass wir tief mit den Bauern mitfühlen, bringen aber auch zum Ausdruck, dass staatliche Akteure involviert sein müssen, damit IPON aktiv werden kann. So ist es auch in unserem Mandatsvertrag mit TFM eindeutig festgehalten. IPON mischt sich eben nicht in die inneren Angelegenheiten von Konflikten ein, verhält sich stattdessen gegenüber den strategischen Überlegungen der begleiteten Menschenrechtsverteidiger neutral und macht damit keine Lobbyarbeit zum Beispiel für die Anliegen von TFM im Kontext der philippinischen Agrarreform.

Vor diesem Hintergrund bitten wir die Bauern darum, die Vorfälle, insbesondere die Todesdrohungen, die sie erhalten haben, anzuzeigen, damit wir vielleicht – zum Beispiel bei einer deutlichen Ignoranz der Polizei – einen Ansatzpunkt für unsere Arbeit finden. Darüber hinaus beschließen wir, das RMG (Regional Mobile Group) Headquarter aufzusuchen, da uns die TFMler berichtet haben, dass acht RMG-Offiziere die dem Landbesitzer loyalen Bauern bei ihren Zerstörungsaktionen beschützt hätten. Die RMG kann vereinfacht als eine Untereinheit der philippinischen Polizei deklariert werden und deshalb halten wir es für sinnvoll, zumindest zu erfragen, warum sie –gemäß der Aussagen der TFMler – im Konflikt eindeutig auf Seiten des Landbesitzers agieren.

Ein wenig problematisch bleibt für uns zunächst die rechtliche Einordnung der Geschehnisse. Denn auch wenn die Fläche der Unson Farm bereits vor mehr als 10 Jahren als CARP-Land eingestuft worden ist, sind die TFMler vom Erhalt eines CLOA-Titels, der sie zu rechtmäßigen Besitzern der Ländereien machen würde, noch weit entfernt. Julio und Co. befinden sich lediglich auf einer so genannten preliminary list, auf der die Namen potenzieller Anspruchsberechtigter für einen CLOA-Titel festgehalten sind. Aus rein nationaler juristischer Perspektive argumentiert gehört das Land damit weder den TFM-Bauern noch dem philippinischen Staat und der Landbesitzer kann die Flächen nutzen und kultivieren, wie er möchte. Eine Art Gewohnheitsrecht, welches den TFMlern das Land zusprechen würde, das sie über eine Dekade hinweg friedlich und ohne Probleme bewirtschaftet haben, existiert in den Philippinen nicht.

Und trotzdem zeichnen sich für uns einige Möglichkeiten ab, die Unson Farm zu einem „IPON-Fall“ zu machen – gerade weil der eigentliche Landkonflikt für uns nur von sekundärer Bedeutung ist. Zum einen haben die Admin-Farmer wie bereits erwähnt im Namen des Landbesitzers Todesdrohungen gegenüber den TFM-Bauern ausgesprochen. Die TFMler sind damit als Menschenrechtsverteidiger in der Wahrnehmung ihrer persönlichen Freiheitsrechte eingeschränkt und es wäre Aufgabe des Staates, hier einzuschreiten. Und zum anderen verpflichtet sich jeder Staat, der die internationalen Verträge und Konventionen zu den Menschenrechten unterzeichnet, dazu, sich für das Recht auf Leben und Nahrung der eigenen Bevölkerung einzusetzen. Die zerstörten Felder stellen die einzige Lebensgrundlage von Farmerleader Julio und den restlichen TFM-Mitgliedern dar und daher ist der philippinische Staat mehr oder weniger dazu verpflichtet, zu reagieren und Lösungsmöglichkeiten im Konflikt zwischen den TFM-Mitgliedern und dem Landbesitzer zu diskutieren.

Präsenz zeigen, die Menschenrechtsverteidiger begleiten, bei verantwortlichen Stellen nachfragen und etwaige Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. Das ist unsere übergeordnete Idee. Wir verlassen die Unson-Farm mit der Hoffnung, diesem Idealbild zumindest in Ansätzen gerecht geworden zu sein und versprechen, die TFM-Farmer zur Polizei zu begleiten. Darüber hinaus weisen wir sie auf unsere Absicht hin, bei der RMG den Grund für das Erscheinen der Offiziere auf der Unson Farm zu erfragen.

Julio bedankt sich sehr herzlich bei uns und verabschiedet sich – wie sollte es auch anders sein – mit einem breiten Lächeln.

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Vor Ort die Fakten als Wirklichkeit erkennen.

Ein Spaziergang durch einen Konflikt

Die letzten Tage haben wir bei den Menschenrechtsverteidiger_innen im, ehemals der Hacienda Agueda zugehörigen, Gebiet z wischen La Castellana (Barangay Lalagsan) und Moises Padilla (Barangay Odiong) im Landesinneren zugebracht. Während auf dem Gebiet im Barangay Lalagsan, seit einer Einigung mit der ehemaligen Landbesitzerin Rosita Montañez, 10 ha (von 33 ha) bewirtschaftet werden können, bleibt die Lage im Barangay Odiong angespannt. Seit dem 28. November 2002 besitzen hier Farmer_innen gemeinsam 64 ha Land, von dem sie bis heute nicht einmal ernten konnten.

Die TFM-Mitglieder erklärten ihre Situation vor Ort und führten uns durch die betreffenden Gebiete. Zunächst gingen wir zu einem Feld, dass am 25. September 2009 installiert wurde. Eine Installation ist eine formelle Landübergabe unter Anwesenheit von Polizei und Vertreter_innen des Agrarreformministeriums, die bei Nichtanerkennung der bereits vergebenen Landtitel, d.h. im Konfliktfall, erfolgt.

Hier stand eine Bambushütte

Hier stand eine Bambushütte

Ein Farmer wies mitten auf das hier wachsende Zuckerrohr „Hier stand die Bambushütte.“ Zwei Tage nach der Installation zog die Polizei ab, dann kamen Mitarbeiter der Montañez-Administration und verbrannten das neu angepflanzte Zuckerrohr und die Hütte in dem Feld. Die Landbesitzer wurden  seither wiederholt aus dem Feld vertrieben.

Direkt nebenan sind an dem Feldweg ein geöffnetes Tor und eine kleine Hütte zu sehen. An dieser Stelle sei lange Zeit ein Wachposten von Rosita Montañez stationiert gewesen, der den CLOA-Besitzern systematisch den Durchgang verwehrt habe.

Wir folgen dem Weg, betrachten die idyllische Landschaft grüner Reis- und Zuckerrohrfelder in dem fruchtbarem Gebiet zu Füßen des mächtigem Mount Canla-on, sehen Wasserbüffel, Ziegen und Kühe, die auf einem vertrockneten Reisfeld weiden, springen über einen Bewässerungsgraben, machen Fotos und stellen viele Fragen. Die Farmer finden es lustig, dass wir unseren Müll und die Zigarettenstummel mit uns tragen, anstatt sie einfach in die Felder zu werfen und wundern sich über den Ehrgeiz trotz der brennenden Mittagshitze weiterzugehen. Später wird uns bewusst werden, wie dumm es war, kein Trinkwasser mitgenommen zu haben. Wir wollten ursprünglich nur die wenigen Meter bis zum ersten Feld gehen.

Dann erreichen wir ein weiteres Feld der TFM-Bauern. Ihr Versuch auf dieses Gebiet zu expandieren, nachdem es durchdie Bauern der Montañez-Administration (im Folgenden: Admin Bauern) abgeerntet wurde, endete gewaltsam am 06. November 2009. Es war der dritten Tag der Bepflanzung als morgens Admin-Bauern kamen, begleitet von Security-Guards die bei der Montañez-Familie angestellt sind, mit einem Traktor und versuchten das Land zu betreten. Sie forderten eine Teilhabe an dem CLOA-Land, das lehnten die landbesitzenden Farmer ab. Dann rollte der Traktor vor und es kam zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, bei der Steine geworfen wurden. Welche Seite damit begonnen hat ist unklar.

Einer der die Sicherheit der Menschen vor Ort schützt?

Eine Farmerin lief sofort zum nahegelegenen Outpost, der unter anderem gerade dafür eingerichtet wurde die Sicherheit der Menschen vor Ort zu schützen. Nach Aussage der Farmerin reagierte SPO1 Juanito Villaflor, der Outpost der Regional Mobile Group (SPO1), zunächst ablehnend und sie habe betteln müssen, um ihn zum Eingreifen zu bewegen. Während er nach Aussage des Chief of Police in Moisses Padilla, Flores, alleine auf das Feld gegangen sei, sprechen die Bauern von zwei Hilfspolizisten die ihn begleiteten. Er selber gibt in unserem Interview die Unterstützung von drei bewaffneten Hilfspolizisten zu Protokoll.

Vor Ort habe er versucht die Lage durch Gespräche zu beruhigen, was offenbar nicht gelang. Als der Traktor weiter in den Besitz der TFM-Bauern eindrang und das Steineschmeißen erneut begann, sei er hilflos gewesen. Er habe Unterstützung bei der regionalen Polizei in Moisses Padilla angefordert, die ihm verweigert worden sei. Erst (mindestens) ein Warnschuss von einem der Security Guards beendete das Steineschmeißen. Danach konnte der Traktor ungehindert auf das Eigentum der CLOA-Besitzer eindringen. Der Outpost versuchte nicht einmal, sie daran zu hindern.

Wir haben Villaflor befragt. Dem Anschein nach war für ihn das Problem mit dem Ende der gewaltsamen Auseinandersetzung gleichsam erledigt. Er habe niemanden festgenommen, „weil es zu viele waren“. Wir fragen ihn, warum er selbst den Security Guard nicht festgenommen hat, obwohl er ihn wieder erkennen kann? „Er lief weg, nachdem er den Warnschuss abgegeben hat. Ich hätte ihn nicht einfangen können.“ Wie hat er den Fall weiter verfolgt? Es gab einen Bericht den er an die Provinzstelle der Polizei weitergeleitet hat.

VillaflorEr räumt ein von der Möglichkeit Verhöre zu führen oder Verhaftungen vorzunehmen keinen Gebrauch gemacht zu haben, auch nach der Gewalteskalation nicht. „Nur wenn geschossen würde, nur wenn jemand verletzt würde“, würde er diese Möglichkeit nutzen.

Es gibt Hinweise auf Einflussnahme der ehemaligen Landbesitzerin auf seine Arbeit. Einige Bauern behaupten sogar, dass der Aufseher der Montañez-Administration ihm während des Streits auf dem Feld sein Handy gegeben hätte, mit der Aussage, dass ihn jemand sprechen wolle. Erst nach diesem Telefonat habe er gesagt, dass er Nichts tun könne. Wir gehen dieser Behauptung nicht weiter nach. Später soll Frau Montañez auf ähnliche Weise mit uns Kontakt aufnehmen.

Wir fragen ihn, ob er mit der Situation überfordert war? Nein, er habe die Situation beruhigen wollen und das sei ihm gelungen. Durch Reden. Aber die Gewalteskalation endete doch erst mit dem Warnschuss eines Security Guards? „Das ist richtig.“ Und warum hat der Security Guard diesen Warnschuss abgegeben und nicht er, wo es doch seine Aufgabe gewesen wäre, die Gewalt zu beenden? Also war er doch überfordert? „Ja.“

Der gestohlene Acker

Hier fand die Auseinandersetzung statt

Im Nachhinein sei ihm erzählt worden, dass das Land nicht mehr den CLOA-Holdern gehöre. Ein Papier hat er dazu nicht gesehen, sein Vorgesetzter habe über diese Behauptung gelacht, er sei dennoch über die Besitzverhältnisse verunsichert. Außerdem gäbe es doch noch ein laufendes Verfahren? Wir wissen, dass es keinen pending case über die CLOA-Ländereien gibt und klären ihn über die gesetzliche Lage auf. Am Ende wirkt er beinahe ängstlich als er fragt, ob er eine Menschenrechtsverletzung begangen habe.

Das Feld, auf dem diese Auseinandersetzung stattgefunden hat sieht sehr friedlich aus, dem jungen Zuckerrohr ist nicht anzusehen, dass mit seiner Anpflanzung ein Unrecht begangen wurde.

Eine die um ihr Recht kämpft

Direkt neben dem Feld wohnt die Frau, die den Outpost, Villaflor, um Hilfe gerufen hatte. Die sehr ausgemergelte Frau ist 41 Jahre alt. Sie ist Mutter von 6 Kindern, von denen nur noch das jüngste, die einzige Tochter, zur Schule geht. Die anderen haben nur die Grundschule besuchen können. Obwohl ihr die Bildung ihrer Kinder das höchste Ziel ist, war eine weitere Ausbildung finanziell nicht möglich. Früher hat die Großgrundbesitzerin die Ausbildung der Kinder mitfinanziert, damit jedoch schon vor der Antragstellung aufgehört. Nach der Antragstellung für den CLOA-Titel bezeichnete die ehemalige Landbesitzerin sie und die anderen Antragsteller als Rebellen, alle Antragsteller_innen verloren ihre Anstellung bei der ehemaligen Landbesitzerin. Seither verdienen sie und ihr Mann im Monat nur bis zu 3000 PHP (umgerechnet 49.29 Euro), in manchen Monaten müssen sie und ihre Familie ohne jedes Einkommen auskommen. Nur der älteste Sohn verdient eigenes Geld in der Stadt.

Sie musste ihr Haus verlassen, als sie regelmäßig von bewaffneten Security Guards bedroht wurde. Jetzt lebt sie mit ihrem Vater in dem angrenzenden Baranguay.

Auch um die Auseinandersetzung auf dem Feld tut es ihr leid. Es schmerzt sie, dass sich Freunde mit Steinen bewerfen. Die Admin-Bauern machen solange der Aufseher in der Nähe ist das was er sagt, weil sie Angst davor haben ihren Job zu verlieren. Manche Freundschaften zwischen Admin-Bauern und CLOA-holdern überleben dennoch, hinter seinem Rücken.

Sie bat um Hilfe

Eine Menschenrechtsverteidigerin

Andere Admin-Bauern seien wirklich zur Bedrohung für sie geworden. Auch gäbe es neue Leute. So sei auch der Aufseher erst gekommen, nachdem sie ihre Anstellung bereits verloren hatte. Die Neuen gehen nicht freundlich mit ihr um.

Dennoch würde sie sich wieder so entscheiden. Sie will immer noch den Landtitel haben. Eigenes Land würde ihnen sehr helfen, weil sie dann keine Abgaben an den LO mehr leisten müssen und so für die Zukunft ihrer Kinder sorgen könnten. Sie kann ihr Land seit 2000 nicht betreten, war also nie auf ihrem eigenen Land. Manchmal hat sie die Hoffnung verloren.

Am 6. November hatte der Traktor Setzlinge dabei und sie wurden in ihr Feld gepflanzt. Acht Guards standen dabei und auch die Polizei. Die Landbesitzer mussten ihr Land verlassen. Die 41jährige Frau geht noch zur Polizei in Moises Padilla aber sie kommen nicht. Sie zeigt den Vorfall an. Dann passiert nichts mehr. Sie lassen Admin-Bauern arbeiten. Guards bewachen das Feld mehr als eine Woche. Es schmerzt sie, aber sie hat noch Hoffnung.

Eine freundliche Begrüßung

Am dritten Tag unseres Besuches stehen zwei Guards am Highway und bewachen die Einfahrt zu den Häusern der TFM-Bauern. Sie befragen uns nach den Fotos vom Vortag, nehmen unsere Namen auf und fordern eine Handynummer von uns ein, bevor sie uns passieren lassen. Zusätzlich geben wir ihnen ein Papier, in dem wir unsere Arbeit beschrieben haben. Kurz nachdem wir bei unseren Gastgeber_innen angekommen sind kommen die Guards und reichen Einer aus unserem Team ein Handy. Die Anruferin entpuppt sich als die Tochter der ehemaligen Landbesitzerin, Frau Montañez, die uns erklärt, dass wir uns auf ihrem Grundstück befänden und ihr Land zu verlassen haben. Es stimmt natürlich nicht, dass sie uns verbieten darf die Bauern zu besuchen. Wir versuchen ihr zu erklären, wer wir sind. Als sie den Redefluss nicht unterbricht legen wir auf.

Kurz darauf kommen wieder die Security Guards, diesmal bringen sie eine Nachricht: Die Einfahrt bleibt geschlossen, sie lassen keine Bauern mehr ein- oder ausfahren, solange wir auf dem Grundstück sind. Wir sind hier mit dem verantwortlichen Community Organizer verabredet, der angesichts der veränderten Situation nicht kommen wird. Er habe bereits die Erfahrung gemacht, nicht durchgelassen zu werden. So verabreden wir einen alternativen Treffpunkt und verlassen, nach dem wir unser Mittagessen aufgegessen haben, die Bauern schneller als gedacht. /ah/

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