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“How could we be charged of stealing our own? What a great folly” (Manuelito Dela Cruz)

MRV Manuelito Dela Cruz, Hacienda Cana-An

Manuelito Dela Cruz

Als Manuelito Dela Cruz und sein damals 28-jähriger Sohn Jonathan am 11.10.2009 ihr Haus auf der Hacienda Cana-An verließen, haben sie nicht damit gerechnet, dass sie erst ein Jahr später nach Hause zurückkehren würden. Noch während der Fahrt zum Markt, auf dem sie wie gewohnt Kokosnüsse verkaufen wollten, sind sie von Mr. Ramil Buenavista und einigen privaten Sicherheitskräften der Landbesitzerin angehalten und kurze Zeit später direkt verhaftet worden. Der Vorwurf: Kokosnussdiebstahl.

Mr. Buenavista ist ausführende Hand der Paraiso Food Processors Corporation. Auch wenn ein Großteil der Hacienda bereits an landlose FarmerInnen vergeben wurde, so sind doch noch einige Teile in Besitz von Eloisa S. Sison. Diese hat das ihr noch verbleibende Land an die Paraiso Food Processors Corporation verpachtet. So auch das Gebiet, auf dem die Hütte von Dela Cruz und die von ihm geernteten Kokosnusspflanzen stehen.

Allerdings erweisen sich die Besitzverhältnisse der besagten Kokosnusspalmen als überaus uneindeutig: Die Hütte und wahrscheinlich auch die Palmen stehen auf Dela Cruz‘ sogenanntem Homelot. Dabei handelt es sich um ein bis zu 1000 Quadratmeter großes Gebiet auf der Hacienda, auf dem die Hütte der FarmerInnen steht.

Ausschnitt aus dem „approved plan“ der Hacienda Cana-An; der orange markierte Teil kennzeichnet das Homelot von Dela Cruz

Das Agrarreformministerium hat bereits einen sogenannten „approved plan“ der Hacienda erstellt. Dieser gibt Auskunft über die Größe des noch zu vergebenden Landes der jeweiligen Hacienda und dient damit als Grundstein für die zukünftigen Landvergaben. Darauf ist eindeutig das Homelot von Mr. Dela Cruz zu erkennen. Der Rechtsexperte einer philippinischen NGO bestätigte gegenüber IPON, dass Homelots bei der Landverteilung gewöhnlicherweise („usually“) an die BewohnerInnen vergeben werden. Aber bis dahin gehört das Feld, rein rechtlich gesehen, noch immer der Landbesitzerin Sison. Des Weiteren befinden sich die besagten Kokosnussbäume auf dem Randgebiet des Homelots, sodass der vorliegende „approved plan“ letztendlich keine genaue Aussage darüber erlaubt, auf welcher Seite der Grundstücksgrenze die Palmen stehen.

Nichtsdestotrotz erzählte uns Manuelito Dela Cruz, dass die Kokosnusspflanzen, die im Mittelpunkt des Streits stehen, bereits von seinem mittlerweile verstorbenen Vater angepflanzt worden sind und sich demnach in seinem Besitz befinden. Hinzu kommt, dass er die Kokosnüsse seit Jahren ohne Einspruch von Buenavista oder Sison ernten und verkaufen könne. Warum er plötzlich des Diebstahls bezichtig wurde, konnte Dela Cruz uns nicht erklären.

Das Gericht, der Regional Trial Court in Cadiz, sprach sich letztendlich gegen Dela Cruz und seinen Sohn aus und verurteilte Beide zu einer Haftstrafe zwischen zwei und sechs Jahren. Letztendlich saßen sie für zwölf Monate im Gefängnis von Cadiz und wurden anschließend zu zwei Jahren Bewährung verurteilt, die noch bis zum 8.12.2012 anhält.

Christopher John Sy, Legal Researcher am Regional Trial Court in Cadiz, bestätigte gegenüber IPON, dass das verhängte Strafmaß für Manuelito und seinen Sohn für Kokosnussdiebstahl auf den Philippinen angemessen war und er auch schon Fälle erlebt hätte, in denen der Urteilsspruch weit strenger ausfiel. Dabei muss man erwähnen, dass Kokosnussdiebstahl im philippinischen Rechtssystem ein schweres Vergehen ist und demnach mit hohen Strafen behängt wird – ein Erbe aus der spanischen Kolonialzeit.

Letztendlich haben ungeklärte Besitzverhältnisse und der Umstand, dass Kokosnussdiebstahl auf den Philippinen hart bestraft wird, dazu geführt, dass Manuelito Dela Cruz und sein Sohn Jonathan für den (angeblichen?) Diebstahl von 165 Kokosnüssen im Wert von 3.333 Pesos (ca. 62 €) für zwölf Monate im Gefängnis saßen und noch immer auf Bewährung sind.

Doch auch nach der verbüßten Haftstrafe bestimmt der Urteilsspruch weiterhin auf das Leben von Manuelito. Mittlerweile traut er sich nicht mehr die Kokosnusspalmen zu ernten – aus Angst vor einer erneuten Verhaftung. Stattdessen beobachtete er mehrmals, wie Buenavista in Begleitung von bewaffneten Sicherheitskräften auf seinem Homelot umherliefen und Kokosnüsse ernteten. Dabei kam es auch immer wieder zu Bedrohungen von Seiten der Security Guards gegenüber den FarmerInnen. Da Manuelito Angst hat, dass seine noch andauernde Bewährungsstrafe gegen ihn verwendet werden könnte, traut er sich nicht, die Vorkommnisse bei der Polizei zu melden. Auch wenn sich die Situation auf der Hacienda mittlerweile wieder beruhigt hat, bleibt bei Manuelito das Gefühl der Machtlosigkeit.

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Ein Kommentar

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„Wir können nicht frei sprechen.“

Es ist bereits relativ spät, als wir endlich auf Hacienda Teresita eintreffen. Wir setzen uns mit Neneth, der Witwe des am 16.Mai 2010 ermordeten Farmerleaders Florencio Dogomeo, vor ihr Haus. Ein Mann gesellt sich zu uns. Er ist erst nach dem Mord (wir berichteten hier darüber) aus Cebu hierher gekommen um die Bäuerinnen zu unterstützen. Die drei Männer, die den Mord gesehen haben, sind untergetaucht, ein Vierter begleitet sie. Alle Vier haben Angst um ihr Leben, dass sie die nächsten Opfer werden könnten. Joy heisst der, mit dem wir nun sprechen. Er hofft, dass die Vier zurückkehren, wenn sie wissen, dass er nun ebenfalls wieder in dem Dorf lebt. „Jetzt“, sagt er „stehe vielleicht ich in der Schusslinie.“

Wir fragen sie, ob sie den Betrug der ehemaligen development facilitator des Agrarreformministeriums weiterverfolgen wollen. Da sie davon ausgehen, dass Florencio Dogomeo umgebracht wurde, um genau das zu vermeiden, befürchten sie damit weitere Tote zu beschwören. „Einer ist genug!“, antworten sie. Eine wirkliche Bestrafung der Betrügerin, die sie um mehr als 1,2 Millionen Peso gebracht hat, sei das Risiko nicht wert, dass noch jemand ermordet würde. Der vermutliche Zweck des Mordes wurde also erreicht, die Bauern werden schweigen.

Dennoch fühlen sie sich nicht sicher. Seit dem Mord seien vier verdächtig wirkende Unbekannte regelmässig bei den abgelegenen Häusern der Bauern aufgetaucht. Unsere Frage, ob sie mit dem Mord in Verbindung stehen, beantworten die Bauern indem sie sagen, dass sie nicht frei sprechen können. Es gibt viele Zuhörer und es gibt mindestens einen Spitzel, sagen sie. Wir müssen zu einer besseren Zeit wiederkommen: ganz früh am Morgen, oder abends, wenn sich alle Menschen in das Innere ihrer Häuser zurückgezogen haben, dann können sie uns die ganze Geschichte erzählen.

Sie wirken nervös und unsicher. Sie erzählen uns, dass sie Angst haben. Angst vor einem weiteren Mord. Besonders nachts in ihren Häusern. Sie bitten uns zu bleiben. Und wir versprechen wieder zu kommen, bald und für länger. /ah/

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Die Menschenrechtslage auf dem ehemaligen Landbesitz Teves

Die Situation auf dem ehemaligen Gebiet des Teves-Landbesitzes ist ein besonders deutliches Beispiel, für die Probleme die auf Menschenrechtsverteidiger_innen zukommen können, die sich im Rahmen des Regierungsprogramms CARP für ihre Menschenrechte einsetzen. Ihr Einsatz gilt Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, das Recht auf Leben Freiheit und Sicherheit der Person, Artikel 17, dem Recht auf Eigentum und Artikel 25, dem Recht auf einen adäquaten Lebensstandard einschließlich dem Recht auf Nahrung. Besonders problematisch scheint die Umsetzung der Landreform immer dann zu werden, wenn es sich, wie bei der Familie von Congressman Henry Teves, um eine sehr einflussreiche Familie handelt.

Bereits im Dezember 2009 verfasste IPON einen ausführlichen Bericht (in den kommenden Tagen stellen wir ihn hier online) über die besorgniserregende Menschenrechtslage auf ehemaligen Gebieten der Hacienda Teves, und sendete ihn an alle verantwortlichen staatlichen Akteure. Seither sind die versprochenen Stellungnahmen ausgeblieben und bislang ist leider nur wenig zur Veränderung der Situation in die Wege geleitet worden. Die Schlüsse, zu denen der Bericht gekommen ist sind daher weiterhin von unveränderter Aktualität.

Seitdem die Mitglieder von TFM beim zuständigen Ministerium für Agrarreform (DAR) einen Antrag auf eigenes Land gestellt haben und 30 Bauern Landtitel im Jahr 1999 und 1997 zugesprochen wurde, leben die Menschenrechtsverteidiger_innen unter permanenter Bedrohung.

Nach der Vertreibung einiger Antragsteller_innen, wurden im August 2008 drei Wohnhäuser zerstört. Auch älterer Landbesitz wurde ihnen abgenommen. Der Landkonflikt auf diesen Ländereien mündete in regelmäßigen Warnschüssen zur Einschüchterung der Menschenrechtsverteidiger_innen. Dann, im Dezember 2008 in der Ermordung des Sohnes des Menschenrechtsverteidigers Romaldo Hoyohoy und im Januar 2009 des sie verteidigenden Anwalts der Agrarrefomministeriums. Zwei von vielen unaufgeklärten politischen Morden auf den Philippinen.Landbesitzern Zugang verboten

Die fortwährenden Bedrohungen speisen ein Klima der Angst und Gefühl fehlender Sicherheit und münden in einem wachsenden Vertrauensverlust in die lokalen Staatsautoritäten. So wurden viele Vorfälle bei der lokalen Polizei gemeldet, doch selbst bei namentlicher Nennung daran Beteiligter (darunter auch der Erbe des Landbesitzers, Arnie Teves selbst), scheint es keinerlei Konsequenzen für die Gesetzesbrüche zu geben. Da der lokalen Polizeichefs Abella bestätigt, dass keiner seiner Polizeibeamten das betroffene Gebiet aufgesucht hat, ist davon auszugehen, dass es keine weiteren Untersuchungen zu den Vorfällen gegeben hat. Darüber hinaus gab er in einem IPON-Interview an, nichts über die Vorkommnisse zu wissen. Selbst wenn es die offiziellen Meldungen bei der Polizei nicht geben würde, ist davon auszugehen, dass die Warnschüsse in dem in Hörweite liegenden Außenposten der Polizei gehört wurden.

Dies führt IPON zu der Auffassung, dass hier Artikel 7 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Gleichheit vor dem Gesetz und gleicher Anspruch auf Schutz durch das Gesetz, keine ausreichende Umsetzung erfährt.

Zudem ist ein Anspruch auf Rechtschutz der TFM-Mitglieder momentan nicht gewährt. Der zuständige DAR-Anwalt hat in einem Gespräch mit IPON ausgesagt, die TFM-Mitglieder aus mangelnder Vertrauensbasis nicht zu vertreten. Auf nationaler Ebene wurde ausgesagt, dass es keinen DAR-Anwalt gäbe, der bereit wäre gegen Teves vorzugehen.

Zudem wird die Verantwortlichkeit für die Gewährleistung der Sicherheit der MenschenrechtsverteidigerInnen zwischen dem Agrarreformminister und der Polizei gegenseitig zugewiesen. Aufgrund von Untätigkeit der Polizei und anderen staatlichenBesichtigung des Gebiets Akteuren und die daraus resultierenden Straflosigkeit, haben die MenschenrechtsverteidigerInnen nach eigenen Aussagen ihr Vertrauen in die staatlichen Institutionen verloren. Dies ist nach Ansicht IPONs eine alarmierende Situation. Verstärkt wird dieser Eindruck durch intransparente Handlung staatlicher Akteure. So wurden im März 2009 beispielsweise Landtitel von 15 Bauern durch den Agrarreformminister entzogen, obwohl der selbige die Aberkennung im Jahr 2008 aufgehoben hatte, die auf der Regionalebene zuvor angeordnet worden war.

Bislang hat nur das lokale DAR Stellung zu unserem Bericht genommen, konkrete Schritte zur Verbesserung der Situation stehen weiterhin aus. In den kommenden Wochen beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit dem Follow-Up des Reports und bemühen uns weiter um eine Reaktion der staatlichen Autoritäten auf die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen. /ah/

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Hacienda Victoria

…stellt Euch das einmal in Deutschland vor:

Ein Richter, ohne Entscheidungsbefugnis über diesen Fall, soll darüber urteilen, ob der Leasing Contract zwischen zwei Firmen gültig ist. Beide Firmen werden von dem Großgrundbesitzerpaar geführt und erfüllen den Zweck die Legitimität der Installation der Menschenrechtsverteidiger_innen in Frage zu stellen.

Anstatt den Fall jedoch, dem Gesetz entsprechend (Section 68 des CARPER) zurückzuweisen, stellt er zunächst eine einstweilige Verfügung aus die den Menschenrechtsverteidiger_innen den Zugang zu 59 Hektar ihres Landes verbietet.

Zudem erhalten die Bauern, ebenso auch die eigentlich vollständig  zuständige Gremien des Agrarreformministeriums, die Gerichtsentscheide meist wesentlich später als der Großgrundbesitzer und das Verfahren lässt auf sich warten. Mit ziemlicher Sicherheit kann hier also auch von unnötigen Verzögerungen gesprochen werden.

Auch zu weiteren CLOA-Gebieten ist den Landbesitzer_innen der Zugang verwehrt, so können sie von 70 Hektar Eigentum z. Z. nur 9 Hektar bewirtschaften.

Die Kultivierung eines hierzu gehörigen Grundstücks von 1,5 Hektar ist jedoch ebenfalls problematisch. Als Konsequenz aus der Bedrohung durch die Hacienda-Administration, die bereits versuchte auf diese 1,5 Hektar ihres Landes vorzudringen um es selber zu kultivieren, bewachen sie das betreffende Feld selbstständig.

Seit etwa einem Monat ist rund um die Uhr permanent die Hälfte der CLOA-Besitzer, ca. 30 TFM-Bauern, auf dem Feld. Sie leben, essen, trinken und schlafen in wechselnden Schichten neben dem, noch jungen, Zuckerrohr. Vor etwa 2 Wochen haben sie dort eine Bambushütte errichtet. Vorher schliefen sie in winzigen improvisierten Zelten aus Bambusmatten und alten Reissäcken, die nun den Paaren als nächtlicher Rückzugsort dienen. /ah/

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Vor Ort die Fakten als Wirklichkeit erkennen.

Ein Spaziergang durch einen Konflikt

Die letzten Tage haben wir bei den Menschenrechtsverteidiger_innen im, ehemals der Hacienda Agueda zugehörigen, Gebiet z wischen La Castellana (Barangay Lalagsan) und Moises Padilla (Barangay Odiong) im Landesinneren zugebracht. Während auf dem Gebiet im Barangay Lalagsan, seit einer Einigung mit der ehemaligen Landbesitzerin Rosita Montañez, 10 ha (von 33 ha) bewirtschaftet werden können, bleibt die Lage im Barangay Odiong angespannt. Seit dem 28. November 2002 besitzen hier Farmer_innen gemeinsam 64 ha Land, von dem sie bis heute nicht einmal ernten konnten.

Die TFM-Mitglieder erklärten ihre Situation vor Ort und führten uns durch die betreffenden Gebiete. Zunächst gingen wir zu einem Feld, dass am 25. September 2009 installiert wurde. Eine Installation ist eine formelle Landübergabe unter Anwesenheit von Polizei und Vertreter_innen des Agrarreformministeriums, die bei Nichtanerkennung der bereits vergebenen Landtitel, d.h. im Konfliktfall, erfolgt.

Hier stand eine Bambushütte

Hier stand eine Bambushütte

Ein Farmer wies mitten auf das hier wachsende Zuckerrohr „Hier stand die Bambushütte.“ Zwei Tage nach der Installation zog die Polizei ab, dann kamen Mitarbeiter der Montañez-Administration und verbrannten das neu angepflanzte Zuckerrohr und die Hütte in dem Feld. Die Landbesitzer wurden  seither wiederholt aus dem Feld vertrieben.

Direkt nebenan sind an dem Feldweg ein geöffnetes Tor und eine kleine Hütte zu sehen. An dieser Stelle sei lange Zeit ein Wachposten von Rosita Montañez stationiert gewesen, der den CLOA-Besitzern systematisch den Durchgang verwehrt habe.

Wir folgen dem Weg, betrachten die idyllische Landschaft grüner Reis- und Zuckerrohrfelder in dem fruchtbarem Gebiet zu Füßen des mächtigem Mount Canla-on, sehen Wasserbüffel, Ziegen und Kühe, die auf einem vertrockneten Reisfeld weiden, springen über einen Bewässerungsgraben, machen Fotos und stellen viele Fragen. Die Farmer finden es lustig, dass wir unseren Müll und die Zigarettenstummel mit uns tragen, anstatt sie einfach in die Felder zu werfen und wundern sich über den Ehrgeiz trotz der brennenden Mittagshitze weiterzugehen. Später wird uns bewusst werden, wie dumm es war, kein Trinkwasser mitgenommen zu haben. Wir wollten ursprünglich nur die wenigen Meter bis zum ersten Feld gehen.

Dann erreichen wir ein weiteres Feld der TFM-Bauern. Ihr Versuch auf dieses Gebiet zu expandieren, nachdem es durchdie Bauern der Montañez-Administration (im Folgenden: Admin Bauern) abgeerntet wurde, endete gewaltsam am 06. November 2009. Es war der dritten Tag der Bepflanzung als morgens Admin-Bauern kamen, begleitet von Security-Guards die bei der Montañez-Familie angestellt sind, mit einem Traktor und versuchten das Land zu betreten. Sie forderten eine Teilhabe an dem CLOA-Land, das lehnten die landbesitzenden Farmer ab. Dann rollte der Traktor vor und es kam zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, bei der Steine geworfen wurden. Welche Seite damit begonnen hat ist unklar.

Einer der die Sicherheit der Menschen vor Ort schützt?

Eine Farmerin lief sofort zum nahegelegenen Outpost, der unter anderem gerade dafür eingerichtet wurde die Sicherheit der Menschen vor Ort zu schützen. Nach Aussage der Farmerin reagierte SPO1 Juanito Villaflor, der Outpost der Regional Mobile Group (SPO1), zunächst ablehnend und sie habe betteln müssen, um ihn zum Eingreifen zu bewegen. Während er nach Aussage des Chief of Police in Moisses Padilla, Flores, alleine auf das Feld gegangen sei, sprechen die Bauern von zwei Hilfspolizisten die ihn begleiteten. Er selber gibt in unserem Interview die Unterstützung von drei bewaffneten Hilfspolizisten zu Protokoll.

Vor Ort habe er versucht die Lage durch Gespräche zu beruhigen, was offenbar nicht gelang. Als der Traktor weiter in den Besitz der TFM-Bauern eindrang und das Steineschmeißen erneut begann, sei er hilflos gewesen. Er habe Unterstützung bei der regionalen Polizei in Moisses Padilla angefordert, die ihm verweigert worden sei. Erst (mindestens) ein Warnschuss von einem der Security Guards beendete das Steineschmeißen. Danach konnte der Traktor ungehindert auf das Eigentum der CLOA-Besitzer eindringen. Der Outpost versuchte nicht einmal, sie daran zu hindern.

Wir haben Villaflor befragt. Dem Anschein nach war für ihn das Problem mit dem Ende der gewaltsamen Auseinandersetzung gleichsam erledigt. Er habe niemanden festgenommen, „weil es zu viele waren“. Wir fragen ihn, warum er selbst den Security Guard nicht festgenommen hat, obwohl er ihn wieder erkennen kann? „Er lief weg, nachdem er den Warnschuss abgegeben hat. Ich hätte ihn nicht einfangen können.“ Wie hat er den Fall weiter verfolgt? Es gab einen Bericht den er an die Provinzstelle der Polizei weitergeleitet hat.

VillaflorEr räumt ein von der Möglichkeit Verhöre zu führen oder Verhaftungen vorzunehmen keinen Gebrauch gemacht zu haben, auch nach der Gewalteskalation nicht. „Nur wenn geschossen würde, nur wenn jemand verletzt würde“, würde er diese Möglichkeit nutzen.

Es gibt Hinweise auf Einflussnahme der ehemaligen Landbesitzerin auf seine Arbeit. Einige Bauern behaupten sogar, dass der Aufseher der Montañez-Administration ihm während des Streits auf dem Feld sein Handy gegeben hätte, mit der Aussage, dass ihn jemand sprechen wolle. Erst nach diesem Telefonat habe er gesagt, dass er Nichts tun könne. Wir gehen dieser Behauptung nicht weiter nach. Später soll Frau Montañez auf ähnliche Weise mit uns Kontakt aufnehmen.

Wir fragen ihn, ob er mit der Situation überfordert war? Nein, er habe die Situation beruhigen wollen und das sei ihm gelungen. Durch Reden. Aber die Gewalteskalation endete doch erst mit dem Warnschuss eines Security Guards? „Das ist richtig.“ Und warum hat der Security Guard diesen Warnschuss abgegeben und nicht er, wo es doch seine Aufgabe gewesen wäre, die Gewalt zu beenden? Also war er doch überfordert? „Ja.“

Der gestohlene Acker

Hier fand die Auseinandersetzung statt

Im Nachhinein sei ihm erzählt worden, dass das Land nicht mehr den CLOA-Holdern gehöre. Ein Papier hat er dazu nicht gesehen, sein Vorgesetzter habe über diese Behauptung gelacht, er sei dennoch über die Besitzverhältnisse verunsichert. Außerdem gäbe es doch noch ein laufendes Verfahren? Wir wissen, dass es keinen pending case über die CLOA-Ländereien gibt und klären ihn über die gesetzliche Lage auf. Am Ende wirkt er beinahe ängstlich als er fragt, ob er eine Menschenrechtsverletzung begangen habe.

Das Feld, auf dem diese Auseinandersetzung stattgefunden hat sieht sehr friedlich aus, dem jungen Zuckerrohr ist nicht anzusehen, dass mit seiner Anpflanzung ein Unrecht begangen wurde.

Eine die um ihr Recht kämpft

Direkt neben dem Feld wohnt die Frau, die den Outpost, Villaflor, um Hilfe gerufen hatte. Die sehr ausgemergelte Frau ist 41 Jahre alt. Sie ist Mutter von 6 Kindern, von denen nur noch das jüngste, die einzige Tochter, zur Schule geht. Die anderen haben nur die Grundschule besuchen können. Obwohl ihr die Bildung ihrer Kinder das höchste Ziel ist, war eine weitere Ausbildung finanziell nicht möglich. Früher hat die Großgrundbesitzerin die Ausbildung der Kinder mitfinanziert, damit jedoch schon vor der Antragstellung aufgehört. Nach der Antragstellung für den CLOA-Titel bezeichnete die ehemalige Landbesitzerin sie und die anderen Antragsteller als Rebellen, alle Antragsteller_innen verloren ihre Anstellung bei der ehemaligen Landbesitzerin. Seither verdienen sie und ihr Mann im Monat nur bis zu 3000 PHP (umgerechnet 49.29 Euro), in manchen Monaten müssen sie und ihre Familie ohne jedes Einkommen auskommen. Nur der älteste Sohn verdient eigenes Geld in der Stadt.

Sie musste ihr Haus verlassen, als sie regelmäßig von bewaffneten Security Guards bedroht wurde. Jetzt lebt sie mit ihrem Vater in dem angrenzenden Baranguay.

Auch um die Auseinandersetzung auf dem Feld tut es ihr leid. Es schmerzt sie, dass sich Freunde mit Steinen bewerfen. Die Admin-Bauern machen solange der Aufseher in der Nähe ist das was er sagt, weil sie Angst davor haben ihren Job zu verlieren. Manche Freundschaften zwischen Admin-Bauern und CLOA-holdern überleben dennoch, hinter seinem Rücken.

Sie bat um Hilfe

Eine Menschenrechtsverteidigerin

Andere Admin-Bauern seien wirklich zur Bedrohung für sie geworden. Auch gäbe es neue Leute. So sei auch der Aufseher erst gekommen, nachdem sie ihre Anstellung bereits verloren hatte. Die Neuen gehen nicht freundlich mit ihr um.

Dennoch würde sie sich wieder so entscheiden. Sie will immer noch den Landtitel haben. Eigenes Land würde ihnen sehr helfen, weil sie dann keine Abgaben an den LO mehr leisten müssen und so für die Zukunft ihrer Kinder sorgen könnten. Sie kann ihr Land seit 2000 nicht betreten, war also nie auf ihrem eigenen Land. Manchmal hat sie die Hoffnung verloren.

Am 6. November hatte der Traktor Setzlinge dabei und sie wurden in ihr Feld gepflanzt. Acht Guards standen dabei und auch die Polizei. Die Landbesitzer mussten ihr Land verlassen. Die 41jährige Frau geht noch zur Polizei in Moises Padilla aber sie kommen nicht. Sie zeigt den Vorfall an. Dann passiert nichts mehr. Sie lassen Admin-Bauern arbeiten. Guards bewachen das Feld mehr als eine Woche. Es schmerzt sie, aber sie hat noch Hoffnung.

Eine freundliche Begrüßung

Am dritten Tag unseres Besuches stehen zwei Guards am Highway und bewachen die Einfahrt zu den Häusern der TFM-Bauern. Sie befragen uns nach den Fotos vom Vortag, nehmen unsere Namen auf und fordern eine Handynummer von uns ein, bevor sie uns passieren lassen. Zusätzlich geben wir ihnen ein Papier, in dem wir unsere Arbeit beschrieben haben. Kurz nachdem wir bei unseren Gastgeber_innen angekommen sind kommen die Guards und reichen Einer aus unserem Team ein Handy. Die Anruferin entpuppt sich als die Tochter der ehemaligen Landbesitzerin, Frau Montañez, die uns erklärt, dass wir uns auf ihrem Grundstück befänden und ihr Land zu verlassen haben. Es stimmt natürlich nicht, dass sie uns verbieten darf die Bauern zu besuchen. Wir versuchen ihr zu erklären, wer wir sind. Als sie den Redefluss nicht unterbricht legen wir auf.

Kurz darauf kommen wieder die Security Guards, diesmal bringen sie eine Nachricht: Die Einfahrt bleibt geschlossen, sie lassen keine Bauern mehr ein- oder ausfahren, solange wir auf dem Grundstück sind. Wir sind hier mit dem verantwortlichen Community Organizer verabredet, der angesichts der veränderten Situation nicht kommen wird. Er habe bereits die Erfahrung gemacht, nicht durchgelassen zu werden. So verabreden wir einen alternativen Treffpunkt und verlassen, nach dem wir unser Mittagessen aufgegessen haben, die Bauern schneller als gedacht. /ah/

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Eingeordnet unter Hacienda Agueda