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Zur Feier des Tages

Erfreuliche Nachrichten erreichten uns letzte Woche von der Hacienda Angelita nahe La Castellana, einem beschaulichen Örtchen circa zwei Stunden südlich von Bacolod. Dort bemühten sich Farmer der Task Force Mapalad (TFM), unserem Mandatspartner, seit Längerem die Durchsetzung ihres Landtitels voranzutreiben. IPON begleitete TFM auf diesem manchmal recht holprigen Weg. So wurde unserem Negros-Team Anfang des Jahres von Bedrohungen durch die Sicherheitskräfte des Großgrundbesitzers berichtet. Im Zuge der Landreform sind repressive Maßnahmen von Seiten der Landowner leider keine Seltenheit und IPON hört immer wieder von Fällen, in denen Farmer, die ihre Landtitel beantragt haben oder dies planen, von privaten Sicherheitskräften („blue guards“) mit Waffen bedroht oder verbal eingeschüchtert werden. Werden die Vorfälle der Polizei gemeldet, mahlen die Mühlen der Justiz manchmal nur sehr langsam, wenn überhaupt. So auch im Fall der Hacienda Angelita, als nach einem bewaffneten Überfall auf die Farmer von in zivil gekleideten blue guards die Polizei erst nach Androhung, die Situation ansonsten bei einem lokalen Radiosender zu schildern, bereit war Ermittlungen aufzunehmen. Diese Vorfälle, sowie der langwierige Prozess der Landübergabe veranlasste uns Observer dazu, mehrmals auf die Hacienda zu fahren und Präsenz zu zeigen, sowie weitere Information bei den Farmern und den lokalen Behörden einzuholen.

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Auch bürokratisch galt es einige Hürden zu überwinden und Termine wahrzunehmen. IPON Observer begleiteten die TFM Farmer von Hacienda Angelita zu einem Workshop mit dem Department of Agrarian Reform (DAR), sowie zu von DAR initiierten Dialogen zwischen Großgrundbesitzer und Farmern. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Landparzellen, die den Farmern im Frühjahr diesen Jahres hätten zugesprochen werden sollen, vom Großgrundbesitzer mit Zuckerrohrsetzlingen bepflanzt wurden. Dies geschah, obwohl im Herbst 2013 bereits ein Erlass vom DAR ausgestellt wurde, der das weitere Bepflanzen dieser Parzellen untersagte. Leider tauchte dieser Erlass erst nach geschaffenen Tatsachen auf und man befand sich in einem Dilemma: das DAR konnte nun dem Großgrundbesitzer das Land nicht entziehen, da dieser wegen des daraus resultierenden Verlustes seiner Pflanzen wirtschaftlichen Schaden davon getragen hätte. Den Farmern stand das Land zwar zu, hätte ihnen aber erst nach der Ernte zugänglich gemacht werden können, was mehrere Monate beansprucht hätte. Also trafen sich alle Parteien im DAR in Bacolod und einigten sich darauf, dass die Farmer den Landbesitzer für die Zuckerrohrsetzlinge entschädigen werden. Dazu mussten diese eine nicht unerhebliche Summe Geld aufbringen. Die Landübergabe konnte dann jedoch diesen Monat stattfinden. Zur Feier des Tages wurden auch wir Observer erfreulicherweise eingeladen. Für uns war dies die erste Installation (offizielle Landübergabe), die wir live miterleben durften, dementsprechend groß war die Neugier im Team.

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Auf einem der Felder der Hacienda wurde ein großes Zelt errichtet, das Militär und die Polizei sicherten zuvor das Gelände und waren während der gesamten Zeremonie vor Ort. Mitarbeiter des DAR nahmen teil, der Großgrundbesitzer war auch anwesend. Vertreter aller Parteien hielten Reden, es wurde Essen verteilt, das seit den frühen Morgenstunden gekocht wurde und die Freude in den Gesichtern unserer Mandatspartner war kaum zu übersehen. Auch wir freuten uns über die erfolgreiche Installation, wenn auch die hohe Verschuldung der Farmer aus unserer Sicht die Zeremonie etwas trübte, genau wie die Berichterstattung über repressive Maßnahmen, die sich wohl auf einer benachbarten Hacienda abspielen. Ein Farmer von besagter Hacienda, kam zur Installation um mit uns IPON Observern über die Vorfälle zu sprechen. Es scheint als wäre unsere Arbeit rund um La Castellana also doch noch nicht abgeschlossen.

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„Aus faulen Eiern werden keine Küken“ !? (Wilhelm Busch)

Während der spanischen Kolonialzeit (1565-1898) haben sich in den Philippinen Strukturen etabliert und gefestigt, die es bis heute einigen wenigen Familien ermöglichen, zentrale Machtpositionen im Land einzunehmen und ein Großteil der Landflächen zu besitzen.

Auf der Insel Negros, der „Zuckerinsel“ der Philippinen, hängt der Wohlstand und Einfluss dieser GroßgrundbesitzerInnen oft an sogenannten Haciendas. Dabei handelt es sich um riesige Zuckerrohrplantagen, die als Symbol für Reichtum, Macht und Prestige gelten. Darauf leben und arbeiten FarmerInnen, die in vielen Fällen von der Willkür der „Zuckerbarone“ abhängig sind. Aus diesem Grunde gibt es seit mehreren Jahrzehnten verschiedene Versuche der philippinischen Regierung, durch Agrarreformen die Abhängigkeitsverhältnisse und bestehende Machtstrukturen aufzubrechen, Wohlstand gleichmäßiger zu verteilen und mittellosen FarmerInnen ein unabhängiges Einkommen zu ermöglichen. Die derzeitige Agrarreform auf den Philippinen wird in dem sogenannten CARP (Comprehensive Agrarian Reform Programme) umgesetzt, das 1988 ins Leben gerufen wurde.

Um ihre Machtpositionen nicht einzubüßen und den Ursprung ihres Reichtums, die Zuckerrohrplantagen, nicht zu verlieren, wehren sich viele GroßgrundbesitzerInnen mit Händen und Füßen gegen die Landreform. Die von ihnen ergriffenen Maßnahmen sind dabei vielseitig. Sie reichen von Bedrohung und physischer Gewalt gegen FarmerInnen (und in dem Fall MenschenrechtsverteidigerInnen, MRV), die sich für ihr Recht auf Land einsetzen bis hin zu Schikanen, wie beispielsweise haltlosen Gerichtsverfahren, in die sie die MRV verstricken, um ihre finanziellen, zeitlichen und psychischen Ressourcen zu erschöpfen. Daneben verfügen die GroßgrundbesitzerInnen oft über familiäre oder freundschaftliche Beziehungen zu staatlichen AkteurInnen, die sie nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen und den Landreformprozess zu verzögern oder ganz zu verhindern. Hinzu kommt, dass zunehmende Budgetkürzungen in dem philippinischen Finanzhaushalt staatliche AkteurInnen für Korruption empfänglicher machen und sie sich bereitwilliger auf Deals mit den GroßgrundbesitzerInnen einlassen.

Ziel dieser Repressionen ist es, die MRV einzuschüchtern oder zu zermürben, sodass sie sich auf einen Kompromiss einlassen und auf ihr Recht auf Land teilweise oder vollständig verzichten und sich wieder in ein Abhängigkeitsverhältnis mit der/m GroßgrundbesitzerIn begeben.

Und diese Strategie scheint leider in vielen Fällen erfolgreich zu sein. Immer mehr FarmerInnen sind die jahrelangen Versuche, Land zu bekommen und es problemlos zu bewirtschaften, Leid. Sie haben keine Kraft und finanziellen Kapazitäten mehr sich gegen die anhaltenden Repressionen der GroßgrundbesitzerInnen durchzusetzen und fühlen sich von den staatlichen AkteurInnen oft nicht ausreichend unterstützt.

Vor diesem Hintergrund haben sich die 55 MRV auf Hacienda Anita in Talisay, Negros Occidental, dazu bereit erklärt auf knapp 129 ha des Landes, das ihnen eigentlich laut CARP zustehen würde, zu verzichten und sich mit 71,5 ha zufrieden zu geben – also einer Fläche von 1,3 ha pro FarmerIn statt eigentlich 3,6 ha pro Person. Seit ihrer Bewerbung um Land hatte ihnen der Großgrundbesitzer Villanueva das Leben sehr schwer gemacht. Er erlaubte ihnen nicht mehr auf der Plantage zu arbeiten, sodass sie große Schwierigkeiten hatten, ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien zu sichern. Daneben kam es mehrmals zu körperlichen Übergriffen auf die MRV. Mit dem Kompromiss erhoffen sich die FarmerInnen, dass sie endlich ihr Land ohne Angst vor Repressionen betreten und bearbeiten können – auch wenn die Fläche nur ein Bruchteil von dem ausmacht, was ihnen eigentlich gesetzlich zustehen würde.

MRV auf Hacienda Anita stoßen immer wieder auf Probleme bei der Umsetzung ihrer Rechte auf Land

MRV auf Hacienda Anita stoßen immer wieder auf Probleme bei der Umsetzung ihrer Rechte auf Land

Auch den MRV von den Haciendas Carmenchika und Victoria wurde ein Kompromiss angeboten. Interessanterweise geht der Kompromissvorschlag hier aber nicht von dem Großgrundbesitzer aus, sondern von dem philippinischen Agrarreformministerium selbst.

Die Hintergründe zu beiden Haciendas sind sehr verstrickt. Die MRV auf beiden Haciendas haben vor Jahren offiziell ihr Land erhalten. In beiden Fällen befand sich das Land jedoch aus verschiedenen Gründen nach der Landübergabe in Pachtverhältnissen, sodass die FarmerInnen das Land nicht eigenständig bewirtschaften konnten. Auch wenn sich also in beiden Fällen das Land  zum derzeitigen Zeitpunkt nicht mehr in einem Pachtverhältnis befindet, ist es den FarmerInnen  nicht möglich die Felder zu betreten und zu bewirtschaften ohne Übergriffe von Sicherheitskräften des ehemaligen Landbesitzers befürchten zu müssen.

HRD warten wieder einmal - erfolglos - auf Anhörung im Agrarreformministerium

HRD warten wieder einmal – erfolglos – auf Anhörung im Agrarreformministerium

Die Landbesitzer haben vor verschiendenen Gerichten z.T. haltlose Verfahren angestrengt, die sich über Jahre hinziehen können und es ihnen somit ermöglichen, die Inbesitznahme der Felder durch die eigentlichen BesitzerInnen, die MRV, hinauzuzögern. Denn solange es noch laufende Gerichtsverfahren gibt, ist es scheinbar oft schwierig für MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums die Landübergabe durchzusetzen. (Für mehr Informationen zu dem Thema siehe Artikel „Our documents cannot protect the farmers from their bullets“ vom 14. Februar 2013 und „Auf der Suche nach dem Passagierschein ‚A-38′“ vom 8. November 2012 auf diesem Blog.

Vor diesem Hintergrund hat der Verantwortliche für diese beiden Haciendas, der Provincial Agrarian Reform Officer Manuel Velasco, beiden Farmerleadern zu einem Kompromiss mit dem ehemaligen Landbesitzer geraten und vorgeschlagen, dass sie ihr Land an ihn zurück verpachten. Damit geht seine Hoffnung einher, dass die FarmerInnen anschließend problemlos das Land wieder bearbeiten könnten und möglicherweise die Bedrohungen und Schikanen durch den ehemaligen Landbesitzer und seinen Sicherheitskräften abnehmen bzw. ganz aufhören. In vergangenen Gesprächen mit IPON hat sich Velasco stets überzeugend als jemand präsentiert, dem das Wohl der FarmerInnen am Herzen liegt und notfalls auch gegen den Willen der (ehemaligen) LandbesitzerInnen die Landreform durchsetzen will. Für sein Engagement für die Rechte der MRV hat er bereits mehrere Morddrohungen von Sicherheitskräften ehemaliger LandbesitzerInnen erhalten.

Auch wenn sich die MRV durch ein Pachtverhältnis erneut in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben  und sie nur anteilig an den Gewinnen der Zuckerrohrplantage beteiligt werden würden, hält Velasco  diese Alternative für gewinnversprechender, als der weitere Kampf gegen die Machenschaften des ehemaligen Großgrundbesitzers.

Task Force Mapalad Meeting in Bacolod

IPONs Mandatsorganisation, Task Force Mapalad, diskutiert weitere Strategie zur Umsetzung der Landreform

Doch was sagt es über den Erfolg der Agrarreform aus, wenn bereits die staatlichen AkteurInnen, die für ihre Umsetzung verantwortlich sind, nicht mehr an ihren Erfolg glauben und den FarmerInnen zu einem Kompromiss raten, um nicht vollends leer auszugehen? Ist es fehlender Wille der MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums sich gegen die einflussreichen GroßgrundbesitzerInnen durchzusetzen? Ist es Resignation – ein Jahr bevor das CARP offiziell auslaufen soll? Ist es die Einsicht, dass das CARP nur eine leere Hülle ist, um oberflächlich und öffentlichkeitswirksam Reformen zu vermarkten? Ist es die Gewissheit, dass das aktuelle System in den Philippinen unter den derzeitigen Bedingungen keine andere Lösung bietet?

Was auch immer die Antwort darauf sein mag: Indem die MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums ihren Pflichten nicht nachkommen, wird es zu keiner konsequenten Durchsetzung der Agrarreform kommen. Und ohne eine nachhaltige Landumverteilung wird sich an den Lebensumständen der mittellosen FarmerInnen in den Philippinen auf lange Sicht nichts verändern und die Machtstrukturen und die Wohlstandsverteilung im Land bestehen bleiben.

Da kann man Wilhelm Busch nur Recht geben!

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Eingeordnet unter Hacienda Carmenchica, Hacienda Victoria

„Our documents cannot protect the farmers from the bullets“

Mit diesen Worten sagte Provincial Agrarian Reform Officer Velasco die für den heutigen Tag angesetzte offizielle Landübergabe auf Hacienda Victoria ab. Ein weiterer Sieg für den ehemaligen Landbesitzer Llamas. Bereits 2009 wurden insgesamt 59 ha an die FarmerInnen der Hacienda übergeben. Doch bis heute können die BesitzerInnen ihr Eigentum nicht betreten ohne Gefahr zu laufen, dabei ihr Leben und das ihrer Familie zu riskieren.

Der Großgrundbesitzer Llamas hat einen neuen Weg gefunden, um die Vergabe „seines“ Landes hinauszuzögern: Dem sogenannten „Forum Shopping.“ Dabei handelt es sich um eine Strategie der (ehemaligen) LandbesitzerInnen ihre Interessen durchzusetzen. Dazu nutzen sie die Co-Existenz von zwei unterschiedlichen Gesetzescodes im philippinischen Rechtssystem: Agrarreformfälle werden vor einem anderen Gericht verhandelt, als Nicht-Agrarfälle. In dieser gespaltenen Judikative suchen sich nun einflussreiche ehemalige LandbesitzerInnen diejenige Instanz aus, von denen er/sie sich ein Urteil zu seinen/ihren Vorteilen erhoffen. IPON sind Fälle bekannt, in denen die ehemaligen LandbesitzerInnen in freundschaftlichem oder familiären Verbindungen zu den EntscheidungsträgerInnen im Gericht standen oder durch Geldgeschenke ihre Gunst erwarben. Auch gibt es z.T. RichterInnen, die aus persönlichen Gründen der Agrarreform abgeneigt gegenüber stehen und durch ihre Urteile die Landverteilung boykottieren wollen.

Als die FarmerInnen von Hacienda Victoria 2009 ihr Land betreten wollten verklagte Mr. Llamas die Landreformbegünstigten und erwirkte vor dem Regional Trial Court (RTC) eine einstweilige Verfügung gegen sie. Das Urteil wurde damit begründet, dass sich das Land zum Zeitpunkt der Landübergabe noch in einem Pachtverhältnis befand, das erst drei Jahre später auslaufen sollte. Auch wenn der RTC in Agrarfällen wie diesem keine Entscheidungsbefugnis hat, ist das Urteil rechtskräftig!

IPON lässt sich von Farmerleader Felder zeigen

MenschenrechtsverteidigerInnen von Hacienda Victoria können derzeit nur tatenlos aus der Ferne zuschauen, wie ihre Felder von dem ehemaligen Landbesitzer bewirtschaftet werden

Der Pachtvertrag lief am 29. Juni 2012 aus – doch die einstweilige Verfügung wurde nie aufgehoben. Seit fast acht Monaten liegt der Antrag auf Aufhebung der Verfügung beim RTC und bis heute steht das endgültige Urteil noch aus.

Das Agrarreformministerium (DAR, Department of Agrarian Reform) hat die einstweilige Verfügung bereits für null und nichtig erklärt und ist bereit den FarmerInnen das Land erneut zu übergeben – als symbolischen Akt, dass nun die FarmerInnen offiziell das Land bewirtschaften werden. Dieser Akt ist auf der Hacienda Victoria notwendig, da der ehemalige Landbesitzer deutlich erkennen ließ, dass er die Landübergabe mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern wird. Die Zahl der privaten (und bewaffneten) Sicherheitskräfte auf der Zuckerrohrplantage wurde von 19 auf 30 aufgestockt und die Anweisung gegeben, dass sie auf FarmerInnen schießen sollen, wenn sie die Felder betreten sollten. Daneben wurden MitarbeiterInnen des Agrarreformministerium der Zutritt zu dem Wohnhaus der Familie Llamas verweigert und ihre Anordnungen ignoriert.

In kleinen Hütten bewachen die bewaffneten Sicherheitskräfte des ehemaligen Landbesitzers die Felder der MenschenrechtsverteidigerInnen auf der Hacienda Victoria, Negros

In kleinen Hütten bewachen die bewaffneten Sicherheitskräfte des ehemaligen Landbesitzers die Felder der MenschenrechtsverteidigerInnen auf der Hacienda Victoria

Die Polizei kann in dieser Situation nur begingt eingreifen ohne Gefahr zu laufen selber angezeigt zu werden – aufgrund der noch immer gültigen einstweiligen Verfügung. Somit weigert sich die Polizei den Anweisungen des DAR Folge zu leisten und für die Sicherheit der FarmerInnen während und vor allem nach dem Akt der Landübergabe zu sorgen.

Provincial Agrarian Reform Officer Velasco betonte im Interview mit IPON, dass den FarmerInnen das Land auf dem Papier gehört und das DAR bereit ist ihnen ihr Land erneut offiziell zu übergeben – unabhängig davon, ob die einstweilige Verfügung zu dem Zeitpunkt noch gültig ist oder nicht. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Polizeipräsenz und damit die Sicherheit der Agrarreformbegünstigten gewährleistet ist.

Vor diesem Hintergrund bleiben den FarmerInnen von Hacienda Victoria nicht viele Handlungsmöglichkeiten: Entweder sie warten die endgültige Aufhebung der Einstweiligen Verfügung ab. Da die „Mühlen der Gerechtigkeit“ allerdings bekanntlich langsam mahlen, kann sich die endgültige Entscheidung noch über Monate hinziehen. Das bedeutet weitere Monate in denen sie nur aus der Ferne dabei zuschauen können, wie Andere ihr Land bearbeiten; weitere Monate in denen sie nur mit Mühe den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien verdienen können; weitere Monate in einer Gegend, die durch eine hohe Präsenz an Sicherheitskräften unsicher geworden ist.

Oder sie machen von ihrem Recht Gebrauch das Land eigenständig zu betreten und ihre Felder ohne Polizeischutz zu bewirtschaften. Doch dabei laufen sie Gefahr, dass die Situation auf der Hacienda eskaliert und sie ihr Leben bei dem Versuch riskieren ihre Rechte durchzusetzen.

Während sie die beiden Optionen abwägen, suchen sie weiter nach einem/r couragierten PolizeibeamtIn, der/die bereit ist das Risiko einer möglichen Anzeige durch den ehemaligen Landbesitzer auf sich zu nehmen, um – so paradox wie das auch sein mag – das Recht der FarmerInnen von Hacienda Victoria auf Land durchzusetzen …

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Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Victoria

Auf der Suche nach dem Passierschein „A-38“

Asterix und ObelixAls Julius Caesar herausfinden wollte, ob es sich beiden Comic-Helden Asterix und Obelix um Götter handelte, erlegte er ihnen zwölf Aufgaben auf. Eine davon bestand darin, den PassierscheinA-38aus demHaus, das Verrückte machtzu besorgen. Diese Aufgabe erwies sich für die beiden Helden schnell als schwieriger als zunächst angenommen: Sie wurden von Schalter zu Schalter geschickt, die Treppen rauf und wieder runter. Entweder hatte man noch nie etwas  von dem Schein gehört, verweigerte ihnen eine Anhörung, gab ihnen falsche Informationen oder schickte sie kommentarlos weiter.

Ähnlich ergeht es gerade den FarmerInnen von der Zuckerrohrplantage(Hacienda) carmenchica bei der Suche nach einer/m Verantwortlichen für die bevorstehende Landübergabe. Nachdem ihnen bereits im Jahr 2006 offiziell das Land übergeben wurde, verpachteten sie es zurück an den ehemaligen Landbesitzer Benedicto. Der Pachtvertrag wurde jedoch vor zwei Monaten für ungültig erklärt. Allerdings legte der ehemalige Landbesitzer Einspruch ein, gegen den wiederum die FarmerInnen in Berufung gingen. Derzeit ist das entsprechende Gericht dabei darüber zu entscheiden, ob dem Einspruch stattgegeben wird oder nicht.

Bei der Familie Benedicto handelt es sich um eine sehr einflussreiche Familie auf den Philippinen, die neben weit reichenden Kontakten zu staatlichen Akteuren auch über eine große Zahl an privaten Sicherheitskräften und einen unbeugsamen Willen, die Vergabe ihres Landes zu verhindern, verfügt. Diese Kombination führte letztendlich dazu, dass die FarmerInnen der Hacienda Carmenchica so eingeschüchtert wurden, dass sie sich nicht mehr in die Nähe ihrer Felder trauen oder Repressionen beistaatlichen Stellen anzeigen.

Plakat am Eingang des Agrarreformministerium in Bacolod

Während die Aufgabenverteilung und die interne Struktur auf dem Papier klar erscheint, gestaltet sich die Realität mehr als uneindeutig …

Vor diesem Hintergrund ist das zuständige Agrarreformministerium (Department for Agrarian Reform, DAR)gewillt, erneut das Land, das den FarmerInnen bereits gehört, symbolisch zu übergeben. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass sie anschließend problemlos ihre Felder bewirtschaften können und der ehemalige Landbesitzer sich der Agrarreform fügt. Doch derzeit fällt es den BewohnerInnen von der Hacienda schwer eine/n DAR-MitarbeiterIn zufinden, die/der bereit ist, gegen den Willen der einflussreichen Benedicto-Familie, eine Landübergabe durchzusetzen: Vom nationalen DAR wurde im Juni diesen Jahres ein Schreiben an die entsprechende lokale Stelle geschickt, mit der Aufforderung eine sofortigeInstallation (offizieller Akt der Landübergabe) durchzuführen. Adressiert wurde die Aufforderung an den Provincial Agrarian Reform Officer (PARO)Siladan. Dieser allerdings schob die Verantwortung PARO Yongque zu, mit der Begründung, dass nur dieser Installationen durchführen könne. Auf Nachfrage bei PARO Yongque stellte sich heraus, dass er lediglich den Empfehlungen des zuständigen Agrarian Reform Officers der lokalen Ebene, Mr. Gatmaitan, folgen würde. Einige Wochen später erklärte Yongque, dass er die Installationsanweisungan PARO Velasco übertragen habe, doch letztendlich PAROS iladan die endgültige Entscheidung über die Installation treffen müsse.

Der Anwalt des DARs, Atty. Castro, begründete das Herauszögern der ausstehenden Installation damit, dass das DAR erst noch abwarten müsse, ob das Gericht dem Einspruch des ehemaligen Landbesitzers (siehe oben)stattgeben werde, oder nicht. Allerdings ist er der Meinung, dass eben jenes Gericht auch die Kompetenz habe, eine Installation durchzuführen. Auf Nachfrage bei dem entsprechenden Richter pochte dieser auf die Gewaltenteilung und schob dem DAR die Installationskarte zurück.

IPON zu Besuch auf Hacienda Carmenchica

Solange sich Niemand vom Agrarreformministerium dazu bereit erklärt, die Installation gegen den Willen des ehemaligen Landbesitzers durchzuführen, können die FarmerInnen von Hda. Carmenchica nur dabei zuschauen, wie ihr Feld von fremden ArbeiterInnen abgeerntet wird.

Während sich die verschiedenen staatlichen Stellen die Verantwortlichkeiten hin und herschieben, müssen die BauerInnen zusehen, wie ihre Felder von anderen ArbeiterInnen bearbeitet und abgeerntet werden und die Zahl der privaten Sicherheitskräfte auf der Hacienda stetig ansteigt. Sollte in naher Zukunft keine Entscheidung vom DAR bzgl. der Installation fallen, droht die zunehmend angespannte Lage auf der Hacienda zu eskalieren.

Es bleibt zu hoffen, dass die FarmerInnen der Hacienda nicht aufgeben und weiter die Kraft und die Geduld aufbringen, imHaus, das Verrückte machtjemanden zu finden, der bereit ist, sich für ihre Installation einzusetzen. Die beiden Comic-Helden Asterix und Obelix hatten letztendlich Erfolg und erhielten den PassagierscheinA-38.Allerdings nicht ohne das System mits einen eigenen Waffen zu schlagen und es komplett auf den Kopf zu stellen. Es bleibt also abzuwarten, für welchen Weg sich die FarmerInnen von Carmenchica entscheiden werden, um ihre Rechte durchzusetzen und ihre Lebensgrundlage zu sichern.

Quelle Asterix&Obelix-Bild:

http://www.sazart.de/?Steckbrief:Comics:Asterix_%26_Obelix

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4 Days In Manila

Seit gestern sitzen wir wieder in unserem Office und überlegen, welche Konsequenzen aus den Treffen in Manila zu ziehen sind.

Assistant Secretary Andres (zweithöchster Vertreter des Nationalen Agrarreformministeriums) treffen wir persönlich noch diese Woche wieder, wenn er nach Bacolod kommt. Auf dem Treffen in Manila war er noch nicht zureichend über die Fälle informiert, um weitere Strategien des DAR gegen die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen auf Hacienda Agueda und Hacienda Teves benennen zu können. Daher beließ er es bei unserem Meeting vorerst mit sehr vagen Zusagen und dem Herbeirufen Verantwortlicher DAR-Mitarbeiter, die vor unseren Augen zur Ordnung gerufen wurden. Diese Form des Zur-Schau-Stellen von Macht und „Guten Willen“ kennen wir bereits und ist für unsere Arbeit durchaus nützlich, da die zurecht gewiesenen Beamten eine Wiederholung fürchtend ihre Aufgabe häufig besser erledigen und für Gespräche mit uns offener sind. Es ist hilfreich für unsere Arbeit, wenn unsere Gesprächspartner bedacht darauf sind, einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Das ist quasi auch die wichtigste Folge aus einem anderen Treffen mit dem Chief des Human Rights Office der Philippinischen Polizei. Wir gaben ihm die Handynummer seines „Freundes“ dem Provincial Director der Polizei, Marquez, daher ist dieser nun über unseren Kontakt informiert und hoffentlich wieder zu einem Treffen bereit. Von der Commission of Human Rights wissen wir nun, dass sie eine eigene Ermittlung zur Hacienda Teves durchführen und Pit Heltmann bot uns starke Unterstützung über die Deutsche Botschaft an.

Nun müssen wir wieder über unsere Strategie und die nächsten Schritte entscheiden. /ah/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Agueda, Hacienda Teves