Archiv der Kategorie: Hacienda Teves

“Before there was a storm in my heart, but with this agreement it calmed down”

Erneute Landübergabe auf Hacienda Teves

Die große Hacienda Teves. Sie ist ein Paradebeispiel für andauernde Bedrohungen und Einschüchterungen von Menschenrechtsverteidigern im Rahmen des Landkonflikts auf Negros. Seit 1997 besitzen Farmer Beneficiaries[1] von TFM[2] Ihre Landtitel und seitdem sehen sie sich den Schikanen und dem Widerstand der Teves[3]-loyalen Bauern (im Folgenden: Teves-Bauern) ausgesetzt. Das sollte sich im Mai 2011 ändern. Von Nante Lasay (TFM Negros) erhalten wir die Nachricht, dass eine erneute Landübergabe für den 27. Mai geplant sei.

Erneute Landübergabe?

Am 12. November 2008 erhalten die TFM-Bauern bereits offiziell ihr Land vom DAR[4]. Der friedlichen Landübergabe folgt jedoch eine Phase des Widerstands und der Gewalt, die ihren Höhepunkt in den Morden an TFM-Bauer Arnaldo Hoyohoy am 03. Dezember 2008 und an DAR-Anwalt Eleazen Casipong am 30. Januar 2009 findet. Diese Erfahrung und die verschobene Landübergabe vom 10. Mai 2011 hinterlassen Zweifel und Skepsis und dennoch brechen wir am Morgen des 26. Mai mit einer gehörigen Portion Zuversicht aus Bacolod auf.

Als wir ankommen, erfahren wir, dass viele Vertreter für den nächsten Tag erwartet werden, darunter Repräsentanten von TFM Negros und National, die Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden von Santa Catalina und Bayawan, Gemeindevorsteher von Caranoche und Villareal, Vertreter des Landbesitzers Teves, der Provinz-Direktor der PNP[5] sowie PARO[6] Leonidas aus Dumaguete, DAR-Direktorin Beth Lee und DAR-Untersekretär Nieto aus Manila. Letzterer hat sich besonders in der Vermittlung eines Kompromisses zwischen TFM und den teves-loyalen Bauern hervorgetan. Umso bedauerlicher, dass er und die Vertreterin von TFM National nicht bei der der Landübergabe anwesend sind. Taifun „Chedeng“ macht ihnen und allen, die auf eine Abreise am Flughafen von Manila warten, einen Strich durch die Rechnung.

Die Zeremonie zur Unterzeichnung des MOA[7] wird standesgemäß durch Gebet und Nationalhymne eröffnet und den Reden der Offiziellen folgt die feierliche Unterzeichnung des Dokuments. An zwei verschiedenen Tischen bekunden die beiden Parteien ihre Einwilligung zu dem Abkommen. Er werde keine Unterschiede mehr zwischen Teves- und TFM-Bauern machen, so Kongressabgeordneter Henry Teves. Es bleibt jedoch der Eindruck, dass dies lediglich Worte sind, die dem feierlichen Anlass entsprechen sollen. Währenddessen beobachten die Einsatzkräfte des angeforderten Sondereinsatzkommandos das Treiben aus der zweiten Reihe. Zu unserer Erleichterung haben sie während der gesamten Dauer der Prozedur keinen Anlass sich von ihren Stühlen zu erheben.

Danach geht es aufs Feld. Angestellte des DAR beginnen prompt die Ländereien zu vermessen. Doch wo liegt die Grenze zwischen den Gemeinden von Caranoche und Villareal? Diese Frage ist nicht nur für die Bewirtschaftung des umstrittenen Lands von großer Bedeutung. Sie spiegelt sich auch in der Frage nach den bestehenden Wohnhäusern der TFM-Bauern wieder. Diese befinden sich auf dem Gelände der Teves-Bauern. Das MOA sieht den Kompromiss vor, dass alle fest bebauten Niederlassungen stehen bleiben dürfen, während Nippa-Hütten, die aus leichtem Material gebaut sind, entfernt werden müssen. Die Einteilung der Häuser durch das DAR steht noch aus.

Während also die DAR-Mitarbeiter eifrig messen und markieren, beginnen die TFM-Bauern schon damit Bambus und Stacheldraht anzuliefern um ihren Besitz abzugrenzen. Wie lange haben sie auf diesen Moment gewartet. Bauernführer Rolando Flores: „Before there was a storm in my heart, but with this agreement it calmed down“.

Seit Ende September 2010 demonstrieren Flores und einige weitere TFM-Bauern in einem Camp-Out vor dem Gebäude des DAR National in Manila um auf die noch ausstehende Landübergabe aufmerksam zu machen. Fehlende sanitäre Einrichtungen, mangelhafte Lebensmittelversorgung und Abgase der anliegenden Schnellstraße führen zu Erkrankungen einiger Bauern. Doch er und drei weitere Mitstreiter halten durch. Mit Erfolg. Die Nachricht trifft ein, dass die Verhandlungen im Büro des Präsidenten abgeschlossen sind. Familie Teves und Vertreter von TFM haben sich mit DAR-Untersekretär Nieto auf einen Kompromiss geeinigt.  Das Camp-Out ist beendet.

Inzwischen steht auch der  Zaun, sodass wir die Bauern zur hart umkämpften „Piggery“ begleiten. Da es in der Vergangenheit immer wieder zu Drohungen gegenüber TFM kommt, ist es das erste Mal seit langer Zeit, dass der Stall betreten werden kann. Laut MOA müssen die Schweine an die Teves-Bauern übergeben werden, der Stall bleibt in TFM-Besitz. Das Betreten der Piggery verursacht somit keine Probleme.

Am Abend kommt es leider doch noch zu einem erwähnenswerten Zwischenfall. Ein TFM-Mitglied hört einen Anruf von Arnie Teves an den Gemeinde-Vorsteher von Caranoche mit. In diesem äußert Teves den Wunsch sämtliche Häuser der TFM-Bauern entlang des Highways zu entfernen. Daraufhin kommt es zu einem Treffen der betroffenen Bauern. Es wird beschlossen PARO Leonidas darüber zu informieren. Die Angst vor weiteren Schikanen ist präsent, doch glauben die meisten Bauern nicht daran, dass Arnie Teves gewaltsam versuchen wird, die Häuser zu entfernen.

Wir nehmen diesen Vorfall ernst und versuchen am folgenden Morgen mit dem Polizeichef von Bayawan zu sprechen. Dieser glänzt nicht nur am Tag der Landübergabe, sondern auch am Folgetag mit Abwesenheit. Wir sprechen also mit dem diensthabenden Untersuchungsbeamten, der den Namen Teves scheinbar zum ersten Mal hört, von der Installation nichts weiß und überhaupt, gar nicht so sehr mit den Details der Vorkommnisse auf Hacienda Teves vertraut ist. Wir verbleiben mit dem Versprechen Polizeichef Garchitorena beim nächsten Besuch wieder aufzusuchen.

Wegen einer Anhörung in San Carlos sind wir gezwungen Hacienda Teves schon am Tag nach der Installation zu verlassen. Mit CO[8]Jimmy Mameng sprechen wir aber noch einmal über die folgenden Tage und Wochen. Wir bleiben mit den lokalen Bauern in regelmäßigem Kontakt. Sollte es zu einem weiteren Vorfall kommen, werden wir wieder vor Ort sein.

Nach knapp einer Woche ziehen wir das Fazit, dass die Landübergabe erfolgreich war. Bis heute sind keine weiteren Zwischenfälle bekannt und so hoffen wir, dass nach mehr als einem Jahrzehnt des Kampfes und der Ungerechtigkeit, Ruhe und Frieden einkehrt. Die Einigung auf Hacienda Teves hat darüber hinaus Vorbildcharakter. Eine Mediation zwischen Konfliktparteien auf nationaler Ebene könnte auch in anderen Fällen, in denen mächtige Familien involviert sind, erfolgreich sein. Das Department of Agrarian Reform sieht an Hand des Falls Teves wie erfolgreich diese Strategie angewandt werden kann.  /dh/


[1] Bauern, die durch die Landreform (CARP) Agrarland zugesprochen bekommen.

[2] Task Force Mapalad: Nationale Bauernvereinigung und Partnerorganisation von IPON.

[3] Herminio Teves ist Besitzer der Hacienda.

[4] Department of Agrarian Reform: Ministerium, das für die ordnungsgemäße Durchführung des CARP verantwortlich ist.

[5] Philippine National Police: Philipinische Polizei.

[6] Provincial Agrarian Reform Officer: Verantwortlicher DAR-Beamter auf Provinzebene.

[7] Memorandum of Agreement: Dokument, das den Kompromiss zwischen den Konfliktparteien enthält.

[8] Community Organizer. TFM-Position zur Koordination der Mitglieder auf regionaler Ebene.

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Ein Kommentar

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Manila – Zwischen Abgasen und Terminhatz

Zwischen Frankfurt am Main und Manila liegen 10017.95 km Flugstrecke,  ein Zwischenstop bei McDonalds in Bahrain, zwei verspannte Nacken und am Tag unserer Ankunft 40 Grad Temperaturunterschied.

Manila empfängt uns mit Wucht. Es ist laut, heiß und stickig. Die riesigen Backpacker Rucksäcke, sowie die neugierigen Blicke der Filipinos kleben uns schon bei der Ankunft am Rücken. Zu den Blicken der Filipinos sei gesagt, dass sie uns immer noch auf Schritt und Tritt verfolgen, egal wo wir in diesem Land stehen und gehen.

Die erste Woche unseres sechsmonatigen Aufenthaltes verbringen wir also in Manila. Arne und Eline haben gute Arbeit geleistet und die Woche voller Termine gepackt. Es geht zur Deutschen Botschaft, zum Department of Agrarian Reform (DAR), zur Commission of Human Rights (CHR), zu unserer Partnerorganisation TFM (Task Force Mapalad), zur Anwaltorganisation IDEALS und zum Networking zu einigen anderen NGOs, die ihren Sitz in Manila haben. Weiterlesen

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Hacienda Teves – Eine unendliche Geschichte?

19.

Die Bauern unserer Partnerorganisation Task Force Mapalad (TFM) waren seit Ende September in Manila, um vor dem Department of Agrarian Reform (DAR) einen Camp-Out durchzuführen. Dadurch wollten sie eine Installation (selbstständige Landübernahme) für Hacienda Bacan* und Teves erreichen. Auf der Hacienda Teves soll zudem ein ständiger Außenposten der Polizei eingerichtet werden. Weiterlesen

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Kämpfe gegen Windmühlen? – Beharrlich weitermachen, Teil 2

Bedrohung und ein neuer Anfang

Vor diesem „Dialog“ hatten wir bereits am Mittwochvormittag Gelegenheit die beiden Special Investigators Leo Villarino und Primo C. Campadog von der Regional Direktion des CHR in Cebu auf die ehemaligen Teves-Ländereien zu begleiten. Das CHR möchte sich ein eigenes Bild über die Lage machen. Deshalb war es für Eline und mich eine willkommene Möglichkeit die Ländereien zu besuchen. Denn Anfang September wurde gegen IPON das erste Mal in seiner Geschichte eine direkte Drohung ausgesprochen. Diese wurde und wird sehr ernst genommen; bis zur Einladung durch die Commission hatten wir davon abgesehen uns dieser Bedrohung auszusetzen. Weiterlesen

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Kämpfe gegen Windmühlen? – Beharrlich weitermachen, Teil 1

Don Quixote kämpfte einst gegen Windmühlen. So wie der Protagonist aus Miguel de Cervantes Stück Weltliteratur „El ingenioso hidalgo Don Quixote de la mancha“ fühlt man sich manchmal als IPON-Observer, wenn man staatlichen Akteuren in Gesprächen oder Konferenzen gegenüber sitzt. Man meint gegen Wände zu reden. Die Arbeit von IPON wird durch Fragen attackiert, die du oder deine Vorgänger schon gefühlt ein Tausend Mal beantwortet haben. Don Quixote führte zwar einen aussichtslosen Kampf und manche Momente fühlen sich hier genauso an. So erscheint ein Ende und ein zufriedenstellender Ausgang der Konflikte nach wie vor ungewiss. Im Gegensatz zu dem Romanhelden bedeutet dies aber umso mehr fokussiert zu bleiben und mit Beharrlichkeit den Windmühlen zu begegnen. Weiterlesen

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Kurzgesagt: Es ist viel passiert.

Das war dann doch zuviel des Guten

Das war dann doch zuviel des Guten

An all unsere fleissigen Leser_innen soll zumindest eine kleine Entschuldigung und Erklärung gehen, warum wir in letzter Zeit eigentlich nicht mehr soviel von uns haben hören lassen. Hiermit also eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen.

Einige haben sicherlich von dem Mord auf der Hacienda Teresita gelesen, die Witwe des ermordeten Florencio Dogomeo bat uns um Unterstützung und eine längere Präsenz vor Ort. Seitdem waren elf Tage lang jeweils zwei aus unserem Team vor Ort und eine teilte sich das Büro mit immer mehr Kakerlaken. Das hat notwendigerweise zur Folge, dass alle anfallende Büroarbeit plötzlich von nur einer Person bearbeitet werden konnte, während natürlich gleichzeitig noch andere Fahrten anstehen.

Wäschetrocknen auf Teresita

Wäschetrocknen auf Teresita

Unsere Arbeit wurde nicht rücksichtsvollerweise auf einmal weniger, als wir uns entschlossen an einem Ort „präsent zu sein“, an dem es kein Internet gibt. Stattdessen schien die Situation nach der Wahl nun doch noch zu explodieren, mit einem zweiten Toten, einem Verletzten und vielen anstehenden Aufgaben.

Bezüglich der Hacienda Agueda ziehen der lokale Vertreter des Agrarreformministeriums und der Verantwortliche auf Provinzebene eine abschliessende Aufteilung der umstrittenen Länderein auf Hacienda Agueda in Betracht. Vielleicht passiert hier also bald wieder etwas. Zudem fragen wir vermehrt bei der Polizei nach Neuigkeiten nach, seitdem diese sich gezielt darum bemühen einen positiven Eindruck bei uns zu hinterlassen. Abgesehen davon müssen Reaktionen weiterer staatlicher Akteure auf unseren Report über die Menschenrechtssituation auf Agueda erst noch eingefordert werden. Nebenher stellen wir bei anderen staatlichen Akteuren vor Ort Gerüchte über unsere Arbeitsweise richtig. Scheinbar ist in Moises Padilla eine kleine Panik ausgebrochen, als behauptet wurde, dass IPON Anzeigen erstatte. Da sind wohl einigen Leuten ihre Übeltaten und Auslassungen nochmal bewusst geworden… Aber natürlich ist Schadenfreude keine zureichende Begründung eine solche Fehlinformation stehen zu lassen.

Carabao beim Mittagsschlaf

Carabao beim Mittagsschlaf

TFM- Bauern der Hacienda Mansanero wurden von der ehemaligen Landbesitzerin angeklagt, nachdem sie sich versehentlich zum Teil auf dem falschen Gebiet selbst installiert haben. In diesem Rechststreit werden üblicherweise die Termine kurzfristig abgesagt, aber kaum stapelt sich die Arbeit auf dem Schreibtisch findet die Mediation statt. Der Richter hat sich eindeutig ausgesprochen. Der ehemaligen Landbesitzerin sei kein nennbarer Schaden durch den Fehler entstanden, da sie das Gebiet der Bauern, auf dem sie sich versehentlich nicht installiert haben, ja bewirtschaftet habe. Die Bauern hingegen haben Verluste gemacht da sie das falsch installierte Gebiet nicht mehr kultivierten, nachdem sie auf ihren Fehler hingewiesen wurden. Er schlägt vor, dass Gebiet einfach offiziell zu tauschen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Bauern die umstrittenen 1.5 ha dann letztlich auch bekommen (dieses Land befindet sich längst im Prozess). Selbstverständlich könne er aber in diesem Fall auch noch seinen Richterspruch abgeben, wenn sie weiterhin an ihrer Klage festhielte. Gut für die Bauern, die so wohl in sehr geringem Umfang mit Strafe rechnen müssen, falls die Grossgrundbesitzerin das Verfahren weitertreibt. Auch am falschen Gericht kommen also sinnvolle Entscheidungen zustande (eigentlich müsste dieser Fall vor dem Gericht verhandelt werden, dass speziell für Streitfragen im Kontext der Agrarreform eingerichtet wurde).

Zu Teves ist es gerade jetzt wichtig Kontinuität zu beweisen und ein Follow-Up einzufordern. Zudem zeigt die deutsche Botschaft grosses Interesse an dem Fall und auch hierfür müssen wir weiteres Material anfertigen. Das Infomaterial zur Hacienda Teresita ist natürlich auch zu überarbeiten und an alle Interessierten, wie die EU-Delegation auf den Philippinen, das EPjust Programm und die deutsche Botschaft weiterzugeben.

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Auf Hacienda Victoria gab es am 27. Mai 2010 einen sehr bedauerlichen Zwischenfall, bei dem ein TFM-Bauer angeschossen und ein Security-Guard getötet wurde (möglicherweise aus Notwehr). Nachdem drei Security-Guards überraschend aufgetaucht sind und drei TFM-Bauern mit Steinen bewarfen, lief einer der Bauern weg, eine Kugel traf ihn im linken Oberarm. Ein anderer fiel vom Stein getroffen zu Boden und zückte sein Messer, als der Security Guard auf ihn zu kam. Letztlich wurde der Security Guard erstochen. Seitdem ist der TFM-Bauer untergetaucht. Die zurückgebliebenen TFM-Bauern fürchten sich wegen Gerüchten, dass die Security-Guards den Getöteten rächen wollen. Wir sind uns noch nicht ganz einig darüber, wie wir dazu arbeiten können, so dass die Sicherheit der anderen Bauern gewährleistet wird.

Unser Hauptansprechpartner vom TFM warnt uns zugleich schon mal vor, dass die neue Regierung nicht mehr die Ländereien des Ehemannes der ehemaligen Präsidentin schonen werde und daher mit Entwicklungen auf Hacienda Bacan zu rechnen sei. Und mit gewaltsamen Reaktionen von Seiten der Arroyos. Wir müssen hierauf vorbereitet sein, wenn die Landverteilung dort endlich doch noch losgeht.

Auch ansonsten ist viel passiert und es hat sich wieder genug Material für ein ganzes Buch angesammelt, sicher werden wieder einige interessante Blogeinträge folgen, wenn wir hier wieder das Gröbste abgearbeitet haben. Bis dahin bitten wir Euch um Nachsicht. /ah/

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Im Dunkeln verlässt niemand das Haus

Vom 03. bis zum 05. Mai besuchten wir die Menschenrechtsverteidiger_innen der Hacienda Teves. Die Situation vor Ort ist leider weitestgehend unverändert (am 16. April haben wir hier darüber berichtet). Über den Verwalter der Ländereien, Arnie Teves, wird gemunkelt, dass er verrückt sei und drogensüchtig. Wir wissen aus den vielen Berichten und Anzeigen der Bäuer_innen, dass er zu Gewalt bereit ist. Und da er selbst bei Menschen in den höchsten Positionen vor Morddrohungen nicht zurückschreckt, halten wir unseren Aufenthalt hier so kurz wie möglich, versuchen gar nicht erst das Land zu betreten, trinken kein alkoholisches Getränk, vermeiden jede mögliche Provokation und halten uns die meiste Zeit in geschlossenen Räumen auf.

Dodong (Alexander) Hoyohoy, der Bruder des am 03. Dezember 2008 ermordeten Arnaldo Hoyohoy, erweist sich als sehr liebenswerter Mensch und ausgezeichneter Gastgeber und Koch. Dennoch bleibt ein seltsames Gefühl dabei, in dem Haus zu übernachten, vor dessen Tür ein Mord begangen wurde. Ein Mord für den nie jemand zur Rechenschaft gezogen wurde, weil ein Verdächtiger am Tag der Anhörung bei einem Verkehrsunfall verunglückte und niemand bereit ist, gegen den zweiten Verdächtigen auszusagen. Sie haben Angst, erklärt Dodong und zeigt sich angesichts des unzulänglichen Zeugenschutzes auf den Philippinen sehr verständnisvoll.

Er glaubt, die Kugel habe nicht seinem Bruder gegolten, sondern der ganzen Familie. Sie beide seien in dem gewaltlosen Protest sehr aktiv gewesen und dass es sich hierbei um das Motiv eines politischen Mordes handelt, davon ist er überzeugt. Rolando Flores kommt hinzu und äußert den Verdacht, dass eigentlich Dodong ermordet werden sollte und nicht sein Bruder. Von der Veranda aus sehen wir das Eingangstor und die kleine Kerbe, die das tödliche Geschoss hinterlassen hat. Und wir merken, dass wir spätestens bei Abenddämmerung bei jedem vorbeifahrenden Motorrad nervös werden. Dies ist der Grund, aus dem wir die Veranda schnell verlassen und uns in sichtgeschützte Bereiche zurückziehen.

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes, wir sitzen auf der Veranda und unterhalten uns mit Rolando Flores, einem der Menschenrechtsverteidiger_innen, als mir plötzlich auffällt, dass wir fotografiert werden. In zwei großen Jeeps mit verdunkelten Scheiben sitzen mehrere Menschen und nehmen Bilder von uns.

Wir fühlen uns sehr beunruhigt, aber Rolando erklärt uns nur entspannt, dass dies Angestellte des Großgrundbesitzers sind. Auch Dodong lacht über die Nachricht. Macht Witze darüber, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass Arnie Teves sich wieder ärgert. Jeder Erfolg der Bauern bedeute, dass Arnie Teves verärgert sei und so ist mit jedem noch so kleinem Erfolg auch immer die Gefahr verbunden. Doch in Unsicherheit befinden sich die Menschen hier schon so lange, dass sie die Furcht verlernt zu haben scheinen. Die Witze und die heitere Stimmung, die sich unter den Anwesenden ausbreitet, scheinen ihre Art des Umgangs mit der permanenten Bedrohung zu sein. Auch einige Sicherheitsregeln haben sich durchgesetzt, „alles andere liegt in Gottes Hand“.

Wir sammeln Informationen, fotografieren weitere amtliche Dokumente und lassen uns erzählen, dass der ehemalige Landbesitzer bereits mit dem Bau von einem boarding house, einer Pension, auf dem umstrittenen Gelände begonnen hat. Auch die piggery, die Schweinezucht, wurde nicht abgerissen, wie 2009 in einer Einigung versprochen wurde.

Nach einem langen Rechtsstreit, in dem das Recht der Menschenrechtsverteidiger_innen auf dieses Land immer wieder bestätigt wurde, wurde einem Großteil der Bäuer_innen per inclusion/exclusion-Verfahren der CLOA-Titel plötzlich wieder abgesprochen. Als Legitimation für diese Entscheidung wurde angeführt, dass diese ihr Land nicht bearbeiten würden. Dabei wurden die Umstände unter denen die Menschenrechtsverteidiger_innen gezwungen wurden ihr zu Hause zu verlassen völlig ignoriert und auch interne Berichte, die dem entgegenstanden einfach übergangen.

Eine Bäuerin die seit der Beantragung des CLOA-Titels Grundschullehrerin werden konnte, Eva Lajot, lud uns für den zweiten Abend zu einem Abendessen ein. Da Dodong dies begrüßte und selber Lust zeigte sie zu besuchen, stimmten wir zu. Erst abends, als alles bereits für unseren Empfang vorbereitet war, überkam mich eine ungute Vorahnung, die sich dann bestätigte, als wir uns, ohne Dodong, am Esstisch der Familie Lajot versammelt hatten. Per SMS erfuhr Eva Lajot, dass Angestellte der Familie Teves auf der Straße wären und es angeraten sei, zunächst zu bleiben. Wir hatten eine der wichtigsten Sicherheitsregeln gebrochen. Jene, die besagt, im Dunkeln die Häuser nicht mehr zu verlassen. Während wir also signalisierten, dass wir unkomplizierte Gäste seien, die durchaus auch mit einer Bambusmatte im Haus der Familie Lajot vorlieb nehmen würden, überließen wir die Entscheidung den Bäuer_innen.

Diese stellten sich als erstaunlich gut vernetzt heraus. Per SMS sendeten die verschiedenen Menschenrechtsverteidiger_innen Informationen darüber zu, was sie aus ihren Häusern jeweils beobachten konnten und so konnte das Verhalten der Männer am kompletten Highway relativ unkompliziert aus den einzelnen Berichten nachvollzogen werden. In dem Gefühl ständiger Bedrohtheit hat sich bereits eine ganz eigene Informationskultur entwickelt.

Dodong stand auf der Straße und beobachtete unsere Ankunft. Und wieder lachte er, als wir ihm sagten, dass er sich doch nicht für uns in Gefahr begeben solle. Manchmal wirkt er auf mich so, als sei er sich selbst einfach nicht besonders wichtig. Und die Angst sei ihm nur eine Aufforderung zum Vertrauen in Gott. /ah/

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