Archiv der Kategorie: Hacienda Teresita

Rückkehr zur Normalität

Die Lage auf Hacienda Teresita-Jison scheint sich beruhigt zu haben. Ein Besuch am Donnerstag zeigte für einen „Kenner“, dass die Bedrohungen – wenn auch noch existent – so doch nicht mehr so akut zu sein scheinen wie noch vor zwei Monaten. Es wird nachts nicht mehr patrouilliert und die Zeugen des ersten Mordes bewegen sich tagsüber frei auf der Hacienda. Das Leben geht weiter. Neue Projekte wurden und werden in Angriff genommen, wie z.B. ein schon lange geplantes Badezimmer, das nun hinter dem Haus zu bewundern ist. Kein Duschen mehr im Fluss, sondern ein stabiles Bambushäuschen, wo man tatsächlich von Privatsphäre sprechen kann…

 
Die staatlichen Akteure erledigen ihre Pflichten weiterhin regelkonform. Ein Besuch beim Staatsanwalt in San Carlos zeigt, dass der erste Mordfall gerade beim „Clerk of Court“ liegt. Dieser wird den Fall nächste Woche an das Regionalgericht weiterverweisen, welches dann sofort die Haftbefehle ausstellen wird. Wir bekamen eine Telefonnummer, so dass wir einfach per Telefon nachverfolgen können, wie der Stand der Dinge gerade ist. Natürlich ist der Prozess von Anzeige bei der Polizei -> Fallüberweisung an den Staatsanwalt -> erste Untersuchung -> Fallweiterleitung ans Gericht -> Austellung der Haftbefehle sehr langsam. Dennoch sind wir guten Mutes, dass dieser Fall irgendwann einmal einen gerechten Abschluss findet und vor allem die Staatsangestellten zeigen, dass Menschenrechte, wie z.B. das Recht auf ein gerechtes Gerichtsverfahren und Gleichheit vor dem Gesetz, in den Philippinen eingehalten werden (können). /mf/

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Dem Konflikt beim Wachsen zuschauen

Nachdem am 6. Juli 2010 ein, des Mordes an Florencio Dogomeo beschuldigter, Mann im Baranguay Bandila, umgebracht wurde sind wir wieder in Toboso gewesen. Die Polizei erzählte uns, dass sieben Männer beschuldigt werden, ihn gefesselt zu haben und ihn dann mit einem harten Gegenstand erschlugen. Mir ist schlecht, als wir das Polizeigebäude verlassen und uns auf den Weg zu den TFM-Bauern begeben, von denen einige nun verdächtigt werden einen Rachemord begangen zu haben.

Wegen der schlechten Sicherheitslage ist mittlerweile eine Übernachtung ausgeschlossen. Jederzeit ist mit einem neuen Überfall zu rechnen. Das Risiko, dass weitere Menschen sterben, schätzen wir als sehr hoch ein. Die Liste der Bedrohungsanzeichen wird immer länger. Uns wird berichtet, dass Nachts Unbekannte um die Häuser geschlichen seien und dass Morddrohungen ausgesprochen wurden. „Bevor wir unsere Beerdigung haben, werdet ihr eine weitere Beerdigung vorbereiten“, habe einer der Männer gesagt, die bereits des ersten Mordes beschuldigt werden. Es gibt Gerüchte, dass das nächste Opfer eine Frau sein soll.

Es wird Druck ausgeübt, die Anzeige zurückzuziehen die gegen Florencio Dogomeos Mörder erstattet wurde. Alle weisen auf die Witwe Naneth Dogomeo, die diese Anzeige erstattet hat: Sie könnte das nächste Opfer werden. Aus einem anderen Grund lehnt sie auch den Mord an dem mutmaßlichen Mörder ihres Mannes ab: „Ich fühle vor allem Mitleid für die Hinterbliebenen. Ich weiss, was es bedeutet Jemanden zu verlieren, den man liebt.“

Auch die Zeugen, die weiterhin untergetaucht sind, werden bedroht. (An dieser Stelle ein kurzer Hinweis auf einen kürzlich veröffentlichten Artikel zur Zeugenschutzproblematik auf den Philippinen von Friederike Mayer)

Die örtliche Polizei sagt, dass sie nicht davon ausgehen, dass in dem Konflikt weitere Menschen sterben würden. Ob sie entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen wollen, könnten sie erst entscheiden, wenn die Ermittlungen zu diesem neuen Mord abgeschlossen seien. Es gibt einen neuen Polizeichef, der anscheinend durch uns das erste Mal von dem Mord an Florencio Dogomeos erfährt. Ihn interessieren jedoch die weiteren Details nicht zureichend, um während des Gesprächs im Raum zu bleiben, welches er an den Ermittler des neuen Mordes delegiert.

Wir versuchen hier – und werden dies auch auf höherer Ebene und bei anderen verantwortlichen Staatsakteuren fortsetzen, die Aufmerksamkeit auf die defizitäre Sicherheitslage zu lenken. Hoffentlich werden Schritte ergriffen, die vor Ort die Gefahr eindämmen, zumindest bis alle Verdächtigten festgenommen werden können und das Leben wieder weitergehen kann. Das dauert lange. Eine vorgerichtliche Untersuchung zu dem Mord an Florencio Dogomeo († 16. Mai 2010) darf nach Aussage des zuständigen Staatsanwalts erst ab dem 26. August 2010 vorgenommen werden. Erst im Anschluss daran können Haftbefehle ausgestellt werden. Für den zweiten Mord sind keine kürzeren Fristen zu erwarten. Viel Zeit für weitere Tote.  /ah/

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Ein weiterer Toter

Gestern erhielten wir per SMS die Information, dass einer der mutmasslichen Mörder Florencio Dogomeos umgebracht wurde. Unsere Gedanken laufen durcheinander und immer wieder kommen wir zu dem – wenig überraschenden – Ergebnis, dass dieser Mord alles verschlimmert.

Schlachtung im Nachbardorf - Leben und Tod liegen eng beieinander

Schlachtung im Nachbardorf - Leben und Tod liegen eng beieinander

Wir wissen nicht wer der Täter war und ob das – naheliegende – Motiv der Rache diese Tat motivierte. Um eines kreisen unsere Gedanken immer wieder: Welche Auswirkungen hat das auf die fragile Sicherheitssituation auf der Hacienda Jizon? Hat nun der Konflikt eine weitere Stufe erreicht? Werden noch mehr Menschen sterben? Wir fürchten die Konsequenzen und werden wütend, wenn wir daran denken, dass ein umständlicher bürokratischer Apparat ermöglichte, dass die Verdächtigten überhaupt erschossen werden konnten. Eine Untersuchungshaft bei Mordverdacht ist nur in seltenen Fällen direkt und in der Regel nur auf Anweisung des zuständigen Staatsanwalts möglich. Diese Anweisung braucht in diesem Fall zwei Monate. Zeit genug für die des Mordes Verdächtigten unterzutauchen, oder wie es Einem nun geschehen ist, selber zum Opfer zu werden.

Immer wieder spekulieren wir, ob einer der Menschen mit denen wir engeren Kontakt hatten sich jetzt als Mörder offenbart hat. Und wir fragen uns, ob einer, der die Menschen in der kleinen TFM-Dorfgemeinschaft kennt, in der Lage wäre sie diesem gewachsenen Risiko auszusetzen. Ohnehin herrscht seit dem Mord ein Gefühl der Bedrohtheit unter den Bauern: Spione im Zuckerrohr, Gewehrschüsse in der Ferne, Unbekannte die hinter den Häusern entlangschleichen, viele weitere kleinen Beobachtungen, die in dieser Situation die Angst weiter schürten. Den Verdächtigten wurden weitere Waffen ins Haus gebracht, weitere Männer versteckten ihre Mottorräder, bevor sie jeden Abend in dem Haus der Verdächtigten übernachteten.  Unbekannte Motorradfahrer, die seit der Erstattung der Anzeige wegen Mordes täglich durch das Dorf fuhren. Angst in jeder Hütte, Sicherheitsmassnahmen, Waffen.

Kurz vor einem Schuss in der Ferne, der die Tanzaufführung abrupt  beendete

Kurz vor einem Schuss in der Ferne, der die Tanzaufführung abrupt beendete

Naneth, die Witwe Florencio Dogomeos, der am 16. Mai umgebracht wurde, hat sehr unter dem Verlust gelitten und unter den vielen, plötzlichen Bedrohungsszenarien, die beinahe jeden Abend das Dorf in Unruhe versetzten.  Sie erzählte uns von ihren Herzproblemen und wir sahen, wie sie sich nach einem entfernten Pistolenknall heftig übergab, als die Angst und die Erinnerung sich mischten. Sie  erfährt von dem neuen Mord wohl noch, während sie in der Hauptstadt versucht eine fact-finding-mission, für das an ihrem Mann begangene Unrecht, zu erreichen. Sie ist nicht die einzige Person um die wir uns sorgen, weil sie an diesem Ort lebt, wo die Polizei sich nur selten hintraut.

Die Polizei erzählte uns, dass sie einen Hinterhalt fürchten müssten, würden sie eine regelmässige Patroullie auf dieses abgelegene, von Rebellen durchsetzte, Gebiet schicken. Prinzipiell fahren sie nur selten dort hin – und nur bei Tageslicht.

Für unsere Arbeit ist klar, was zu tun ist: Wir verstärken unsere Forderungen an die Polizei (und das Militär), die Sicherheitslage vor Ort zu verbessern und die Menschen vor weiteren Übergriffen zu schützen. Alles muss getan werden, damit der Konflikt entschärft wird und die Mörder bestraft werden, ohne das es Gelegenheit für weitere Testosteronausschüttungen und Rachefeldzüge gibt. /ah/

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Weder schwarz noch weiß

Die Prinzipien, die der Arbeit von IPON zugrunde liegen, haben wir auf den Vorbereitungsseminaren kennen gelernt. Nichteinmischung. Gewaltfreiheit. Damals war das alles ganz klar, bereitete keinem von uns irgendwelche Bedenken. Doch vor Ort sieht die Situation manchmal dann doch anders aus. Nicht, dass wir an der generellen Sinnhaftigkeit jemals zweifeln oder gezweifelt hätten. Doch nicht alles ist schwarz oder weiß, es gibt auch viel grau dazwischen.

Während unserer Dauerpräsenz auf Hacienda Teresita Jison sahen wir mehr als eine Waffe, was zu ernsten Diskussionen zwischen Observern sowie zwischen Observern und Bauern geführt hat. Wir Observer waren uns dabei einig – das offensichtliche Vorhandensein von Waffen widerspricht den IPON-Prinzipien und ist ein Grund, unsere Präsenz vor Ort zu beenden. Bei dieser Entscheidung war auch ausschlaggebend, dass die Bauern vorerst nicht vorhatten Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Wir sprachen mit den Bauern und teilten ihnen unsere Entscheidung mit, die Präsenz am nächsten Morgen zu beenden. Das führte dann ungewollt zu einem Konflikt mit einem anderen IPON-Prinzip – der Nichteinmischung. Zu keinem Zeitpunkt haben wir von den Bauern gefordert zur Polizei zu gehen. Zu gut verstanden wir ihre Sicherheitsbedenken, denn Zeugenschutz auf den Philippinen ist praktisch nicht vorhanden. Dennoch mussten wir natürlich erklären, warum eine weitere Präsenz für uns nicht möglich war. Und unsere Gründe waren das Vorhandensein von Waffen und vor allem dass keine staatlichen Akteure involviert waren. Denn laut IPON-Definition können Menschenrechtsverletzungen nur vom Staat begangen werden, der Menschenrechtskonventionen unterschreibt, ratifiziert und deshalb ihre Einhaltung garantieren muss. Ohne staatliche Akteure ist eine Arbeit für IPON unmöglich, und in einem Konflikt zwischen zwei Bauerngruppen für etwas Ruhe zu sorgen, gehört eindeutig nicht zu unserem Mandat.

Unsere Ankündigung führte zu einer internen Diskussion in der Gruppe der Bauern, vor allem mit den Zeugen des Mordes, und es wurde der Beschluss gefasst, am nächsten Tag bei der Polizei die Zeugenaussagen zu machen und somit den Prozess von Anzeige, Haftbefehl etc. ins Laufen zu bringen. Wir hatten das nicht bezweckt, was wir den Bauern auch klar sagten. Wir wollen sie schließlich nicht zu etwas drängen, das sie am Ende bereuen, da das Gewaltpotential auf dieser Hacienda immer noch recht hoch ist und mit weiteren Zwischenfällen gerechnet wird. Hier wird jedoch die Grenze von „Nichteinmischung“ schnell deutlich. Allein unsere Präsenz vor Ort verändert die Lage – was in einem gewissen Rahmen ja auch beabsichtigt ist.

Das Thema Gewaltfreiheit ist da eine etwas andere Sache. Denn natürlich haben wir auch Verständnis für Bauern, die sich selbst verteidigen. Dass sie die Waffen nur für diesen Fall der Selbstverteidigung einsetzen werden, versicherten sie uns. Gerade in einer Situation wie auf Hacienda Teresita Jison, wo abends Spione im Zuckerrohrfeld gesehen werden, macht deutlich, dass auch hier die Lage nicht ganz eindeutig ist. Von wem kann man verlangen, sich nicht gegen diese Bedrohung schützen zu wollen?
Eine erneute Diskussion zwischen uns Observern begann, wobei wir auch unsere dritte Frau im Büro sowie Steffen vom „alten“ Team telefonisch in die Beratung mit einschlossen. Wir kamen zu dem Schluss über die Waffen vorerst hinweg zu sehen und zu bleiben.
Haben wir jetzt gegen IPON-Prinzipien verstoßen? Ganz klar beantworten lässt sich diese Frage wohl nicht. Es gibt eben verschiedene Stufen von grau. /mf/

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Kurzgesagt: Es ist viel passiert.

Das war dann doch zuviel des Guten

Das war dann doch zuviel des Guten

An all unsere fleissigen Leser_innen soll zumindest eine kleine Entschuldigung und Erklärung gehen, warum wir in letzter Zeit eigentlich nicht mehr soviel von uns haben hören lassen. Hiermit also eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen.

Einige haben sicherlich von dem Mord auf der Hacienda Teresita gelesen, die Witwe des ermordeten Florencio Dogomeo bat uns um Unterstützung und eine längere Präsenz vor Ort. Seitdem waren elf Tage lang jeweils zwei aus unserem Team vor Ort und eine teilte sich das Büro mit immer mehr Kakerlaken. Das hat notwendigerweise zur Folge, dass alle anfallende Büroarbeit plötzlich von nur einer Person bearbeitet werden konnte, während natürlich gleichzeitig noch andere Fahrten anstehen.

Wäschetrocknen auf Teresita

Wäschetrocknen auf Teresita

Unsere Arbeit wurde nicht rücksichtsvollerweise auf einmal weniger, als wir uns entschlossen an einem Ort „präsent zu sein“, an dem es kein Internet gibt. Stattdessen schien die Situation nach der Wahl nun doch noch zu explodieren, mit einem zweiten Toten, einem Verletzten und vielen anstehenden Aufgaben.

Bezüglich der Hacienda Agueda ziehen der lokale Vertreter des Agrarreformministeriums und der Verantwortliche auf Provinzebene eine abschliessende Aufteilung der umstrittenen Länderein auf Hacienda Agueda in Betracht. Vielleicht passiert hier also bald wieder etwas. Zudem fragen wir vermehrt bei der Polizei nach Neuigkeiten nach, seitdem diese sich gezielt darum bemühen einen positiven Eindruck bei uns zu hinterlassen. Abgesehen davon müssen Reaktionen weiterer staatlicher Akteure auf unseren Report über die Menschenrechtssituation auf Agueda erst noch eingefordert werden. Nebenher stellen wir bei anderen staatlichen Akteuren vor Ort Gerüchte über unsere Arbeitsweise richtig. Scheinbar ist in Moises Padilla eine kleine Panik ausgebrochen, als behauptet wurde, dass IPON Anzeigen erstatte. Da sind wohl einigen Leuten ihre Übeltaten und Auslassungen nochmal bewusst geworden… Aber natürlich ist Schadenfreude keine zureichende Begründung eine solche Fehlinformation stehen zu lassen.

Carabao beim Mittagsschlaf

Carabao beim Mittagsschlaf

TFM- Bauern der Hacienda Mansanero wurden von der ehemaligen Landbesitzerin angeklagt, nachdem sie sich versehentlich zum Teil auf dem falschen Gebiet selbst installiert haben. In diesem Rechststreit werden üblicherweise die Termine kurzfristig abgesagt, aber kaum stapelt sich die Arbeit auf dem Schreibtisch findet die Mediation statt. Der Richter hat sich eindeutig ausgesprochen. Der ehemaligen Landbesitzerin sei kein nennbarer Schaden durch den Fehler entstanden, da sie das Gebiet der Bauern, auf dem sie sich versehentlich nicht installiert haben, ja bewirtschaftet habe. Die Bauern hingegen haben Verluste gemacht da sie das falsch installierte Gebiet nicht mehr kultivierten, nachdem sie auf ihren Fehler hingewiesen wurden. Er schlägt vor, dass Gebiet einfach offiziell zu tauschen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Bauern die umstrittenen 1.5 ha dann letztlich auch bekommen (dieses Land befindet sich längst im Prozess). Selbstverständlich könne er aber in diesem Fall auch noch seinen Richterspruch abgeben, wenn sie weiterhin an ihrer Klage festhielte. Gut für die Bauern, die so wohl in sehr geringem Umfang mit Strafe rechnen müssen, falls die Grossgrundbesitzerin das Verfahren weitertreibt. Auch am falschen Gericht kommen also sinnvolle Entscheidungen zustande (eigentlich müsste dieser Fall vor dem Gericht verhandelt werden, dass speziell für Streitfragen im Kontext der Agrarreform eingerichtet wurde).

Zu Teves ist es gerade jetzt wichtig Kontinuität zu beweisen und ein Follow-Up einzufordern. Zudem zeigt die deutsche Botschaft grosses Interesse an dem Fall und auch hierfür müssen wir weiteres Material anfertigen. Das Infomaterial zur Hacienda Teresita ist natürlich auch zu überarbeiten und an alle Interessierten, wie die EU-Delegation auf den Philippinen, das EPjust Programm und die deutsche Botschaft weiterzugeben.

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Auf Hacienda Victoria gab es am 27. Mai 2010 einen sehr bedauerlichen Zwischenfall, bei dem ein TFM-Bauer angeschossen und ein Security-Guard getötet wurde (möglicherweise aus Notwehr). Nachdem drei Security-Guards überraschend aufgetaucht sind und drei TFM-Bauern mit Steinen bewarfen, lief einer der Bauern weg, eine Kugel traf ihn im linken Oberarm. Ein anderer fiel vom Stein getroffen zu Boden und zückte sein Messer, als der Security Guard auf ihn zu kam. Letztlich wurde der Security Guard erstochen. Seitdem ist der TFM-Bauer untergetaucht. Die zurückgebliebenen TFM-Bauern fürchten sich wegen Gerüchten, dass die Security-Guards den Getöteten rächen wollen. Wir sind uns noch nicht ganz einig darüber, wie wir dazu arbeiten können, so dass die Sicherheit der anderen Bauern gewährleistet wird.

Unser Hauptansprechpartner vom TFM warnt uns zugleich schon mal vor, dass die neue Regierung nicht mehr die Ländereien des Ehemannes der ehemaligen Präsidentin schonen werde und daher mit Entwicklungen auf Hacienda Bacan zu rechnen sei. Und mit gewaltsamen Reaktionen von Seiten der Arroyos. Wir müssen hierauf vorbereitet sein, wenn die Landverteilung dort endlich doch noch losgeht.

Auch ansonsten ist viel passiert und es hat sich wieder genug Material für ein ganzes Buch angesammelt, sicher werden wieder einige interessante Blogeinträge folgen, wenn wir hier wieder das Gröbste abgearbeitet haben. Bis dahin bitten wir Euch um Nachsicht. /ah/

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Unvergessliche Erlebnisse einer guten Woche Dauerpräsenz

Vieles ist anders hier, auf Hacienda Teresita Jizon. Anders, als unser vergleichsweise luxuriöses Leben in Bacolod. Bei unserem zweiten Ein-Tages-Besuch fragte ich nach dem „C.R.“. Besorgte Blicke begegnen mir. Die folgende Erklärung verstehe ich zwar nicht, sage aber, dass sie sich wegen des C.R.s keine Sorgen machen müssen. Eine junge Frau führt mich hinters Haus, wo vier Holzpfosten mit Wellblech und einer Plane umgeben sind. Auf der Größe eines knappen Quadratmeters liegen Steine. Das C.R. für kleine Bedürfnisse.

Als wir drei Tage später zurückkommen und auch länger bleiben wollen, werden wir mit den anderen sanitären Einrichtungen bekannt gemacht. Das allgemeine C.R. ist mehrere Hektar groß – im normalen Sprachgebrauch auch als Zuckerrohrfeld bekannt. Da das Zuckerrohr auf einigen Feldern recht hoch steht, hat man dort durchaus seine Ruhe. Ganz im Gegensatz zur „Dusche“. Unsere Dusche ist ein ausgetrockneter Fluss, in den die Bauern drei Löcher gegraben haben, aus denen Grundwasser geschöpft
werden kann. Geduscht wird, wie wir es auch aus Bacolod gewohnt sind, mit Eimer und Schöpfkelle. Das neue hier ist allerdings, dass man die Kleidung anbehält, und die Freude der Dorfbewohner, die sich über unsere Art zu duschen köstlich amüsieren. Mir ist bis jetzt noch nicht klar, was wir falsch gemacht haben. Oder war es nur die allgemeine Fröhlichkeit der Philipin@s, Langnasen duschen zu sehen? Wir freuen uns die Menschen zum Lachen zu bringen und weinen unserer Privatsphäre, zumindest am ersten Tag, nicht allzu sehr hinterher.
Die Tage gestalten sich für uns hier sehr gemütlich. Abgesehen von wenigen Treffen mit Polizei, Militär und Bürgermeister in Toboso, der nächsten Stadt, sind wir, wie dieser Teil unserer Arbeit treffend heißt, dauerhaft auf der Hacienda präsent. Wir unterhalten uns (dank unserer Übersetzerin) mit den Leuten, bringen ihnen Mau-Mau bei, lesen und – essen. Man könnte manchmal den Eindruck
bekommen wir machen nichts anderes. Denn es gibt Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Nachmittagssnack (manchmal auch zwei davon) und natürlich Abendessen. Das Essen ist, meistens zumidest, sehr lecker, und wir können die besorgten Nachfragen, ob das Essen denn in Ordnung sei, mit einem ehrlichen und nachdrücklichen Ja“ beantworten.
Sonntag ist Feiertag. Unsere Regel „Kein Bier vor fünf“ (jaja, es heißt kein Bier vor vier) wird geflissentlich überhört. Dank der philippinischen Eigenart Bier mit Eiswürfeln zu trinken, hält sich der Alkoholgehalt jedoch sehr in Grenzen. Später am Tag kommen wir auch noch in den „Genuss“ einen Hahnenkampf live mitzuerleben. Ein sehr kurzes Vergnügen. Eine johlende Menge steht um zwei Hähne, die jeweils eine Klinge am Bein haben und aufeinander losgehen. Nach zwei bis drei Minuten können beide Hähne wegen ihrer Verletzungen nicht mehr stehen. Mindestens einer der beiden stirbt und landet kurze Zeit später in unserem Abendessen.
Neben der üblichen Karaoke an Geburtstagen, wo wir uns wegen eines wichtigen Gesprächs vor dem Singen drücken konnten, haben wir die Menschen hier auch philippinischen Cha-Cha tanzen sehen. Begonnen hat es damit, dass ich Anna ein paar Tanzschritte zeigte. Dies wurde bald von der Frau des Hauses aufgenommen und sie tanzte mit. Da es allerdings keine Walzer- sondern nur Cha-Cha-Musik gab, gingen wir dazu über uns an diesem Tanz zu versuchen. Dann wurden die inzwischen versammelten Kinder dazu aufgefordert zu „Nobody but you“ (Wondergirls) zu tanzen, was diese mit großer Freude und mehrmals hintereinander taten.
Auch wenn die Situation auf Hacienda Teresita Jizon eigentlich sehr angespannt ist, haben diese Menschen ihre Freude am Leben in keinster Weise  verloren. Sie lachen, spielen Karten und singen, auch wenn diese Unbeschwertheit hin und wieder durch die Nachricht, es seien Spione im Zuckerrohr gesehen worden, ein abruptes Ende findet. Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier, auch wenn der Anlass ein sehr trauriger war. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns ohne zu zögern in ihrer Mitte aufgenommen haben, wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. /mf/

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Büro an Feld – Feld an Büro

Die Bauern auf Hacienda Teresita, wo vor Kurzem ein Bauernführer ermordet wurde, haben uns um eine längere Präsenz vor Ort gebeten. Seit gestern sind Mira Florian und Friederike Mayer dort, um mit Hilfe der Polizei die Sicherheitslage zu verbessern. Bis zum Ende der Woche sitze ich alleine im Büro, verbunden mit meinem Team über unsere Handys: „Sind bei den Bauern und essen Reis“ lautete die erste Kurzmitteilung, die gestern auf dem Display meines Handys aufleuchtete und seitdem geht es regelmäßig hin und her. Alle Missverständnisse, die diese Form der Kommunikation manchmal mit sich bringt, eingeschlossen. Abends gab es dann eine erste Zusammenfassung: „News today: Amay (die lokale community organizerin vom TFM) wird verfolgt; die Zeugen kommen heute Nacht zurück; morgen wird geerntet, was Probleme geben könnte; uns geht es gut.“

Wir tauschen uns noch kurz über die geplanten Besuche bei der Polizei und dem Bürgermeister aus, welche am nächsten Tag stattfinden sollen und wünschen uns eine gute Nacht. „Passt auf Euch auf!“, denke ich und verstehe plötzlich, warum uns so häufig besorgte Rückfragen über unsere Sicherheit erreichen. Wir bringen uns nie in Gefahr, aber von außen betrachtet kann auch mir ein wenig mulmig werden. Die Information über das Geschehen erfolgt ja meistens erst im Nachhinein.

Es gibt auch skurille Rückmeldungen über „das Vergnügen zu duschen (…, in einem) ausgetrocknete(n) Fluss mit gegrabenen Löchern und vielen Zuschauern. Die hatten ihren Spaß.“ Nur strategische Fragen gestalten sich schwierig und benötigen ein zeitaufwendiges Hin- und Her unzähliger Kurzmitteilungen. Das wird dann verschoben, soweit möglich, bis zum nächsten Zusammentreffen. Der Ablösung am Wochenende. Dann wird jemand anderes hier sein, im verlassenen Haus, in dem einen nur noch der Ventilator Gesellschaft leistet, während Termine angefragt werden, Gespräche geführt, Post erledigt wird und ab und zu (weil durch erneuten Stromausfall nur beschränkte Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stehen) ein kleiner Artikel verfasst wird, um Euch da draußen weiterhin Informationen weiterzugeben. /ah/

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