Archiv der Kategorie: Hacienda Carmenchica

„Aus faulen Eiern werden keine Küken“ !? (Wilhelm Busch)

Während der spanischen Kolonialzeit (1565-1898) haben sich in den Philippinen Strukturen etabliert und gefestigt, die es bis heute einigen wenigen Familien ermöglichen, zentrale Machtpositionen im Land einzunehmen und ein Großteil der Landflächen zu besitzen.

Auf der Insel Negros, der „Zuckerinsel“ der Philippinen, hängt der Wohlstand und Einfluss dieser GroßgrundbesitzerInnen oft an sogenannten Haciendas. Dabei handelt es sich um riesige Zuckerrohrplantagen, die als Symbol für Reichtum, Macht und Prestige gelten. Darauf leben und arbeiten FarmerInnen, die in vielen Fällen von der Willkür der „Zuckerbarone“ abhängig sind. Aus diesem Grunde gibt es seit mehreren Jahrzehnten verschiedene Versuche der philippinischen Regierung, durch Agrarreformen die Abhängigkeitsverhältnisse und bestehende Machtstrukturen aufzubrechen, Wohlstand gleichmäßiger zu verteilen und mittellosen FarmerInnen ein unabhängiges Einkommen zu ermöglichen. Die derzeitige Agrarreform auf den Philippinen wird in dem sogenannten CARP (Comprehensive Agrarian Reform Programme) umgesetzt, das 1988 ins Leben gerufen wurde.

Um ihre Machtpositionen nicht einzubüßen und den Ursprung ihres Reichtums, die Zuckerrohrplantagen, nicht zu verlieren, wehren sich viele GroßgrundbesitzerInnen mit Händen und Füßen gegen die Landreform. Die von ihnen ergriffenen Maßnahmen sind dabei vielseitig. Sie reichen von Bedrohung und physischer Gewalt gegen FarmerInnen (und in dem Fall MenschenrechtsverteidigerInnen, MRV), die sich für ihr Recht auf Land einsetzen bis hin zu Schikanen, wie beispielsweise haltlosen Gerichtsverfahren, in die sie die MRV verstricken, um ihre finanziellen, zeitlichen und psychischen Ressourcen zu erschöpfen. Daneben verfügen die GroßgrundbesitzerInnen oft über familiäre oder freundschaftliche Beziehungen zu staatlichen AkteurInnen, die sie nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen und den Landreformprozess zu verzögern oder ganz zu verhindern. Hinzu kommt, dass zunehmende Budgetkürzungen in dem philippinischen Finanzhaushalt staatliche AkteurInnen für Korruption empfänglicher machen und sie sich bereitwilliger auf Deals mit den GroßgrundbesitzerInnen einlassen.

Ziel dieser Repressionen ist es, die MRV einzuschüchtern oder zu zermürben, sodass sie sich auf einen Kompromiss einlassen und auf ihr Recht auf Land teilweise oder vollständig verzichten und sich wieder in ein Abhängigkeitsverhältnis mit der/m GroßgrundbesitzerIn begeben.

Und diese Strategie scheint leider in vielen Fällen erfolgreich zu sein. Immer mehr FarmerInnen sind die jahrelangen Versuche, Land zu bekommen und es problemlos zu bewirtschaften, Leid. Sie haben keine Kraft und finanziellen Kapazitäten mehr sich gegen die anhaltenden Repressionen der GroßgrundbesitzerInnen durchzusetzen und fühlen sich von den staatlichen AkteurInnen oft nicht ausreichend unterstützt.

Vor diesem Hintergrund haben sich die 55 MRV auf Hacienda Anita in Talisay, Negros Occidental, dazu bereit erklärt auf knapp 129 ha des Landes, das ihnen eigentlich laut CARP zustehen würde, zu verzichten und sich mit 71,5 ha zufrieden zu geben – also einer Fläche von 1,3 ha pro FarmerIn statt eigentlich 3,6 ha pro Person. Seit ihrer Bewerbung um Land hatte ihnen der Großgrundbesitzer Villanueva das Leben sehr schwer gemacht. Er erlaubte ihnen nicht mehr auf der Plantage zu arbeiten, sodass sie große Schwierigkeiten hatten, ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien zu sichern. Daneben kam es mehrmals zu körperlichen Übergriffen auf die MRV. Mit dem Kompromiss erhoffen sich die FarmerInnen, dass sie endlich ihr Land ohne Angst vor Repressionen betreten und bearbeiten können – auch wenn die Fläche nur ein Bruchteil von dem ausmacht, was ihnen eigentlich gesetzlich zustehen würde.

MRV auf Hacienda Anita stoßen immer wieder auf Probleme bei der Umsetzung ihrer Rechte auf Land

MRV auf Hacienda Anita stoßen immer wieder auf Probleme bei der Umsetzung ihrer Rechte auf Land

Auch den MRV von den Haciendas Carmenchika und Victoria wurde ein Kompromiss angeboten. Interessanterweise geht der Kompromissvorschlag hier aber nicht von dem Großgrundbesitzer aus, sondern von dem philippinischen Agrarreformministerium selbst.

Die Hintergründe zu beiden Haciendas sind sehr verstrickt. Die MRV auf beiden Haciendas haben vor Jahren offiziell ihr Land erhalten. In beiden Fällen befand sich das Land jedoch aus verschiedenen Gründen nach der Landübergabe in Pachtverhältnissen, sodass die FarmerInnen das Land nicht eigenständig bewirtschaften konnten. Auch wenn sich also in beiden Fällen das Land  zum derzeitigen Zeitpunkt nicht mehr in einem Pachtverhältnis befindet, ist es den FarmerInnen  nicht möglich die Felder zu betreten und zu bewirtschaften ohne Übergriffe von Sicherheitskräften des ehemaligen Landbesitzers befürchten zu müssen.

HRD warten wieder einmal - erfolglos - auf Anhörung im Agrarreformministerium

HRD warten wieder einmal – erfolglos – auf Anhörung im Agrarreformministerium

Die Landbesitzer haben vor verschiendenen Gerichten z.T. haltlose Verfahren angestrengt, die sich über Jahre hinziehen können und es ihnen somit ermöglichen, die Inbesitznahme der Felder durch die eigentlichen BesitzerInnen, die MRV, hinauzuzögern. Denn solange es noch laufende Gerichtsverfahren gibt, ist es scheinbar oft schwierig für MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums die Landübergabe durchzusetzen. (Für mehr Informationen zu dem Thema siehe Artikel „Our documents cannot protect the farmers from their bullets“ vom 14. Februar 2013 und „Auf der Suche nach dem Passagierschein ‚A-38′“ vom 8. November 2012 auf diesem Blog.

Vor diesem Hintergrund hat der Verantwortliche für diese beiden Haciendas, der Provincial Agrarian Reform Officer Manuel Velasco, beiden Farmerleadern zu einem Kompromiss mit dem ehemaligen Landbesitzer geraten und vorgeschlagen, dass sie ihr Land an ihn zurück verpachten. Damit geht seine Hoffnung einher, dass die FarmerInnen anschließend problemlos das Land wieder bearbeiten könnten und möglicherweise die Bedrohungen und Schikanen durch den ehemaligen Landbesitzer und seinen Sicherheitskräften abnehmen bzw. ganz aufhören. In vergangenen Gesprächen mit IPON hat sich Velasco stets überzeugend als jemand präsentiert, dem das Wohl der FarmerInnen am Herzen liegt und notfalls auch gegen den Willen der (ehemaligen) LandbesitzerInnen die Landreform durchsetzen will. Für sein Engagement für die Rechte der MRV hat er bereits mehrere Morddrohungen von Sicherheitskräften ehemaliger LandbesitzerInnen erhalten.

Auch wenn sich die MRV durch ein Pachtverhältnis erneut in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben  und sie nur anteilig an den Gewinnen der Zuckerrohrplantage beteiligt werden würden, hält Velasco  diese Alternative für gewinnversprechender, als der weitere Kampf gegen die Machenschaften des ehemaligen Großgrundbesitzers.

Task Force Mapalad Meeting in Bacolod

IPONs Mandatsorganisation, Task Force Mapalad, diskutiert weitere Strategie zur Umsetzung der Landreform

Doch was sagt es über den Erfolg der Agrarreform aus, wenn bereits die staatlichen AkteurInnen, die für ihre Umsetzung verantwortlich sind, nicht mehr an ihren Erfolg glauben und den FarmerInnen zu einem Kompromiss raten, um nicht vollends leer auszugehen? Ist es fehlender Wille der MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums sich gegen die einflussreichen GroßgrundbesitzerInnen durchzusetzen? Ist es Resignation – ein Jahr bevor das CARP offiziell auslaufen soll? Ist es die Einsicht, dass das CARP nur eine leere Hülle ist, um oberflächlich und öffentlichkeitswirksam Reformen zu vermarkten? Ist es die Gewissheit, dass das aktuelle System in den Philippinen unter den derzeitigen Bedingungen keine andere Lösung bietet?

Was auch immer die Antwort darauf sein mag: Indem die MitarbeiterInnen des Agrarreformministeriums ihren Pflichten nicht nachkommen, wird es zu keiner konsequenten Durchsetzung der Agrarreform kommen. Und ohne eine nachhaltige Landumverteilung wird sich an den Lebensumständen der mittellosen FarmerInnen in den Philippinen auf lange Sicht nichts verändern und die Machtstrukturen und die Wohlstandsverteilung im Land bestehen bleiben.

Da kann man Wilhelm Busch nur Recht geben!

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Erneute Kooperation zwischen IPON und Commission on Human Rights

Heute hat IPON bei der Commission on Human Rights (CHR) einen neuen Bericht über die Situation von MenschenrechtsverteidigerInnen (MRV) auf Negros eingereicht. Diesmal liegt der Fokus auf der Hacienda Carmenchika-Grande (in Pontevedra, Negros Occidental). Auf drei Seiten wird in dem Report die Menschenrechtssituation in der Gegend beschrieben. Neben einer detaillierten Auflistung der Repressionen auf der Hacienda gegenüber den MRV seit Oktober 2011 wird auch aufgezeigt wie staatliche AkteurInnen (in dem Fall vor allem Polizei) auf die angezeigten Fälle reagierten (bzw. nicht reagierten!). Zuletzt erfolgt noch eine Auflistung der verletzten Rechte der MRV, die ihnen laut verschiedenen internationalen Menschenrechtsverträgen und – abkommen, die der philippinische Staat unterzeichnet und ratifiziert hat, zustehen würden.

Die CHR ist eine unabhängige Kommission, die in der Verfassung verankert ist. Sie untersucht Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen und entwickelt z.T. Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte innerhalb des Inselstaates (www.chr.gov.ph).

Commission on Human Rights in Bacolod

Commission on Human Rights

Dieser Bericht wird die Grundlage einer sogenannten Fact Finding Mission der CHR sein, in der Mitglieder des Provinzbüros der Kommission in das entsprechende Gebiet fahren, mit beteiligten AkteurInnen sprechen (staatlich wie auch nicht staatlich), Untersuchungen einleiten und ihre Ergebnisse in einem eigenen Bericht zusammenfassen. Anschließend werden alle Dokumente und Ergebnisse an das regionale und nationale Büro der CHR in Iloilo, Panay und Manila weitergeleitet.

Mit diesem Bericht knüpft IPON an die vorherige Kooperation mit der CHR an, um die Situation von MRV auf den Philippinen zu veröffentlichen und zu verbessern. Bereits im Jahr 2009 und 2010 bildeten von IPON eingereichte Reporte über die Menschenrechtssituation auf Hacienda Agueda (La Castellana, Negros Occidental) und Hacienda Teves (Sta. Catalina, Negros Oriental) die Grundlage für daraufhin eingeleitete Fact Finding Missions der CHR.

Der aktuelle CHR Report von IPON über die Situation der MRV auf Hacienda Carmenchika wird die Grundlage für einen ausführlichen IPON Bericht bilden, der in den nächsten Monaten von dem IPON Team Negros erarbeitet werden wird. Darin wird ausführlich die Sicherheitssituation auf der Hacienda beschrieben und Repressionen gegen MRV aufgezeigt. Dabei soll vermehrt die ausbleibende Reaktion der lokalen Polizei in Pontevedra auf die Rechtsverletzungen im Fokus stehen. In diesem Zusammenhang sollen auch Verbindungen zwischen der ehemaligen Landbesitzerin Kitchie-Benedicto sowie ihrem Vorarbeiter Edgardo Alonso und staatlichen AkteurInnen thematisiert werden.

Der Bericht soll nach seinem Abschluss an staatliche AkteurInnen (vor allem Polizei, Militär und Agrarreformministerium) auf lokaler, provinzieller, und nationaler Ebene verteilt werden, um auf die Menschenrechtssituation auf der Hacienda Carmenchika-Grande aufmerksam zu machen und dafür zu sorgen, dass sich die MRV in der Gegend ohne Einschränkungen für ihre Rechte einsetzen können.

IPON wird über die Ergebnisse der CHR Untersuchung auf diesem Blog und Twitter berichten.

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Auf der Suche nach dem Passierschein „A-38“

Asterix und ObelixAls Julius Caesar herausfinden wollte, ob es sich beiden Comic-Helden Asterix und Obelix um Götter handelte, erlegte er ihnen zwölf Aufgaben auf. Eine davon bestand darin, den PassierscheinA-38aus demHaus, das Verrückte machtzu besorgen. Diese Aufgabe erwies sich für die beiden Helden schnell als schwieriger als zunächst angenommen: Sie wurden von Schalter zu Schalter geschickt, die Treppen rauf und wieder runter. Entweder hatte man noch nie etwas  von dem Schein gehört, verweigerte ihnen eine Anhörung, gab ihnen falsche Informationen oder schickte sie kommentarlos weiter.

Ähnlich ergeht es gerade den FarmerInnen von der Zuckerrohrplantage(Hacienda) carmenchica bei der Suche nach einer/m Verantwortlichen für die bevorstehende Landübergabe. Nachdem ihnen bereits im Jahr 2006 offiziell das Land übergeben wurde, verpachteten sie es zurück an den ehemaligen Landbesitzer Benedicto. Der Pachtvertrag wurde jedoch vor zwei Monaten für ungültig erklärt. Allerdings legte der ehemalige Landbesitzer Einspruch ein, gegen den wiederum die FarmerInnen in Berufung gingen. Derzeit ist das entsprechende Gericht dabei darüber zu entscheiden, ob dem Einspruch stattgegeben wird oder nicht.

Bei der Familie Benedicto handelt es sich um eine sehr einflussreiche Familie auf den Philippinen, die neben weit reichenden Kontakten zu staatlichen Akteuren auch über eine große Zahl an privaten Sicherheitskräften und einen unbeugsamen Willen, die Vergabe ihres Landes zu verhindern, verfügt. Diese Kombination führte letztendlich dazu, dass die FarmerInnen der Hacienda Carmenchica so eingeschüchtert wurden, dass sie sich nicht mehr in die Nähe ihrer Felder trauen oder Repressionen beistaatlichen Stellen anzeigen.

Plakat am Eingang des Agrarreformministerium in Bacolod

Während die Aufgabenverteilung und die interne Struktur auf dem Papier klar erscheint, gestaltet sich die Realität mehr als uneindeutig …

Vor diesem Hintergrund ist das zuständige Agrarreformministerium (Department for Agrarian Reform, DAR)gewillt, erneut das Land, das den FarmerInnen bereits gehört, symbolisch zu übergeben. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass sie anschließend problemlos ihre Felder bewirtschaften können und der ehemalige Landbesitzer sich der Agrarreform fügt. Doch derzeit fällt es den BewohnerInnen von der Hacienda schwer eine/n DAR-MitarbeiterIn zufinden, die/der bereit ist, gegen den Willen der einflussreichen Benedicto-Familie, eine Landübergabe durchzusetzen: Vom nationalen DAR wurde im Juni diesen Jahres ein Schreiben an die entsprechende lokale Stelle geschickt, mit der Aufforderung eine sofortigeInstallation (offizieller Akt der Landübergabe) durchzuführen. Adressiert wurde die Aufforderung an den Provincial Agrarian Reform Officer (PARO)Siladan. Dieser allerdings schob die Verantwortung PARO Yongque zu, mit der Begründung, dass nur dieser Installationen durchführen könne. Auf Nachfrage bei PARO Yongque stellte sich heraus, dass er lediglich den Empfehlungen des zuständigen Agrarian Reform Officers der lokalen Ebene, Mr. Gatmaitan, folgen würde. Einige Wochen später erklärte Yongque, dass er die Installationsanweisungan PARO Velasco übertragen habe, doch letztendlich PAROS iladan die endgültige Entscheidung über die Installation treffen müsse.

Der Anwalt des DARs, Atty. Castro, begründete das Herauszögern der ausstehenden Installation damit, dass das DAR erst noch abwarten müsse, ob das Gericht dem Einspruch des ehemaligen Landbesitzers (siehe oben)stattgeben werde, oder nicht. Allerdings ist er der Meinung, dass eben jenes Gericht auch die Kompetenz habe, eine Installation durchzuführen. Auf Nachfrage bei dem entsprechenden Richter pochte dieser auf die Gewaltenteilung und schob dem DAR die Installationskarte zurück.

IPON zu Besuch auf Hacienda Carmenchica

Solange sich Niemand vom Agrarreformministerium dazu bereit erklärt, die Installation gegen den Willen des ehemaligen Landbesitzers durchzuführen, können die FarmerInnen von Hda. Carmenchica nur dabei zuschauen, wie ihr Feld von fremden ArbeiterInnen abgeerntet wird.

Während sich die verschiedenen staatlichen Stellen die Verantwortlichkeiten hin und herschieben, müssen die BauerInnen zusehen, wie ihre Felder von anderen ArbeiterInnen bearbeitet und abgeerntet werden und die Zahl der privaten Sicherheitskräfte auf der Hacienda stetig ansteigt. Sollte in naher Zukunft keine Entscheidung vom DAR bzgl. der Installation fallen, droht die zunehmend angespannte Lage auf der Hacienda zu eskalieren.

Es bleibt zu hoffen, dass die FarmerInnen der Hacienda nicht aufgeben und weiter die Kraft und die Geduld aufbringen, imHaus, das Verrückte machtjemanden zu finden, der bereit ist, sich für ihre Installation einzusetzen. Die beiden Comic-Helden Asterix und Obelix hatten letztendlich Erfolg und erhielten den PassagierscheinA-38.Allerdings nicht ohne das System mits einen eigenen Waffen zu schlagen und es komplett auf den Kopf zu stellen. Es bleibt also abzuwarten, für welchen Weg sich die FarmerInnen von Carmenchica entscheiden werden, um ihre Rechte durchzusetzen und ihre Lebensgrundlage zu sichern.

Quelle Asterix&Obelix-Bild:

http://www.sazart.de/?Steckbrief:Comics:Asterix_%26_Obelix

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Hacienda Carmenchica probt den Aufstand, Alonso schlägt ihn nieder

Eckdaten:

Landgröße: 519 (ha)
Lage: in Pontevedra, an der Westküste von Negros
Anzahl der involvierten Bauern*: 252
Landbesitzerin: Francisca „Kitchie“ C. Benedicto
 

Schon seit 1999 gibt es auf Hacienda Carmenchica Bauern, die im Zuge der Agrarreform Land zugesprochen bekommen haben. Wie auf vielen Haciendas ist unsere Partnerorganisation TFM nicht die einzige Bauernvereinigung, die in Carmenchica aktiv ist. Während einige Bauern schon seit 2003 ihr Land selbständig, friedlich und unbehelligt bearbeiten, gibt es zwischen anderen Bauern und der Universal Equity Corporation (UEC) große Probleme.

Die Bauern von Hacienda Carmenchica in einer für uns einberufenen Versammlung. Ganz rechts: Bauernführer Ayan

Die UEC ist ein Agrarunternehmen, das schon lange in Carmenchica aktiv ist und bei welchen die Bauern früher auch selbst als Angestellte arbeiteten, als sie noch kein eigenes Land besaßen. Nachdem die Bauern aber durch die an sie während der Agrarreform verteilten Landtitel selbst Landbesitzer wurden, verpachteten sie ihr eigenes Land an die UEC zurück und arbeiteten wieder als Angestellte auf ihrem Land, wie sie es schon davor zu tun pflegten. Allerdings ist die Corporate Secretary der UEC, Juliet Marie D. Ferrer, die Tochter der Landbesitzerin Kitchie Benedicto und somit ist das Land de facto wieder in den Händen der ehemaligen Landeigner.

Das Pacht- und Arbeitsverhältnis zwischen den Bauern und der UEC verläuft auch nach 2009 zunächst problemlos und vielversprechend, als der erste Pachtvertrag (von 2006 bis 2009) bis 2011 verlängert wird. Nur vier Tage nach Auslaufen dieser Verlängerung, am 12. Oktober 2011, kommt es zu dem grundlegenden Konflikt, der bis heute nicht geklärt ist: Während 48 Bauern nun ihr Land selbst bearbeiten wollen beharrt die UEC auf den Pachtvertrag, der nach ihrer Ansicht bis 2015 verlängert wurde. Als Reaktion auf das Vorgehen der Bauern reicht die UEC am 13. Oktober 2011 eine Klage beim zuständigen Gericht gegen die 48 Bauern wegen „gewaltsamen Eindringens“ tags zuvor ein.

Bemerkenswert ist der Anhang der Anklageschrift: Dieser enthält nämlich unter anderem den von allen Bauern unterschriebenen und notariell beglaubigten Pachtvertrag bis zum Jahr 2015. Die Bauern behaupten jedoch, die UEC habe den Vertrag gefälscht, indem sie die Unterschriften der Pachtzahlung von 2009 entnommen haben. Damals, so die Bauern, haben sie als Bestätigung über den Erhalt der Pachtzahlung von der UEC für die Jahre 2010 und 2011 ein einseitiges,

mit nichts anderem als nummerierten Linien vorbedrucktes Papier unterschrieben. Die Verlängerung des Pachtvertrages hätten sie wie auch schon den ersten Vertrag von 2006 lediglich mündlich mit der UEC beschlossen.

Es steht also der notariell beglaubigte Pachtvertrag gegen die Aussage von 48 Bauern. Doch nachdem die Bauern am 12.10.11 wieder Besitz von ihrem Land ergriffen haben, will sich die UEC und deren Manager vor Ort, Edgardo Alonso, nicht damit abfinden, die juristische Klärung des Streitfalls abzuwarten. Statt dessen versucht die UEC ab dem 13 November 2011 wiederholt, die Bauern von den Feldern zu vertreiben. Alonso rückt mit Polizei- und Militärkräften, bewaffnetem Sicherheitspersonal und Traktoren an, um Grenzsteine, Hütten und Behausungen der Bauern nieder zu reißen. Dabei fallen auch Schüsse und Bäuerinnen müssen sich vor den dicht auffahrenden Traktoren in Sicherheit bringen. Die vielen anwesenden Polizisten schreiten nicht ein und sechs Bauern berichten außerdem, sie seien von Polizisten der „5th Maneuver Platoon” (eine Art Sondereinsatz-Kommando) gefesselt und zwei Bauern auch von den Polizisten getreten worden, als sie sich mit dem Gesicht nach unten und auf dem Rücken gefesselten Händen auf den Ackerboden legen mussten.

Einige dieser Vorfälle haben die Bauern bei der Polizei zu Protokoll gegeben. So hätte Alonso ihnen zum Beispiel trotz wiederholter Aufforderung nicht den Gerichtsbeschluss gezeigt, der ihn angeblich zur Niederreißung der errichteten Hütten befugt. Abgesehen davon habe die Polizei ihren schriftlichen Einsatzbefehl („mission order“) den Bauern trotz expliziter Anfrage nicht ausgehändigt, dieser gibt unter anderem Auskunft über Anzahl und Art der verwendeten Dienstwaffen.

Seit dem 17. Februar 2012 haben die Bauern ihre Felder deshalb nicht mehr betreten (können) und selbstredend haben sie seit Oktober 2011 auch keine Pachtzahlungen mehr erhalten.

Erwähnenswert sind außerdem noch einige familiäre Verstrickungen: Wie bereits oben angesprochen ist Juliet Marie D. Ferrer die Tochter der Landesbesitzerin Kitchie Benedicto. Gleichzeitig ist sie auch Bürgermeisterin des Nachbarortes La Carlota und mit dem Kongressabgeordneten Jeffrey P. Ferrer verheiratet. Der für Carmenchica zuständige Bürgermeister Jose Maria Alonso war vor seiner Wahl selbst ein Manager der UEC und mit der Verwaltung der Hacienda betraut, dann hat er die Aufgabe an seinen Bruder, Edgardo Alonso, übergeben

Nach der ersten Voruntersuchung des Falles auf der Hacienda wollten wir die Informationen der Bauern gegenprüfen und uns das Problem aus Sicht der staatlichen Akteure erklären lassen. Also entschlossen wir uns weitere Informationen bei Polizei, bei der zuständigen Agrarreform-Behörde und dem ebenfalls verwickelten Department of Social Welfare and Devolepement einzuholen. Auch diese Besuche waren sehr informativ. Wie zu erwarten sind diese neuen Informationen verglichen mit den Angaben der Bauern zunächst widersprüchlich. So zum Beispiel die Anzahl der abkommandierten Polizeibeamten: Während die Bauern die Anzahl der anwesenden Polizeikräfte mit 70 viel zu hoch schätzen – laut Polizei, leugnet diese ihre Tatenlosigkeit und natürlich auch mögliche Misshandlungen oder ein illegitimes Vorgehen ihres Personals.

Noch ist die Zusammenarbeit mit den Bauern auf Hacienda Carmenchica keine beschlossene Sache und nach Abwägen der gesammelten Informationen wäre der nächste Schritt eine direkte Gegenüberstellung mit dem Hinweis auf mögliche Menschenrechtsverletzungen, indem zum Beispiel ein betroffener Bauer mit zur Polizei begleitet wird, wo ihm beim letzten Besuch verweigert wurde, sein Protokoll entgegen zu nehmen. /tl/

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