Archiv der Kategorie: Alltagsleben

SONA 2013 – Great Expectations

Leaving a dusky and rainy weekend behind, the IPON Negros team happily goes into another week in Bacolod.  The sun seems to have awaken from its temporary lethargy and an aura of sunny peace and tranquility has been surrounding the routine in our neighbourhood from very early hours.

For us three, as a brand-new team in Negros Occidental, every Monday is accompanied by the excitement and expectations of new events and activities to come: contacts being forged among the Task Force Mapalad (TFM) Hacienda farmers’ representatives, old cases from former teams being relived and reviewed and discussions raised on potential projects to be launched during the next months.

But today’s Monday is not one like any other.

Today, President Benigno S. Aquino III is holding his fourth State of the Nation Address (SONA) since him entering his role back in May 2010. The SONA is mandated by the 1987 Constitution and is an annual address by the President of the Republic of the Philippines to the Filipinos through a Joint session of the Congress of the Philippines. The speech is being held today at 2pm in the Batasang Pambansa Complex in Quezon, the same venue where Corazón Aquino, the mother of the current President, held her first SONA upon the re-establishment of the Congress in 1987.

Source: Official Gazette of the Republic of the Philippines, http://www.gov.ph/

From the perspective of our mature and well-established European democracies, this annual event may be seen as a mere occasion for the government to highlight its achievements and leave aside any performance failures since last July 2012. However, the overall feeling here in the Philippines today is far different from such a view. There are great expectations and hopes connected to today’s SONA as Aquino is facing a much more demanding audience, eager to obtain palpable results of his numerous promises. Unlike previous SONAs of his presidential term, a standard discourse shaped and tinged by the good intentions after the take-over from the Gloria Macapagal-Arroyo’s administration will not suffice.

One of this demanding social actors is our partner organization TFM, whose next steps and actions, including a possible protest march in Manila in August (s. our blog entry Promised Land) are closely dependent upon the attention paid today by Aquino to land issues and the effective implementation of the Comprehensive Agrarian Reform Programme (CARP, Republic Act NO. 6657 as amended by RA 7881, 7905, 8532 and 9700).

But not only will the speech this afternoon affect TFM’s objectives and priorities and thus indirectly IPON’s agenda in Negros: a protest rally against the SONA and the Aquino government itself has been organized by different filipino and foreign human Rights non-government organizations, community and advocate groups concerned about the human rights situation in the country, all of them coordinated under the umbrella of  the global network International Conference for Human Rights and Peace in the Philippines (ICHRPP).

Human rights violations are expected to constitute one of the issues addressed by the President today, reacting to the demands of these groups for accountability of state crimes such as  extrajudicial killings and enforced disappearance commited mainly by the  military and other state security forces during the previous decade. This, together with the desire for freedom for political prisoners and a stop on militarization of rural communities should require a direct approach by Aquino to the Armed Forces of the Philippines (AFP) and the Philippine National Police (PNP) during his speech today.

As the day moves forward into noon, our expectancy and hopes, too, increase on this regular Monday morning. We look forward to offer you an update,  upon delivery by the President, as soon as the speech is available in English.

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Pro Choice vs Pro-Life: Moralische Argumente dominieren Debatten um kontroversen Gesetzesentwurf

Vergangene Woche wurde im Repräsentantenhaus die Diskussionen um die kontroverse „Reproductive Health Bill“ (RHB) beendet. Damit ist der Gesetzesentwurf bereit für die zweite Anhörung und der Umsetzung einen kleinen Schritt näher gekommen. Doch die öffentlichen Debatten um die Bill halten an.

Das neue Gesetz sieht vor, dass jeder Mensch in den Philippinen von seinem Recht auf Gesundheit und Selbstbestimmung – unabhängig von Religion, Geschlecht, sozialem Hintergrund, Zugang zu finanziellen Ressourcen, etc. – Gebrauch machen kann. Zentrale Bestandteile sollen daher Informationskampagnen über Geburtenkontrolle, Zugang zu Verhütungsmitteln (für ärmere Bevölkerungsgruppen werden die Kosten von der staatlichen Gesundheitsversicherung übernommen) und Seminare über Familienplanung für frisch verheiratete Paare sein. Damit einher soll Aufklärungsunterricht in Schulen ab der 5. Klasse gehen. Daneben sind Maßnahmen zur allgemeinen Förderung der Kinder- und Müttergesundheit geplant. Die Zahl von Hebammen soll um ein Vielfaches erhöht werden und eine Ausweitung des Angebots an medizinischen Einrichtungen soll dafür sorgen, dass auch ländliche, infrastrukturell noch nicht so gut erfasste Regionen ausreichend abgedeckt sind.

Besonders ein Punkt sorgt in der öffentlichen Diskussion für viel Aufregung: Auf den Philippinen ist Abtreibung verboten. Wird eine Frau ungewollt schwanger, bleibt ihr oft nur der Ausweg einer illegalen Abtreibung mit der sie meist ihr eigene Gesundheit aufs Spiel setzt. (Statistiken zufolge treiben jedes Jahr ca. 500.000 philippinische Frauen illegal ab, 90.000 von ihnen müssen als Folge davon ins Krankenhaus, ca. 1.000 sterben dabei.) In solchen Notfällen können diese Frauen keine ärztliche Hilfe aufsuchen ohne Gefahr zu laufen nicht behandelt bzw. verhaftet zu werden. Die RHB wird an dem Abtreibungsverbot nichts ändern. Aber sie soll zumindest dafür sorgen, dass Frauen, die aufgrund von Komplikationen nach einer illegalen Abtreibung ärztliche Hilfe aufsuchen, das Recht auf eine medizinische Behandlung haben. Sollte der Arzt/die Ärztin diese verweigern würde er/sie sich strafbar machen.

Mit den Maßnahmen der Bill erhofft sich die Regierung des Inselstaates der steigenden Bevölkerungszahl entgegenzuwirken (1190: ca. 60 Millionen, 2010: ca. 92 Millionen) und die Armut zu reduzieren. (So lebten Statistiken der Weltbank zu Folge im Jahr 2009 41,1% der Bevölkerung mit weniger als $2 pro Tag.) Daneben gaben steigende Aidsraten und eine hohe Zahl von Frauen und Kindern, die während der Schwangerschaft bzw. bei der Geburt sterben den Anstoß. Auch soll der Wunsch von immer mehr Eltern nach kleineren Familien statt gegeben werden.

Erste Diskussionen um ähnliche Gesetzesentwürfe gab es bereits vor über zehn Jahren. Doch bisher konnte die endgültige Verabschiedung immer verhindert werden. Die Hauptursache dafür sehen KritikerInnen in den langen Entscheidungsprozessen innerhalb des Kongresses (der Gesetzgebungsinstanz in den Philippinen, die sich aus den beiden Kammern Senat und Repräsentantenhaus zusammensetzt) – und dem Widerstand der katholischen Kirche. Aufgrund der knapp 340 Jahre andauernden Besetzung der Philippinen durch Spanien, hat sich in weiten Teilen des Landes der katholische Glaube fest verankert. Mittlerweile gehen Schätzungen davon aus, dass sich 82 % der philippinischen Bevölkerung als katholisch verstehen. Auch wenn die Verfassung des Landes eine strikte Trennung von Staat und Kirche vorsieht, haben kirchliche VertreterInnen nach wie vor großen Einfluss auf die öffentliche Debatte und die Meinung von PolitikerInnen. So drohte nun die Kirche staatlichen VertreterInnen, die sich für die RHB aussprachen, öffentlich damit, dass sie dafür sorgen werde, dass sie die nächste Wahl verlieren werden. Dem aktuellen Präsidenten Benigno Aquino III, einem Befürworter des Gesetzesentwurfes, drohte sie sogar mit Exkommunizierung.

Doch sollte man vorsichtig sein die Grenzen entlang der Kirchenmitgliedschaft zu ziehen. Vielmehr wird die Debatte zwischen „Pro Life“ und „Pro Choice“-AnhängerInnen geführt. So gibt es durchaus KatholikInnen in hohen Positionen, die sich für die Verabschiedung des Gesetzes aussprechen (z.B. Jesuitenpater Joaquin Bernas). Nichtsdestotrotz wird die öffentliche Debatte größtenteils von kirchlichen VertreterInnen angeführt. Es wird argumentiert, dass, durch die Bill eingeführte Maßnahmen, die Rechte von ungeborenen Kindern missachtet, moralische Prinzipien untergraben und Menschen in Beziehungen zu Seitensprüngen ermutigt werden. Es gab auch bereits Stimmen, die von der Erzeugung einer „Abtreibungsgeneration“ sprachen. Auch sei die Bevölkerungszahl nicht der Grund für die weite Armut des Landes, sondern die Korruption der Regierung. Gemäßigtere KritikerInnen geben an, dass durch die Verabschiedung der Bill Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten und das Gesetz opponieren, beispielsweise gegen ihre Überzeugung dazu gezwungen werden würden Verhütungsmittel auszugeben.

Protestplakat vor der San Sebastian Kathedrale in Bacolod

Am 04. August, zwei Tage vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus, organisierte die Katholische Bischofskonferenz der Philippinen eine große Gebetsrallye, bei der knapp 10.000 Menschen zusammenkamen, gemeinsam beteten und ihren Protest gegen den geplanten Gesetz Ausdruck verliehen. Nun hat sich auch die ehemalige Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo auf die Seite der RHB-GegnerInnen gestellt. In ihrer Amtszeit (2001-2010) wurde sie vor allem dadurch bekannt, dass sie für die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen seit der Marcos-Diktatur verantwortlich war. Auch kürzte sie während ihrer Zeit als höchstes Staatsoberhaupt der Philippinen öffentliche Gelder für künstliche Verhütung und förderte stattdessen eine natürliche Familienplanung, die der „philippinischen Kultur“ entspräche. Nichtsdestotrotz verfügt sie noch immer über eine weite Anhängerschaft im Land und kann durch ihre öffentliche Stellungnahme die Gemüter maßgeblich beeinflussen.

Folgt man den öffentlichen Diskussionen, ergibt sich der Eindruck, dass sich die Argumentation oft auf eine moralische Ebene verlagert. Dadurch könnten allerdings wichtige Maßnahmen zur sexuellen Selbstbestimmung, Familienplanung und Mütter- und Kindergesundheit, die die RHB bringen soll, übersehen werden.

Quellen:

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Gekommen, um zu bleiben!

Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn’t do than by the ones you did.

So throw off the bowlines.

Sail away from the safe harbor.

Catch the trade winds in your sails.

Explore. Dream. Discover.

Zugegeben – es gibt weitaus elegantere, kreativere und spannendere Einstiege in einen Blogeintrag als ein bereits oft gelesenes Mark-Twain-Zitat. Trotzdem steht dieses lyrische Bruchstück aus der Feder des Schöpfers von Huck Finn und Tom Sawyer nun am Anfang des ersten Web-Beitrags von uns, Anne, Ann-Kathrin und Lukas, dem neuen IPON-Team auf Negros. Warum das Ganze? Weil es einfach – metaphorisch verpackt – sehr gut beschreibt, wie wir uns fühlen und warum wir uns auf das „Abenteuer Philippinen“ eingelassen haben, um für IPON zu arbeiten. Sich freischwimmen, die Alltagsroutine durchbrechen, etwas völlig Anderes machen, die Vielgestaltigkeit des Lebens kennenlernen und sich für andere Menschen einsetzen – das ist der Antrieb. Dabei wollen wir aber natürlich mehr sein als bloße Abenteurer. Der Anspruch ist zwar nicht, á la Tim Bendzko mal eben kurz die Welt zu retten, aber wir sind davon überzeugt, mit IPON eine Organisation gefunden zu haben, für deren Ziele und Visionen sich jedes aktive Engagement lohnt.

Wie beschreibt man nun die erste Woche in den Philippinen? Kulturschock? Natürlich ist alles neu, ungewohnt, auch fremd, aber Kulturschock klingt irgendwie zu sehr nach Klischee und ist als Begriff in diesem Kontext auch überstrapaziert. Ein kaleidoskopartiges Einprasseln der unterschiedlichsten Eindrücke und Situationen trifft es wohl eher. Bis zu 15 Menschen auf einem kleinen, putzigen Tricyle. Das ständige Winken und freundliche Grüßen durch die Einheimischen. Der sich durch die Stadt ziehende Geruchsmix aus frisch gefangenem Fisch, dem Essen der kleinen Eatery-Privatrestaurant und den Abgasen der unzähligen, die Straßen verstopfenden Fahrzeuge. Eine Luftfeuchtigkeit, die sich beim Verlassen des Hauses wie eine Wand anfühlt, gegen die man läuft. Der Genuss von lokal geernteten Mangos, Ananas und Kokosnüssen. Man versucht, die einzelnen Momente und Gegebenheiten aufzusaugen, spürt aber gleichzeitig auch eine gewisse Reizüberflutung.

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Jeepney fahren – ein großer Spaß!

Unsere Einarbeitungszeit war sehr intensiv und lehrreich. Hacienda-Profile lesen, sich mit Finanzen auseinander setzen, die Stadt mehr oder weniger kennenlernen. Hauruck-Verfahren oder Schnelldurchlauf sind wohl zwei Worte, die unsere ersten drei Tage in Bacolod ganz treffend umschreiben. Ob wir uns nun für die nächsten Wochen und Monate gewappnet sehen, ist schwierig zu beantworten. Die ein oder andere Irrfahrt durch die Stadt, weil wir mal wieder in den falschen Jeepney eingestiegen sind, wird uns ganz sicher noch bevorstehen. Doch im Grunde liegt ein Geheimnis des Lebens ja darin, siebenmal hinzufallen, aber achtmal wieder aufzustehen.

Die ersten Treffen mit verschiedenen Mitgliedern unserer Partnerorganisation TFM verliefen aus unserer Sicht erstaunlich gut und vielversprechend. Ausgestattet mit einem Bündel von Visitenkarten und IPON-Profilen haben wir bei Meetings in Cadiz und in La Castellana die Möglichkeit genutzt, uns persönlich vorzustellen, IPON weiter bekannt zu machen und von den Bauern ein Update in Bezug auf die Menschenrechtslage auf den einzelnen Haziendas zu bekommen. Dabei haben wir uns über die große Wertschätzung, die uns die einzelnen TFM-Mitglieder auf Anhieb entgegen brachten, sehr gefreut.

Ab morgen stehen dann die ersten Hacienda-Besuche auf der Agenda. Wir sind sehr gespannt und unfassbar neugierig, was uns dort erwartet und hoffen auf weitere, wertvolle Informationen für unsere Arbeit.

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Weiß sein- privilegiert sein? Teil 2

Erfahrungsbericht von den Philippinen

Nachdem ich gestern über die Whitening Industrie in Asien, besonders auf den Philippinen, berichtet habe, möchte ich heute etwas über meine persönlichen Erfahrungen zu dem Thema erzählen. Sie spiegeln demnach in keiner Weise die Meinung IPONs oder einzelner Teammitglieder wieder, sondern sind rein subjektive Erfahrungsberichte meinerseits. Weiterlesen

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“Weiß sein” auf den Philippinen, Teil 1

„To make your skin white, make your skin tight, and your skin bright.“

Ich habe mich entschieden etwas über das „Weiß sein“ auf den Philippinen zu schreiben. Eigentlich sollte es nur ein Blogeintrag werden, aber bei der Recherche merkte ich, wie komplex und kontrovers das Thema doch ist und auch wie wichtig. Denn in Europa scheinen die meisten Menschen nichts über die vorherrschenden Schönheitsideale in Asien und Afrika zu wissen. Das Thema ist es also wert ihm etwas mehr Zeit widmen.  Daher nun in loser Folge 3 Beiträge zu asiatischen Schönheitsidealen, westlichem Medieneinfluss und meinen eigenen Erfahrungen, die ich zurzeit auf den Philippinen sammle. Weiterlesen

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Bacolod, Kopfgeld und Karaoke

Mandatskonferenz 2011 - TFM und IPON.

Nach einer Woche Aufenthalt in der furchtbar unentspannten Stadt Manila hob am Freitag, dem 21.01., der Flieger ab um uns nach Bacolod City, auf die Zuckerrohrinsel Negros zu bringen. Während des Fluges bot sich ein schöner Ausblick auf einige der 7.107 Inseln der Philippinen. Nach einer kurzen Fahrt, auf der uns die gesellschaftliche Ungleichheit durch „Gated Communities“ auf der einen Seite und Wellblechhütten auf der anderen Seite bewusst wurde,  erreichten wir unser Domizil für die nächsten Monate: ein ruhig gelegenes Haus in Villamonte, einem Stadteil von Bacolod City.

Die Mandatskonferenz: Kopfgeld und Karaoke. Weiterlesen

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Aus Liebe zum Spiel – Eine philippinische Fußballperspektive

Die philippinische Fußballnationalmannschaft war wahrscheinlich die schlechteste der Welt. Im September 2006 stand die Nationalmannschaft auf Platz 195 der Weltrangliste. Nur solche große Fußballnationen wie Anguilla oder die Cook-Inseln, mit weniger als 500.000 Einwohnern, platzierten sich hinter den Philippinen. Bei einem Land mit 85 Millionen Einwohnern ist das mehr als peinlich. Die Erfolge der Nationalmannschaft bewegen sich im äußerst begrenzten Rahmen. Die Teilnahme an der Asienmeisterschaft 1956 gilt als größter Erfolg, freilich scheiterte man bereits in der Vorrunde. Für die Weltmeisterschaften 2006 und 2010 wurde gar nicht versucht sich zu qualifizieren. Wie es bei der letzten Weltmeisterschaft auf den Philippinen aussah, behandelt dieser Artikel Weiterlesen

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