Monatsarchiv: Oktober 2012

“How could we be charged of stealing our own? What a great folly” (Manuelito Dela Cruz)

MRV Manuelito Dela Cruz, Hacienda Cana-An

Manuelito Dela Cruz

Als Manuelito Dela Cruz und sein damals 28-jähriger Sohn Jonathan am 11.10.2009 ihr Haus auf der Hacienda Cana-An verließen, haben sie nicht damit gerechnet, dass sie erst ein Jahr später nach Hause zurückkehren würden. Noch während der Fahrt zum Markt, auf dem sie wie gewohnt Kokosnüsse verkaufen wollten, sind sie von Mr. Ramil Buenavista und einigen privaten Sicherheitskräften der Landbesitzerin angehalten und kurze Zeit später direkt verhaftet worden. Der Vorwurf: Kokosnussdiebstahl.

Mr. Buenavista ist ausführende Hand der Paraiso Food Processors Corporation. Auch wenn ein Großteil der Hacienda bereits an landlose FarmerInnen vergeben wurde, so sind doch noch einige Teile in Besitz von Eloisa S. Sison. Diese hat das ihr noch verbleibende Land an die Paraiso Food Processors Corporation verpachtet. So auch das Gebiet, auf dem die Hütte von Dela Cruz und die von ihm geernteten Kokosnusspflanzen stehen.

Allerdings erweisen sich die Besitzverhältnisse der besagten Kokosnusspalmen als überaus uneindeutig: Die Hütte und wahrscheinlich auch die Palmen stehen auf Dela Cruz‘ sogenanntem Homelot. Dabei handelt es sich um ein bis zu 1000 Quadratmeter großes Gebiet auf der Hacienda, auf dem die Hütte der FarmerInnen steht.

Ausschnitt aus dem „approved plan“ der Hacienda Cana-An; der orange markierte Teil kennzeichnet das Homelot von Dela Cruz

Das Agrarreformministerium hat bereits einen sogenannten „approved plan“ der Hacienda erstellt. Dieser gibt Auskunft über die Größe des noch zu vergebenden Landes der jeweiligen Hacienda und dient damit als Grundstein für die zukünftigen Landvergaben. Darauf ist eindeutig das Homelot von Mr. Dela Cruz zu erkennen. Der Rechtsexperte einer philippinischen NGO bestätigte gegenüber IPON, dass Homelots bei der Landverteilung gewöhnlicherweise („usually“) an die BewohnerInnen vergeben werden. Aber bis dahin gehört das Feld, rein rechtlich gesehen, noch immer der Landbesitzerin Sison. Des Weiteren befinden sich die besagten Kokosnussbäume auf dem Randgebiet des Homelots, sodass der vorliegende „approved plan“ letztendlich keine genaue Aussage darüber erlaubt, auf welcher Seite der Grundstücksgrenze die Palmen stehen.

Nichtsdestotrotz erzählte uns Manuelito Dela Cruz, dass die Kokosnusspflanzen, die im Mittelpunkt des Streits stehen, bereits von seinem mittlerweile verstorbenen Vater angepflanzt worden sind und sich demnach in seinem Besitz befinden. Hinzu kommt, dass er die Kokosnüsse seit Jahren ohne Einspruch von Buenavista oder Sison ernten und verkaufen könne. Warum er plötzlich des Diebstahls bezichtig wurde, konnte Dela Cruz uns nicht erklären.

Das Gericht, der Regional Trial Court in Cadiz, sprach sich letztendlich gegen Dela Cruz und seinen Sohn aus und verurteilte Beide zu einer Haftstrafe zwischen zwei und sechs Jahren. Letztendlich saßen sie für zwölf Monate im Gefängnis von Cadiz und wurden anschließend zu zwei Jahren Bewährung verurteilt, die noch bis zum 8.12.2012 anhält.

Christopher John Sy, Legal Researcher am Regional Trial Court in Cadiz, bestätigte gegenüber IPON, dass das verhängte Strafmaß für Manuelito und seinen Sohn für Kokosnussdiebstahl auf den Philippinen angemessen war und er auch schon Fälle erlebt hätte, in denen der Urteilsspruch weit strenger ausfiel. Dabei muss man erwähnen, dass Kokosnussdiebstahl im philippinischen Rechtssystem ein schweres Vergehen ist und demnach mit hohen Strafen behängt wird – ein Erbe aus der spanischen Kolonialzeit.

Letztendlich haben ungeklärte Besitzverhältnisse und der Umstand, dass Kokosnussdiebstahl auf den Philippinen hart bestraft wird, dazu geführt, dass Manuelito Dela Cruz und sein Sohn Jonathan für den (angeblichen?) Diebstahl von 165 Kokosnüssen im Wert von 3.333 Pesos (ca. 62 €) für zwölf Monate im Gefängnis saßen und noch immer auf Bewährung sind.

Doch auch nach der verbüßten Haftstrafe bestimmt der Urteilsspruch weiterhin auf das Leben von Manuelito. Mittlerweile traut er sich nicht mehr die Kokosnusspalmen zu ernten – aus Angst vor einer erneuten Verhaftung. Stattdessen beobachtete er mehrmals, wie Buenavista in Begleitung von bewaffneten Sicherheitskräften auf seinem Homelot umherliefen und Kokosnüsse ernteten. Dabei kam es auch immer wieder zu Bedrohungen von Seiten der Security Guards gegenüber den FarmerInnen. Da Manuelito Angst hat, dass seine noch andauernde Bewährungsstrafe gegen ihn verwendet werden könnte, traut er sich nicht, die Vorkommnisse bei der Polizei zu melden. Auch wenn sich die Situation auf der Hacienda mittlerweile wieder beruhigt hat, bleibt bei Manuelito das Gefühl der Machtlosigkeit.

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