Monatsarchiv: Februar 2012

Landesweiter Protestmarsch – die „Letzten zwei Minuten“ laufen aus

Auf Negros Occidental sind TFM-Bauern (Task Force Mapalad – philippinische Bauernvereinigung) am 6. Februar zu einem dreitätigen Protestmarsch aufgebrochen. Unter dem Motto „Die letzten zwei Minuten“ liefen zwei Gruppen von TFM-Bauern los um sich für eine Beschleunigung der CARP-Landreform (Comprehensive Agrarian Reform Program) einzusetzen und die verantwortlichen staatlichen Stellen auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

TFM-Bauern auf ihrem Protestmarsch Richtung Bacolod. Foto by Jimmy Domingo/TFM

José Rodito Angeles, ehemaliger TFM-Sprecher und Bauernführer der Hacienda Grande, betonte die Dringlichkeit dieses Anliegens und sagte, das Jahr 2012 biete die letzte Möglichkeit für die Implementierung des CARPs, da im nächsten Jahr auf Negros lokale Wahlen stattfinden. In der Regel heißt dies, dass bereits bestehende Anträge dadurch hinausgezögert werden oder die neu gewählten Politiker nicht durch eine ´Politik der Ellenbogenmentalität´ anecken möchten. Interessen der wohlhabenden Elite haben dadurch Priorität, ihre Interessen gilt es durchzusetzen. Zudem sei die Regierung, so Angeles, nicht wirklich an einer erfolgreichen Umsetzung der Landreform interessiert: “Our Lakbayan1 is not just for our land and our families. We march for all of the farmers disfranchised by the government when they lost interest in pursuing agrarian reform and chose to turn away from the pleading farmers. We call on other farmers to join us in putting a stop to the deafening silence of P-Noy (Spitzname des Präsidenten) and the disheartening low accomplishment of DAR. If we would not act now, we might be too late.” Zu leiden haben die Bauern, die zwar bis 2014 noch die Möglichkeit haben einen Landantrag zu stellen, dies jedoch auf Grund des langwierigen Prozesses der Antragstellung zeitlich kaum noch zu schaffen ist. Das für die Landumverteilung zuständige Department of Agrarian Reform (DAR) in Bacolod verfehlte ihr für die Jahre 2010 und 2011 eigens gesetzte Ziel; weniger als die Hälfte der im letzten Jahr zu verteilenden Fläche beispielsweise wurde den Bauern zugesprochen. Eine ebenso traurige Bilanz wird erkennbar, blickt man zurückschauend auf den gesamten Zeitraum der Landreform: Das DAR in Bacolod verteilte lediglich fünf Prozent der zu verteilenden Fläche, nämlich 1.151 Hektar von 23.323 Hektar.

Diese Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit war den Bauern auf dem Protestmarsch deutlich anzumerken. Unterstützung erhielten die Bauern von kirchlicher Seite. Sie segneten und beteten nicht nur für die Bauern am Ende ihrer Messe, Priester boten den protestierenden Bauern auch ihre Kirchen zur nächtlichen Unterkunft an.

Protestaktion in Bacolod Februar 2012 Photo by Jimmy Domingo/TFM

Protestaktion in Bacolod; Februar 2012. Foto by Jimmy Domingo/TFM

Protestaktion in Bacolod Februar 2012 Photo by Jimmy Domingo/TFM Ausgangspunkt waren zum einen die Stadt Cadiz, im Norden von Negros und La Castellana, im Landesinneren der Insel. Innerhalb von drei Tagen sollte eine 65 km lange Strecke zurückgelegt werden, um am 9. Februar gemeinsam vor dem Department of Agrarian Reform in Bacolod zu demonstrieren. “We will no longer wait for the president to act; we will move him to action. We have waited all our lives,” sagte TFM-Negros Präsident Alberto Jayme. Symbolisch wurde dem Präsidenten und dem zuständigen Agrarreformminister Delos Reyes der „Kalabasa Award“ (wörtlich: Kürbispreis) verliehen, ein Preis der besonders schlechte Leistung auszeichnet. Nach einem Gottesdienst des Bischofs von Bacolod Navarra, der für den weiterführenden Protestmarsch der Bauern betete und ihnen einen Brief für den Präsidenten übergab, bestieg eine Delegation der Bauern am 09. Februar die Fähre Richtung Manila. Dort trafen weitere Protestgruppen aus Batangas und dem nördlichen Teil von Mindanao ein um vor dem DAR National gemeinsam ein Protestcamp aufzuschlagen. Überschattet wurde die Aktion von der Verhaftung friedlich demonstrierender Bauern, die am 14. Februar von Sicherheitskräften des Regierungssitzes abtransportiert wurden. Sie sollen das Protestverbot für Malacañang, dem Wohnsitz und des Büros des philippinischen Präsidenten, missachtet haben. Zwar wurden die 29 Bauern nach wenigen Stunden wieder entlassen, aber ein fader Beigeschmack des Nichtwillkommenseins bleibt. Das Versprechen des Präsidenten, sich für eine erfolgreiche Landreform einzusetzen, ist in den knapp zwei Jahren seiner Amtszeit nicht eingehalten worden. Im Gegenteil: Die Bauern bezeichnen Präsident Aquino als den Präsidenten, unter dem die Landreform am schlechtesten umgesetzt wurde./dka/

1Lakbayan: Setzt sich zusammen aus „Lakbay“ (=Reise) und „Bayan“ (=Nation).

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