Monatsarchiv: Dezember 2011

Vegetarismus auf den Philippinen

– ein Ding der Unmöglichkeit?

Man sollte ja davon ausgehen, dass in einem Land, dessen Großteil der Bevölkerung sich doch eher mit niedrigen Lebensstandards begnügen muss, der Genuss von tierischen Produkten aus Kostengründen eher selten praktiziert wird. Aber falsch gedacht!

Ganz im Gegenteil ist es so, dass man teils große Probleme damit hat, zu erklären dass man wirklich kein Tier isst.

Auch nicht Hühnchen? Ist ja kein richtiges Fleisch!

Ja ach so…wirklich keine Tiere? Dann geht doch wenigstens Fisch. Ist ja schließlich nur Fisch!

Diese Aberkennung des Lebewesenstatus des Fischs hat mich schon des Öfteren an den Lehren meiner frühen Kindheit zweifeln lassen. Oder ist das hier auf den Philippinen wirklich anders? Hier gehört der Fisch gefühlsmäßig so unverzichtbar zu jeder Mahlzeit wie der Reis. Und am Besten noch überall Fleisch rein mischen. Wenn auch in kleinen Mengen, aber fehlen darf es nicht. Es gibt hier selten ein ganzes Steak, alles wird einfach klein gehäckselt und untergerührt. Und zwar unter alles. So musste ich mich manchmal schon freuen, auswärts zumindest fleischfreien Reis mit Sojasoße essen zu können, wenn alle anderen Speisen „kontaminiert“ waren. Aber ob der nicht doch in Fleischbrühe gekocht wurde, kann man nie mit Sicherheit sagen.

Auf Nachfrage wurde mir schon in diversen Restaurants versichert, ein gewisses Gericht sei vegetarisch. Dass da dann doch Schinken drin ist, zählt ja eigentlich nicht, danach hab ich ja nicht speziell gefragt. Woher soll denn der liebe Kellner wissen, dass ich das auch nicht möchte??

Das die Peperoni auf der Pizza in Form von Peperonisalami vorliegt war natürlich auch dem Koch nicht klar. Sieht Peperoni denn nicht so groß und rund aus?

Die interessanteste Erfahrung die ich bis jetzt gemacht habe, war aber definitiv ein Besuch bei einer vegetarischen Eatery in Bacolod, die mir von philippinischen Freunden empfohlen wurde. Als ich vor der Theke stand, dachte ich zunächst, am falschen Ort zu sein. Das ist doch Fleisch?! Aber nein, alle Gerichte sind auf Sojabasis. Keine tierischen Produkte. Sieht nur so aus. Und das ist auch nocauch wenn es absolut nicht so aussieht ist das alles aus Sojah Absicht. Sogar „vegetarian Barbecuesauce“ gibt es. Na dann, auf geht’s. Einmal alles probieren.

Es war wohl wirklich kein Fleisch, aber so richtig lecker war es auch nicht… Statt einfach Gemüse als Ersatz zu verwenden, war ich gezwungen, hauptsächlich Soja zu mir zu nehmen, das durch die Fleischoptik ein absurdes Gefühl beim Essen ausgelöst hat.

Der Sinn dieses seltsamen Angebotes liegt darin, es den Filipinos, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch verzichten sollen, leichter zu machen vom Fleisch „weg zu kommen“. Dann sieht das Essen immerhin noch so aus wie vorher, auch wenn es geschmacklich ganz anders ist. Aber das Auge isst ja bekanntlich mit. Und was soll man denn mit dem ganzen frischen Gemüse anfangen? Das kann man doch nicht einfach so kochen…

Glücklicherweise leben wir hier im IPON-Büro alle weitgehend vegetarisch, so dass es zumindest daheim kein Problem ist, einfach das zu essen, was es gerade gibt.

Unterwegs werde ich wohl weiterhin die Fragezeichen in den Augen meiner Mitmenschen betrachten und über das bisschen Fleisch, das sich irgendwie in mein vegetarisches Menü gemogelt hat, hinweg sehen. /lp/

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein