“Weiß sein” auf den Philippinen, Teil 1

„To make your skin white, make your skin tight, and your skin bright.“

Ich habe mich entschieden etwas über das „Weiß sein“ auf den Philippinen zu schreiben. Eigentlich sollte es nur ein Blogeintrag werden, aber bei der Recherche merkte ich, wie komplex und kontrovers das Thema doch ist und auch wie wichtig. Denn in Europa scheinen die meisten Menschen nichts über die vorherrschenden Schönheitsideale in Asien und Afrika zu wissen. Das Thema ist es also wert ihm etwas mehr Zeit widmen.  Daher nun in loser Folge 3 Beiträge zu asiatischen Schönheitsidealen, westlichem Medieneinfluss und meinen eigenen Erfahrungen, die ich zurzeit auf den Philippinen sammle.

Das Schönheitsideal asiatischer Frauen und mittlerweile auch immer mehr Männer ist vor allem durch den Wunsch nach weißer Haut geprägt. Weiße reine, straffe Haut. Es stellt sich die Frage, wie das kommt? Aber auch, woher das kommt? Und ganz besonders, wer trägt Verantwortung für diese perfid absurde gesellschaftliche Entwicklung? Ein Antwortversuch.

Verschiedene Studien haben sich mit dem Konsum von Pflegeprodukten in Asien beschäftigt. Sie fanden heraus, dass 4 von 10 Frauen auf den Philippinen, in Malaysia, Hong Kong und Südkorea Whitening Produkte benutzen. Das ist fast die Hälfte der gesamten weiblichen Bevölkerung in diesen Ländern! Mehr als 71% aller Gesichtspflegeprodukte auf den Philippinen sind Whitening Produkte. Der Gebrauch von Whitening Produkten ist hier im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern am höchsten.

Pflegeprodukt Pond’s vom philippinischem Marktführer Unilever

Doch in ganz Asien erfreuen sich Whitening Produkte großer Beliebtheit. Allein der Südostasiatische Markt beträgt 18 Milliarden Dollar. Länder wie Japan, China und Korea sind hier noch nicht mit eingerechnet. Jährliche Wachstumsraten von 12-15 % sind die Regel. Das erste Whitening Produkt wurde übrigens von Unilever, in Form der Marke Pond’s bereits 1978 auf den Markt gebracht. Pond’s ist mit der Produktserie “White Beauty“ Marktführer auf den Philippinen.

Es gibt zweierlei Wege weißere Haut zu bekommen. Der eine führt über verschiedene Kosmetikprodukte; die  in jedem Supermarkt erhältlich sind. Spezielle Cremes, Hautreinigungsmilch oder Seren, die man auf die Haut aufträgt.

Der andere Weg führt über den Dermatologen. Cremes, Tabletten(Transamine) oder Injektionen in die Gesichtshaut werden für 300 bis 500 Dollar pro Sitzung verabreicht. Natürlich kann sich nur ein winziger Teil der Philippinischen Frauen und Männer diese Behandlungen leisten. So kommt es dazu, dass auf dem illegalen Markt immer mehr Whitening Produkte verkauft werden, die die gleichen Erfolge, wie beim Dermatologen versprechen, aber tatsächlich voller giftiger Chemie stecken. Frauen haben nach Gebrauch dieser Produkte mit Verätzungen, Akne oder Pigmentstörungen zu kämpfen, die sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Auch deutsche Firmen sind auf dem Markt von Whitening Produkten vertreten. Beiersdorf z.B. versuchte mit Nivea 1996 das erste Mal auf dem philippinischen Pflegeprodukte Markt Fuß zu fassen. Zunächst mit dem herkömmlichen Segment aus Europa. Doch der Erfolg blieb aus, denn in der Pflegeserie gab es keine Whitening Produkte.  Also wurde noch im selben Jahr eine Whitening Linie auf den Markt gebracht. Mit großem Erfolg. Der Umsatz stieg um 45%. Wer sich einen Eindruck von Niveas grandioser Werbestrategie für Asien machen möchte, dem sei mit diesem unterhaltsamen Werbefilmchen geholfen. Man beachte die Tatsache, dass dieser Werbefilm ausschließlich für den Asiatischen Markt produziert wurde. Deswegen jetzt die Rätselaufgabe für den lustigen Zeitvertreib für zwischendurch: Suchen sie den Asiaten im Werbefilm….

Generell werden aber  Frauen viel häufiger mit Produkten dieser Art beworben. Wie zum Beispiel hier. Welche Frau möchte nicht besonders weiß unter den Achseln sein?

Nun kann man fragen, woher denn dieses Schönheitsideal kommt? Und die erste Antwort des kritischen Beobachters, also auch meine erste Antwort war, den Westen und das westliche Schönheitsideal dafür verantwortlich zu machen. Meiner Meinung nach, am allerliebsten die amerikanische Unterhaltungsindustrie, die mit ihren perfide unrealistischen Schönheitsidealen die ganze Welt imperialistisch terrorisiert.

Das ist allerdings etwas zu einfach gedacht. Das Schönheitsideal weißer Haut ist auch in der asiatischen Kultur verwurzelt.

In Japan wurde in traditionelle Erzählungen bereits im 11. Jahrhundert weiße Haut als das erstrebenswerte Schönheitsmerkmal für die Frau beschrieben. In China wurde dunkle Haut während des späten Kaiserreichs und auch nach seinem Ende 1912 mit Armut gleichgesetzt. Denn Menschen mit dunklerer Haut waren meist arme Bauern, die durch ihre Arbeit auf dem Feld zwangsläufig dunklere Haut hatten (diese Auffassung war auch in Europa, etwa vom 19-20 Jahrhundert stark verbreitet). In Thailand zeigen sich ähnliche Ausfassungen, die Schimpfwörter „tua dam“ übersetzt „schwarzer Körper“, „e dam“, „schwarzes Mädchen“ oder „dam tap pet“ „schwarz wie Entenleber“ zeigen dies sehr deutlich. Sie werden benutzt um Menschen niedriger sozialer Stellung zu bezeichnen, immer in Verbindung mit dunkler Hautfarbe.

Billboard am Highway in Manila mit dem Model Natalia Vodianova

Trotzdem ist der Einfluss westlicher Schönheitsideale natürlich nicht zu unterschätzen. Sie fanden in manchen, nicht in allen, asiatischen Ländern,  den perfekten Nährboden für ihre Ausbreitung und gesellschaftliche Etablierung. Importierte Filme, Werbung und Fernsehserien propagieren ein Schönheitsideal, das für die durchschnittliche asiatische Frau zwar unerreichbar ist, dem aber trotzdem mehr und mehr Frauen nacheifern. Groß sein, dünn sein und vor allem weiß sein ist das Motto!

Aber auch der Faktor wirtschaftlicher Entwicklung spielt hier eine entscheidende Rolle. Der steigende Lebensstandard, eine wachsende Mittelschicht in Ländern wie China, Japan, Korea oder auch den Philippinen ermöglicht es den Menschen mehr und mehr einen vermeintlich westlichen Lebensstil zu verfolgen. Und dazu gehört eben das Skin Whitening genauso, wie überteuerten Kaffee bei Starbucks zu kaufen, Louis Vuitton Täschchen am Arm spazieren zu führen und ein Sprit fressendes Monsterauto namens SUV zu fahren. /nj/

Advertisements

4 Kommentare

Eingeordnet unter Aktuelles, Alltagsleben, Medien

4 Antworten zu ““Weiß sein” auf den Philippinen, Teil 1

  1. Max

    Gelungen, gelungen.
    Bin gespannt wie es weitergeht. Ü

  2. steffen

    haha. super gut gelungen. eins hast du noch vergessen: viel tragen auch einfach weißen puder auf und sehen dann aus, als hätten sie kalk im gesicht.

  3. Nele

    Super Bericht! wäre es vlt möglich die Quellen zu erfahren, die für diesen Bericht benutzt wurden? Ich schreibe nämlich momentan über dieses Thema etwas für die Uni. Wäre super nett! Lg, Nele

    • Hi Nele!
      Ich habe deinen Kommentar nochmal an die Autorin weitergeleitet mit der Bitte, sich bei dir zu melden. Dazu wird sie hoffentlich die nächsten Tage Zeit finden…
      Gruß, IPON Negros

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s