Bacolod, Kopfgeld und Karaoke

Mandatskonferenz 2011 - TFM und IPON.

Nach einer Woche Aufenthalt in der furchtbar unentspannten Stadt Manila hob am Freitag, dem 21.01., der Flieger ab um uns nach Bacolod City, auf die Zuckerrohrinsel Negros zu bringen. Während des Fluges bot sich ein schöner Ausblick auf einige der 7.107 Inseln der Philippinen. Nach einer kurzen Fahrt, auf der uns die gesellschaftliche Ungleichheit durch „Gated Communities“ auf der einen Seite und Wellblechhütten auf der anderen Seite bewusst wurde,  erreichten wir unser Domizil für die nächsten Monate: ein ruhig gelegenes Haus in Villamonte, einem Stadteil von Bacolod City.

Die Mandatskonferenz: Kopfgeld und Karaoke.

Nachdem wir das Wochenende nutzten, uns an unsere neue Umgebung zu gewöhnen, war am Montag unser erster großer Tag auf der IPON’schen Bühne: Die Mandatskonferenz, auf der das Mandat von IPON mit seiner Partnerorganisation TFM (Task Force Mapalad) um ein weiteres Jahr verlängert wird.

Die erste Lehre: Geduld ist eine Tugend, die wir erst noch beherrschen lernen müssen.

Mit ein, zwei Stunden Verspätung begann die Konferenz, idyllisch unter dem Dach einer Bambushütte. Nach einführenden Worten über TFM, kam es zu der Vorstellungsrunde der einzelnen Farmer, TFM-AktivistInnen und Farmerleadern. Noch etwas schüchtern mit leiser Stimme teilten uns die Farmer und Farmerinnen ihren Namen, ihre Hacienda und den Status ihres Landes mit. Viele sind bereits in Besitz eines Landtitels (CLOA, Comprehensive Landownership Award), die Landübergabe wurde offiziell schon mehrfach vollzogen, doch die Sicherheitskräfte der Großgrundbesitzer sorgen dafür, dass die Farmer ihr Land nicht betreten können. Viele der Bauern und TFM Aktivisten sind regelmäßigen Drohungen durch Großgrundbesitzer und ihr Sicherheitspersonal ausgesetzt. So teilten uns zwei Anwesende mit, dass auf sie ein Kopfgeld von  50.000 Peso (ca. 820 €) bzw. 120.000 Peso (2000 €) ausgesetzt worden war. Solche Schilderungen schockieren und es ist schwer in angemessener Art und Weise darauf zu reagieren.

Danach war es an uns Vertretern von IPON, die Arbeit des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen. Nina und Martin, als neue Teammitglieder, trugen drei neue Schwerpunkte für die zukünftige Arbeit IPONs vor. Ein Fokus wird darin bestehen, ein Netzwerk mit den hiesigen Bischöfen auf Negros zu etablieren. Diese sind wichtige Akteure auf Seiten der Bauern, da sie in Form der katholischen Bischofskonferenz (CBCP) Appelle an staatliche Akteure verfassen, die Landreform schneller voranzubringen. So sendeten Vertreter der CBCP im Oktober 2010 an den Minister der Agrarreformministerium Gil de los Reyes die Aufforderung, die installation von 31 Agrarian Reform Beneficiaries (ARBs: Begünstigte der Agrarreform) auf Ländereien der Teves Familie (eine der mächtigsten Familien der Philippinen) voranzutreiben. Ihr Gewicht auf den vom Katholizismus geprägten Philippinen ist für deutsche Verhältnisse unvorstellbar und teilweise befremdlich.
Zudem soll, als zweiter Fokus, die Pressearbeit für IPON in Deutschland sein. Die Arbeit von IPON bzw. der Landkonflikt im Zuge der Agrarreform auf den Philippinen, soll stärkere Beachtung in der deutschen Presselandschaft finden.
Der dritte Fokus  zielt auf die Verbesserung der Kommunikationskanäle zwischen IPON und den Community Organizern (COs) ab. Die COs sind nicht nur TFM-Vertreter auf lokaler Ebene, die engen Kontakt zu den Farmern pflegen, sondern sie sind auch die erste Kontaktstelle für IPON.

Damit die Ereignisse auf der lokalen Ebene genauer dokumentiert und regelmäßiger kommuniziert werden, entwarfen wir einen standardisierten Fragebogen, der die Sicherheitssituation auf den Haciendas evaluiert. Sie sollen monatlich von den Community Organizern ausgefüllt werden und IPON so regelmäßiger auch über kleine Ereignisse, die gerne untergehen, informieren.

Nach Worten der Dankbarkeit für die Arbeit von IPON und nach dem Unterschreiben des zukunftsweisenden Mandatsvertrages zwischen IPON und TFM, hatten wir im Zuge einer Videoke-Party – und nicht zuletzt dank der fleißigen Arbeit der Übersetzerin –  die Möglichkeit, mit einigen Farmern zu sprechen. „Welcome to TFM“ schmetterte es uns entgegen: Diese herzliche Begrüßung erwiderten wir mit der Hoffnung, einen sinnhaften Beitrag zur Verbesserung der Lage der Menschenrechtsverteidiger von TFM leisten zu können.

/mb/ & /nj/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Alltagsleben, TFM

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