Manila – Zwischen Abgasen und Terminhatz

Zwischen Frankfurt am Main und Manila liegen 10017.95 km Flugstrecke,  ein Zwischenstop bei McDonalds in Bahrain, zwei verspannte Nacken und am Tag unserer Ankunft 40 Grad Temperaturunterschied.

Manila empfängt uns mit Wucht. Es ist laut, heiß und stickig. Die riesigen Backpacker Rucksäcke, sowie die neugierigen Blicke der Filipinos kleben uns schon bei der Ankunft am Rücken. Zu den Blicken der Filipinos sei gesagt, dass sie uns immer noch auf Schritt und Tritt verfolgen, egal wo wir in diesem Land stehen und gehen.

Die erste Woche unseres sechsmonatigen Aufenthaltes verbringen wir also in Manila. Arne und Eline haben gute Arbeit geleistet und die Woche voller Termine gepackt. Es geht zur Deutschen Botschaft, zum Department of Agrarian Reform (DAR), zur Commission of Human Rights (CHR), zu unserer Partnerorganisation TFM (Task Force Mapalad), zur Anwaltorganisation IDEALS und zum Networking zu einigen anderen NGOs, die ihren Sitz in Manila haben.

Philippinische Grössenverhältnisse

Überraschend zum Schluss kommt noch ein Termin – oder sollten wir eher Audienz sagen – bei Henry Teves persönlich dazu.Zu ihm und seiner Rolle für IPON später mehr.

Manila ist zwar die Hauptstadt der Philippinen, hat dafür aber überraschend wenig Touristisches oder Schönes zu bieten. Der Verkehr und der Smog dominieren die Stadt, sodass wir schon nach etwa zwei Tagen einen Ortswechsel herbeisehnen.

Aber…wir sind ja auch nicht zum Spaß hier und überhaupt, Urlaub kann man auch woanders machen…trösten wir uns heimlich.

Die Termine bei den staatlichen Stellen sind besonders für Martin und mich spannend. In den offiziellen IPON T-Shirts sitzen wir das erste Mal beim CHR. Das Büro ist schlicht, es gibt keine Computer. Comissioner Noberto dela Cruz und zwei CHR-Anwältinnen empfangen uns.

Es wäre übertrieben zu sagen, Martin und ich wüssten genau, worum es bei diesem Gespräch und auch den an den folgenden Tagen ginge. Die Fakten zu den einzelnen Fällen, die IPON betreut, sind komplex und der Informationsaustausch zügig.

Alle CHR Anwesenden wirken motiviert und möchten helfen. Es wird allerdings sofort klar, dass es dieser wichtigen staatlichen Institution dramatisch an finanziellen Mitteln fehlt. Um das zu erkennen, muss man kein Experte sein.

Ähnlich sieht es beim DAR aus. Auch hier hat man, angesichts der schier unlösbaren Aufgabe der Umsetzung der Landreform auf den Philippinen, mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen.

Undersecretary Nieto zeigt sich engagiert und verspricht die Finanzierung von Police Outposts für zwei von IPON betreuten Haciendas und  eine zügige Aufnahme von Gesprächen mit den Farmern voranzutreiben. Was davon allerdings  tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Das neue IPON Team mit einigen Vertreterinnen von TFM

Arne und Eline dämpfen zumindest unseren Enthusiasmus, den staatlichen Stellen alle Versprechen abzunehmen, die sie IPON gegenüber tätigen.

Eine Überraschung erwartet uns am Mittwoch, an dem wir überraschend einen Termin bei Henry Teves persönlich bekommen. Er ist Teil der Teves Familie, der die Teves Ländereien im Süden von Negros gehören. Hier tobt schon seit langem ein Landkonflikt, indem es unteranderem zu Morden an Bauern kam. Zudem ist Henry Teves Vorsitzender des Committee on Agrarian Reform, was angesichts der Tatsache, dass er die Landreform mit allen Mitteln verhindern möchte, zynisch erscheint.

Der Termin selber verlief für Arne und Eline dann relativ unspektakulär. Henry hielt sich bedeckt und versuchte wohl hauptsächlich herauszufinden, wer diese IPON Leute sind, die ihm das Leben schwer machen. Wie zu erwarten gab es weder Zugeständnisse, Eingeständnisse, noch Verständnis für die Situation der Farmer.

Was nehmen wir, die Neuen also mit, von dieser Woche Manila? Zunächst einmal die Erfahrung, dass Manila keine Stadt zum Verweilen ist. Dann, dass die Arbeit mit staatlichen Stellen auf den Philippinen  Geduld und Hartnäckigkeit erfordert. Und zuletzt, dass eine gesunde Portion Optimismus und Idealismus, gepaart mit einer noch gesünderen Portion Realismus und Skepsis, wohl der Beste Weg ist, seiner Arbeit hier auf den Philippinen gerecht zu werden. Wie wir diese Mischung in die Praxis umsetzen, ist allerdings eine andere Frage… /nj/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Teves

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