Monatsarchiv: Dezember 2010

Ein zahnloser Tiger im Kampf gegen Blutdiamanten

14.

14 Jahre Bürgerkrieg in Liberia, elf Jahre Bürgerkrieg in Sierra Leone, eine faktische Diktatur und Gewalt in Simbabwe – das sind nur drei dunkle Flecken in der Geschichte Afrikas, die jedoch eines gemeinsam haben: Diamanten.

In Sierra Leone kämpfte die Revolutionary United Front (RUF) von 1991 bis 2002 gegen die Regierung. Nach eigenen Aussagen ging es nur um Gerechtigkeit und Demokratie. Offensichtlich war die Kontrolle über die Diamantenminen im Osten des Landes jedoch der eigentliche Grund für den Krieg. In Liberia standen sich verschiedene Ethnien gegeneinander, ebenso wie Warlords, die die Macht über die zahlreichen Rohstoffe des Landes haben wollten. Einer dieser Warlords war Charles Taylor, späterer Präsident von Liberia. Taylor unterstützte die RUF im Nachbarland Sierra Leone und half kräftig beim Diamantenschmuggel mit. Derzeit steht Taylor wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Beide Kriege zeichneten sich durch unbeschreibliche Gewalt an der Zivilbevölkerung aus. Finanziert und verlängert wurde das ganze hauptsächlich durch sogenannte „Blutdiamanten“. Doch selbst der im Jahr 2003 in Kraft getretene „Kimberley Prozess“ zur Zertifizierung von Diamanten hat das Problem nicht gelöst. Durch den Kimberley Prozess soll verhindert werden, dass Blutdiamanten in den Handel kommen. Die Schwäche oder vielleicht sogar der Unwille der beteiligten Staaten etwas gegen das weiterhin bestehende Problem der Blutdiamanten zu unternehmen, wird derzeit – fernab der Weltöffentlichkeit – in Simbabwe deutlich.

Im Osten Simbabwes befinden sich die 66.000 Hektar großen Diamantenfelder von Marange. Niemand weiß, wie groß das Diamantenvorkommen dort ist, aber Vermutungen gehen dahin, dass es eines der reichsten Diamantenvorkommen der Welt sein könnte. Und das weckt Begehrlichkeiten. Seit mehr als drei Jahren werden in Marange die Menschenrechte mit Füßen getreten. Vor allem staatliche Sicherheitsfirmen waren zunächst beteiligt. Es gab hunderte Tote, Vergewaltigungen, illegale Festnahmen und Sklaverei. Wer nicht für die Polizei arbeitete, wurde kurzerhand umgebracht. Als das Militär die Kontrolle von der Polizei übernahm, begann der Diamantenschmuggel in die Nachbarländer Mosambik und Südafrika, ohne dass die Menschenrechtsverletzungen aufhörten.

Derzeit haben zwei Joint-Venture-Unternehmen Abbaurechte für die Diamantenfeldern von Marange. Beide Firmen sind jedoch nur auf etwa 3% der Gesamtfläche aktiv. 97% bleibt unter Kontrolle des Militärs. Und so gehen die Menschenrechtsverletzungen und der Diamantenschmuggel im Namen des Staates munter weiter. Die Mitgliedsstaaten des Kimberley Prozesses hätten die Möglichkeit, Simbabwe aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen, doch hier scheint wieder mal ein zahnloser Tiger geschaffen worden zu sein. Oder besser gesagt ein Tiger, dessen Zähne Staaten sind, die sich zum Teil selbst nicht durch die Einhaltung von Menschenrechten auszeichnen. Ein Ausschluss Simbabwes ist sehr unwahrscheinlich.

Die Menschen in Simbabwe leiden unterdessen weiter – immer noch fernab der Durchschnittsberichterstattung. /mf/

Quelle: Return of the Blood Diamond, Bericht von global witness

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Aung San Suu Kyi und die Demokratiebewegung Burmas

Aung San Suu Kyi, 1995. Quelle: US Dep. of State

13.

Myanmars* bekannteste Oppositionspolitikerin wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich, fast ein bisschen schüchtern; typisch asiatisch zurückhaltend. Und doch genießt Aung San Suu Kyi internationales Ansehen als eine der mutigsten und konsequentesten – gewaltlosen – Freiheitskämpferinnen der Welt. Auf den Tag genau vor einem Monat, am 13. November 2010, wurde sie aus einem lang anhaltenden Hausarrest entlassen, der 15 der vergangenen 21 Jahre in Beschlag nahm. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Rückblick auf ein konfliktreiches Jahr auf Hacienda Agueda

12.

Der 3. Advent bringt uns nach Streifzügen durch die ganze Welt zurück zu IPONs Arbeit auf den Philippinen. Heute soll ein kleiner Rückblick auf Hacienda Agueda gegeben werden, eines unserer „Problemkinder“.

Der Fall Agueda begleitet IPON, seit die Arbeit auf Negros aufgenommen wurde. Die rechtliche Lage dort ist klar. Die Bauern unserer Partnerorganisation TFM (Task Force Mapalad) haben ihre Landtitel und das Land wurde ihnen auch schon offiziell übergeben. Doch die ehemalige Landbesitzerin ist schon alt und hängt wohl emotional an diesem Land. Sie versucht durch zahlreiche Gerichtsverfahren das Land doch noch für sich behalten zu können oder zumindest es an ihre loyal gesinnten Bauern zu verteilen. Sobald TFM-Bauern ein Stück Land bewirtschaften, das ihnen gehört, werden sie nach kurzer Zeit von loyalen Bauern und Sicherheitsleuten der ehemaligen Landbesitzerin wieder vertrieben.

Im letzten Jahr war IPON häufiger auf Hacienda Agueda zu Besuch. Zunächst, um Informationen für einen Bericht zu sammeln. Wir waren auf dem Land, um persönlich zu sehen worum sich dieser Konflikt im Schatten des mächtigen Mount Kanla-on dreht. Wir sahen Felder, von denen die Bauern schon bald vertrieben werden sollten. Wir hatten Begegnungen mit Sicherheitsleuten, Telefongespräche mit der ehemaligen Landbesitzerin und selbst ihrem in New York wohnenden Sohn. Wir verfolgten den Kampf vor Gericht.

Nach einem final survey des Agrarreformministeriums im September hofften wir, dass damit der Konflikt endlich beigelegt sei. Doch im November waren wir wieder auf Hacienda Agueda, diesmal für fünf Tage. Die TFM-Bauern hatten nach der Ernte ein ihnen gehörendes Feld in Besitz genommen dort ein Zelt aufgestellt. IPON-Observer beobachteten die Lage, die zwar generell konfliktreich aber nicht gewaltsam zu sein schien. Doch auch dieser Schein kann trügen. Offensichtlich kam es vor etwas mehr als einer Woche zu einem Mord, das Fass der beidseitigen Provokationen ist wohl übergelaufen. Ein Ende dieses Konflikts ist noch lange nicht in Sicht. /mf/

2 Kommentare

Eingeordnet unter Hacienda Agueda

China: Ein Menschenrechtler im Porträt – Liu Xiaobo

11.

Der chinesische Schriftsteller und Dissident Liu Xiaobo ist der diesjährige Friedensnobelpreisträger.  Gestern bekam er in Oslo den Preis „für seinen langen Kampf für die Menschenrechte“ verliehen. Leider blieb sein Stuhl bei der Zeremonie leer, da er seit über einen Jahr im Gefängnis sitzt. Er wurde am 25.Dezember 2009 zu 11 Jahren Haft verurteilt. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Der internationale Tag der Menschenrechte

10.

Heute ist der internationale Tag der Menschenrechte. Es wird der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedacht, die am 10.Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Dieses Jahr steht der Tag der Menschenrechte unter dem Motto: „Speak Up, Stop Discrimination“. Damit soll an die Arbeit von Menschenrechtsverteidigern, die sich für weltweit für eine Ende von Diskriminierung einsetzen, erinnert werden. Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein