Monatsarchiv: Dezember 2010

Die schokoladigste Versuchung…

17.

Kakaobohnen. Bild: David Monniaux.

Kakao. Grundlage so vieler unserer Lieblings-Lebensmittel. Schon seit dreitausend Jahren wissen die indigenen Völker Lateinamerikas die leckere Bohne, verarbeitet zu gegorenem Getränken und später zu feuriger Trinkschokolade oder reichhaltigen Kakao-Saucen, zu schätzen. Auch wir wissen schon seit unserer Kindheit: Schokolade macht glücklich! Dass das wirklich stimmt, belegen sogar wissenschaftliche Studien: Kakao enthält Theobromin, das, ähnlich dem Koffein, eine leicht aufweckende und stimmungssteigernde Wirkung hat. Aber geben wir es doch zu: vor allem schmeckt Schokolade nun einmal! Und so konsumiert jeder Deutsche im Schnitt 11,4 Kilogramm Schokolade im Jahr.

Doch gibt es eine Schattenseite. Der Kakaohandel boomt, und damit alle Folgen marktwirtschaftlicher Prozesse auf dem Weltmarkt. Da die heißbegehrte Bohne nun einmal ausschließlich in tropischen – und meist ärmeren – Ländern reifen kann, werden die Preise weltweit seit Jahrzehnten gedrückt, um die Gewinnspannen so hoch möglich zu halten. Kognitiv weiß das natürlich jeder. Wer will schon eine leckere Tafel Schokolade konsumieren, die letztendlich durch unterbezahlte Kinderarbeit hergestellt wurde? Doch sind wir Menschen nun einmal Superstars im Ausblenden – und sie schmeckt doch soooo gut! Vielleicht kommt ja daher die vielzitierte (und unwahre) Legende, Schokolade würde manchmal Blut als Verdickungsmittel beigemischt? Weiterlesen

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Syrien: Deutscher Jurist inhaftiert – Ausgang ungewiss

16.

Der Kieler Jurist und Menschenrechtsaktivist Ismail Abdi wollte noch einmal seine todkranke Mutter besuchen. Diese Reise endete am 23.August 2010 in einem syrischen Gefängnis. Die Geheimpolizei hat ihn am Flughafen in Aleppo kurz vor seiner Ausreise vor den Augen seiner entsetzten Frau und seinen vier Kindern verhaften lassen. Weiterlesen

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Moderne Söldner: Was private Milizen so gefährlich macht

15.

Planänderung. Den für den 22. Dezember geplanten Artikel gibt es krankheitsbedingt schon heute… Ich bin guter Hoffnung, dass ihn das nicht weniger interessant oder aktuell macht. /eb/

22. Dezember 2004. Ein Konvoi der privaten amerikanischen Sicherheitsfirma Custer Battles durchfährt ohne anzuhalten einen staatlichen Checkpoint im Irak. Mehrere Schüsse auf die irakischen Sicherheitsposten verfehlen  ihr Ziel. Die Polizeibeamten springen in ihr Fahrzeug und fordern per Funk Unterstützung an. Es entsteht eine wilde Verfolgungsjagd, deren Verlauf, wenn er nicht bitterer Ernst in einem Kriegsgebiet wäre, wie direkt aus einem James-Bond-Film anmuten könnte. Verfolgt von Polizei und Milität rasen die Custer-Battles-Jeeps weiter, die bewaffneten Männer im Inneren feuern Kugeln auf die Reifen eines zivilen Fahrzeuges sowie auf die Insassen eines voll besetzten Minibusses ab. Schließlich wird der Konvoi von Fahrzeugen der irakischen Polizei, der Hafenpolizei und der britischen Armee gestellt.

Auch der Ausgang der Szene mutet an wie in einem Film. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Um ärgerliche weitere Untersuchungen oder gar Verhaftungen der gerade noch wild um sich schießenden Söldner zu umgehen, wird das Stillschweigen der anwesenden Iraker mit freimütig verteilten Geldscheinen erkauft. So versinkt der Vorfall gemeinsam mit zahlreichen ähnlichen Berichten in den geheimen Protokollen der US-Armee, die erst dank Wikileaks im Oktober 2010 an die Weltöffentlichkeit gelangen.* Weiterlesen

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Ein zahnloser Tiger im Kampf gegen Blutdiamanten

14.

14 Jahre Bürgerkrieg in Liberia, elf Jahre Bürgerkrieg in Sierra Leone, eine faktische Diktatur und Gewalt in Simbabwe – das sind nur drei dunkle Flecken in der Geschichte Afrikas, die jedoch eines gemeinsam haben: Diamanten.

In Sierra Leone kämpfte die Revolutionary United Front (RUF) von 1991 bis 2002 gegen die Regierung. Nach eigenen Aussagen ging es nur um Gerechtigkeit und Demokratie. Offensichtlich war die Kontrolle über die Diamantenminen im Osten des Landes jedoch der eigentliche Grund für den Krieg. In Liberia standen sich verschiedene Ethnien gegeneinander, ebenso wie Warlords, die die Macht über die zahlreichen Rohstoffe des Landes haben wollten. Einer dieser Warlords war Charles Taylor, späterer Präsident von Liberia. Taylor unterstützte die RUF im Nachbarland Sierra Leone und half kräftig beim Diamantenschmuggel mit. Derzeit steht Taylor wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Beide Kriege zeichneten sich durch unbeschreibliche Gewalt an der Zivilbevölkerung aus. Finanziert und verlängert wurde das ganze hauptsächlich durch sogenannte „Blutdiamanten“. Doch selbst der im Jahr 2003 in Kraft getretene „Kimberley Prozess“ zur Zertifizierung von Diamanten hat das Problem nicht gelöst. Durch den Kimberley Prozess soll verhindert werden, dass Blutdiamanten in den Handel kommen. Die Schwäche oder vielleicht sogar der Unwille der beteiligten Staaten etwas gegen das weiterhin bestehende Problem der Blutdiamanten zu unternehmen, wird derzeit – fernab der Weltöffentlichkeit – in Simbabwe deutlich.

Im Osten Simbabwes befinden sich die 66.000 Hektar großen Diamantenfelder von Marange. Niemand weiß, wie groß das Diamantenvorkommen dort ist, aber Vermutungen gehen dahin, dass es eines der reichsten Diamantenvorkommen der Welt sein könnte. Und das weckt Begehrlichkeiten. Seit mehr als drei Jahren werden in Marange die Menschenrechte mit Füßen getreten. Vor allem staatliche Sicherheitsfirmen waren zunächst beteiligt. Es gab hunderte Tote, Vergewaltigungen, illegale Festnahmen und Sklaverei. Wer nicht für die Polizei arbeitete, wurde kurzerhand umgebracht. Als das Militär die Kontrolle von der Polizei übernahm, begann der Diamantenschmuggel in die Nachbarländer Mosambik und Südafrika, ohne dass die Menschenrechtsverletzungen aufhörten.

Derzeit haben zwei Joint-Venture-Unternehmen Abbaurechte für die Diamantenfeldern von Marange. Beide Firmen sind jedoch nur auf etwa 3% der Gesamtfläche aktiv. 97% bleibt unter Kontrolle des Militärs. Und so gehen die Menschenrechtsverletzungen und der Diamantenschmuggel im Namen des Staates munter weiter. Die Mitgliedsstaaten des Kimberley Prozesses hätten die Möglichkeit, Simbabwe aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen, doch hier scheint wieder mal ein zahnloser Tiger geschaffen worden zu sein. Oder besser gesagt ein Tiger, dessen Zähne Staaten sind, die sich zum Teil selbst nicht durch die Einhaltung von Menschenrechten auszeichnen. Ein Ausschluss Simbabwes ist sehr unwahrscheinlich.

Die Menschen in Simbabwe leiden unterdessen weiter – immer noch fernab der Durchschnittsberichterstattung. /mf/

Quelle: Return of the Blood Diamond, Bericht von global witness

 

 

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Aung San Suu Kyi und die Demokratiebewegung Burmas

Aung San Suu Kyi, 1995. Quelle: US Dep. of State

13.

Myanmars* bekannteste Oppositionspolitikerin wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich, fast ein bisschen schüchtern; typisch asiatisch zurückhaltend. Und doch genießt Aung San Suu Kyi internationales Ansehen als eine der mutigsten und konsequentesten – gewaltlosen – Freiheitskämpferinnen der Welt. Auf den Tag genau vor einem Monat, am 13. November 2010, wurde sie aus einem lang anhaltenden Hausarrest entlassen, der 15 der vergangenen 21 Jahre in Beschlag nahm. Weiterlesen

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Rückblick auf ein konfliktreiches Jahr auf Hacienda Agueda

12.

Der 3. Advent bringt uns nach Streifzügen durch die ganze Welt zurück zu IPONs Arbeit auf den Philippinen. Heute soll ein kleiner Rückblick auf Hacienda Agueda gegeben werden, eines unserer „Problemkinder“.

Der Fall Agueda begleitet IPON, seit die Arbeit auf Negros aufgenommen wurde. Die rechtliche Lage dort ist klar. Die Bauern unserer Partnerorganisation TFM (Task Force Mapalad) haben ihre Landtitel und das Land wurde ihnen auch schon offiziell übergeben. Doch die ehemalige Landbesitzerin ist schon alt und hängt wohl emotional an diesem Land. Sie versucht durch zahlreiche Gerichtsverfahren das Land doch noch für sich behalten zu können oder zumindest es an ihre loyal gesinnten Bauern zu verteilen. Sobald TFM-Bauern ein Stück Land bewirtschaften, das ihnen gehört, werden sie nach kurzer Zeit von loyalen Bauern und Sicherheitsleuten der ehemaligen Landbesitzerin wieder vertrieben.

Im letzten Jahr war IPON häufiger auf Hacienda Agueda zu Besuch. Zunächst, um Informationen für einen Bericht zu sammeln. Wir waren auf dem Land, um persönlich zu sehen worum sich dieser Konflikt im Schatten des mächtigen Mount Kanla-on dreht. Wir sahen Felder, von denen die Bauern schon bald vertrieben werden sollten. Wir hatten Begegnungen mit Sicherheitsleuten, Telefongespräche mit der ehemaligen Landbesitzerin und selbst ihrem in New York wohnenden Sohn. Wir verfolgten den Kampf vor Gericht.

Nach einem final survey des Agrarreformministeriums im September hofften wir, dass damit der Konflikt endlich beigelegt sei. Doch im November waren wir wieder auf Hacienda Agueda, diesmal für fünf Tage. Die TFM-Bauern hatten nach der Ernte ein ihnen gehörendes Feld in Besitz genommen dort ein Zelt aufgestellt. IPON-Observer beobachteten die Lage, die zwar generell konfliktreich aber nicht gewaltsam zu sein schien. Doch auch dieser Schein kann trügen. Offensichtlich kam es vor etwas mehr als einer Woche zu einem Mord, das Fass der beidseitigen Provokationen ist wohl übergelaufen. Ein Ende dieses Konflikts ist noch lange nicht in Sicht. /mf/

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China: Ein Menschenrechtler im Porträt – Liu Xiaobo

11.

Der chinesische Schriftsteller und Dissident Liu Xiaobo ist der diesjährige Friedensnobelpreisträger.  Gestern bekam er in Oslo den Preis „für seinen langen Kampf für die Menschenrechte“ verliehen. Leider blieb sein Stuhl bei der Zeremonie leer, da er seit über einen Jahr im Gefängnis sitzt. Er wurde am 25.Dezember 2009 zu 11 Jahren Haft verurteilt. Weiterlesen

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