Frohes Fest – leider nicht für alle.

Weihnachten in Brasilien, 2007. Bild: Silvio Tanaka.

Heute, am Tag des letzten Schokoladentierchens im Adventskalender und der großen Bescherung, kommen wir auch zum Abschluss des Adventskalenders der Menschenreche. Zunächst: Vielen Dank, liebe Mitleser, und genießt die Feiertage, die Jahreszeit an sich und den Jahreswechsel.

A propos Weihnachten, über allen Nikolausmützen, Familienbesuchen, Geschenkewahnsinn und gemütlichen Beisammensein der Jahreszeit vergessen wir gern, dass Weihnachten weltweit gesehen fast schon ein Randphänomen ist. Zwar werden in Abu Dhabi Millionenschwere Weihnachtsbäume aufgestellt und brummen die Fabriken der ganzen Welt, um Europa und Amerika mit ausreichenden Weihnachtsgeschenken zu versorgen, doch feiern die wenigsten derjenigen, die von der Coca Cola – Romantik so gedankenlos als „Santa’s Helpers“ abgestempelt werden, selbst Weihnachten. Und noch weniger haben sie Grund zum Feiern.

Zwar gibt es immer mehr Firmen, die eine mehr oder weniger ausgebreitete „Corporate Social Responsibility“ (CSR) auf ihren Webseiten vertreten, doch scheint dies in vielen Fällen mehr eine ausgeklügelte Marketingstrategie als ein wirklicher Wille zur Besserung zu sein. Die ZEIT ging dieser Tage einmal dem Weg eines 5-Euro-T-Shirts von H&M nach. Ein sehr spannender Artikel, dessen sechs Seiten sich voll und ganz zu lesen lohnen. Da wird einem sehr schnell klar, warum es so wichtig ist, dass die Weber von Bangladesh derzeit den ihnen versprochenen, ohnehin zu niedrigen Mindestlohn einfordern – und schade, dass es gar Tote gibt und dennoch so rein gar kein internationaler Druck zu spüren ist. Kein Wunder. Geiz ist nunmal geil, auch in der Politik, und erst recht beim Konsumenten. Doch, um es mit den Worten von „Flensburgo“ aus der (gutgefüllten!) Kommentarsektion des oben genannten ZEIT-Artikels zu sagen:

„(…) 6 Seiten, die klar aufgegliedert deutlich machen, dass es nur an uns Konsumenten hängt, dass sich etwas ändert. Wer bereit ist zu akzeptieren, dass Ware immer einen Preis hat (und damit meine ich eben nicht den billigsten), der verbessert die Welt. Es gilt abzurücken von der Vorstellung „Geiz ist geil“ und der Vorstellung von unendlicher Verfügbarkeit. Müssen die Regale immer voll sein? Müssen wir alles, immer haben können und das auch noch billig?
Wenn die Konsumenten anfangen, diese entscheidenden Fragen zu stellen, Geiz nicht mehr geil ist und 7 Euro, statt 4 Euro ein angemessener Preis ist, dann ändert sich auch etwas in den Abläufen der Unternehmen. So viel Macht hat der Konsument. Und dieser Artikel trägt dazu bei, dass der Konsument das vielleicht mal erkennt!“

Selbstmorde erschüttern regelmäßig die Eelektronikfabriken Chinas, die uns unsere Ipads und Iphones für den Gabentisch liefern. Erst Mitte Dezember brannte ein Sweatshop in Bangladesh aus, es gab 22 Tote zu beklagen, die Überlebenden erzählten, wieder einmal, von verschlossenen Notausgängen der Fabrik. Die meisten westlichen Medien berichteten nicht einmal.  Und gestern erzählte mir ein philippinischer Freund, er wolle vielleicht wieder in Singapur arbeiten, in einer Fabrik, in der Chips und Elektronik für Handies hergestellt werden. Es gebe immer freie Stellen in der Chemieabteilung, die zahlen gut, aber es sei eben auch gefährlich. Kein Wunder. Die Fabriken brauchen sich nicht an westliche Sicherheitsstandards zu halten und werden als Zulieferer von nahezu jedem bekannten Elektronikhersteller der Welt genutzt. Und auch in reicheren Ländern wie Singapur ist es eben günstiger, die Arbeiter besser zu bezahlen, als in Umweltschutz oder Schutz vor späteren schweren Krankheiten zu investieren. Mensch und Natur zahlen die Quittung, aber in Millionen deutscher Haushalte liegen neue Handies auf dem Gabentisch.

Ja, klar, ich habe auch ein Handy, einen Laptop, diverses elektronisches Spielzeug. Es geht mir gar nicht darum, Verzicht zu predigen, denn dafür bin ich mit Sicherheit die Falsche. Doch starker politischer Druck an den richtigen Stellen – und bewusstes Einkaufen – können vieles ändern. Es gibt mittlerweile zumindest ein paar Hersteller von Kleidung, Spielzeug und Co die sich ehrlich ethischen und ökologischen Gesichtspunkten verschrieben haben. Eine schnelle Google-Suche macht durchaus fündig.

In diesem Sinne wünsche ich frohe Weihnachten und vielleicht ein bisschen Nachdenklichkeit in der Zeit des nackten Konsumterrors. Schließlich ist uns allen bewusst, dass unser Wohlstand auf der Armut Anderer basiert. Und auf lange Sicht gesehen reicht es nicht, zu Weihnachten brav seine (wichtige!) Spende an Brot für die Welt, FIAN, Ärzte ohne Grenzen und Co zu überweisen, sondern unser Konsumverhalten muss sich ändern. Jeden Tag.

Und, wer zum nächsten Anlass (für Weihnachten ist es wohl eher schon zu spät) ein bisschen vom Retortengeschenkewahnsinn abkehren möchte, dem seien zum Beispiel die folgenden individuellen Geschenkideen besonders ans Herz gelegt:

  • Liebevoll handgefertigte Originale – von Kleidung und Schmuck bis hin zu Taschen und Gemälden, alles sehr bezahlbar – gibt’s bei DaWanda. So weiß man, was man kauft, und von wem es hergestellt wurde.
  • Für diejenigen, die ohnehin schon alles haben, empfehle ich gern die nett aufgemachten – und in anderen Teilen der Welt sehr dringend benötigten – Oxfam-Unverpackt-Geschenke.
  • Und, als weitere Alternative, könnte man sich ja auch einfach mal einen Brunnen zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünschen – 2aid.org machts möglich!

In diesem Sinne: Frohes Fest!

/eb/

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