Von Ladyboys, Sextouristen und Kinderprostitution

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Geschäftsleute tun es. Ehemänner tun es. Alleinreisende tun es. Pauschaltouristen tun es. Einheimische tun es. Junge Männer tun es. Alte Männer tun es. Frauen tun es fast nie, doch sind es meist sie, die den oben genannten gegen Geld ihre Dienste anbieten.

In Thailand, auf den Philippinen, in Kambodscha und anderen Ländern Südostasiens boomt die Prostitution – und damit auch der Sextourismus. Schätzungen besagen, dass jährlich hunderttausende Sextouristen aus westlichen Ländern – allen voran den USA, Großbritannien und Deutschland – eigens in südostaisatische Länder reisen, um sich mit lokalen Frauen, Männern, „Ladyboys“ und, ja, auch Kindern zu vergnügen.

Systematischer Sextourismus nahm seinen Anfang in den 1960er Jahren – mit dem Vietnamkrieg. Amerikanische Soldaten, ausgebrannt vom sich endlos dahinziehenden Krieg, vom Leid und nervenzehrenden Einsätzen im Dschungel, machten Urlaub an Thailands weißen Sandstränden. Da ein Urlaub ohne Frauen jedoch eher langweilig erschien, wurden alsbald Frauen für private Vergnügungen angeheuert – und für thailändische Verhältnisse überaus gut bezahlt.

Heute ist es beileibe kein Geheimnis, dass westliche Männer sich gern mit den zierlichen, hübschen Asiatinnen – oder, je nach Geschmack – den Kathoeys („Ladyboys“) treffen. In Flugzeugen Richtung Thailand, Indonesien, Kambodscha, Laos oder die Philippinen meint man sich nahezu an den Fingern abzählen zu können, wer für körperliche Vergnügungen in das entsprechende Land reist; meist ältere, unattraktive und alleinreisende Männer, die noch vor dem Abheben das erste Bier bei den Flugbegleiterinnen bestellen und diesen beharrlich auf den Hintern starren.

Doch liegt das Problem natürlich viel tiefer: Auch zahme Familienväter, lang eingesessene Expats oder ungestüme Backpacker geben der Versuchung der unsagbar günstigen bezahlbaren Liebe nach. Als günstiges Vergnügen zwischendurch, als Mannbarkeitsritual oder gar als Variante eines Geschäftsessens sind auch bei Einheimischen Besuche im Rotlichtviertel durchaus üblich. Schätzungen besagen gar, dass 95% aller thailändischen erwachsenen Männer schon einmal Erfahrungen mit Prostituierten gesammelt haben.

Formell ist die Prostitution in allen betreffenden Ländern Asiens verboten. Doch weiß auch die Tourismusbehörde, welche ein lukratives Geschäft sich hinter dem Sextourismus versteckt.  Touristen aus westlichen Ländern gelten als gutbetucht und großzügig – selbst wenn sie nach europäischen oder amerikanischen Verhältnissen lächerlich wenig Bares für Liebesdienste und die damit verbundenen Getränke, Räumlichkeiten und Partynächte auf den Tisch legen. Nicht wenige junge Leute prostitutieren sich denn auch freiwillig. Es lockt das schnelle Geld, der soziale Aufstieg (solange nicht deutlich wird, woher sie ihr Geld nehmen) und eine, im Vergleich zu asiatischer Fließbandarbeit, verhältnismäßig leichte Arbeit.

Problematisch wird all dies dann, wenn die Konkurrenz zu groß wird. Das Millionengeschäft Prostitution kennt viele Mitbewerber, und so müssen sich Zuhälter, Bordelle und unabhängig Arbeitende immer Neues einfallen lassen, um Kunden abzugreifen. Die Preise fallen in den Keller; Kondome werden immer seltener verwendet und kranke Mädchen finden sich schnell in der Arbeitslosigkeit und sozialer Isolation wieder. Die Aidsrate steigt seit Jahrzehnten beharrlich, in ganz Südostasien. Schieberbanden mischen sich in das Geschäft, bringen die Zwangsarbeit in das Rotlichtmilieu. Junge Frauen, teils noch Kinder, aus den ärmsten Regionen der betroffenen Länder werden von ihren Eltern verkauft oder verkaufen sich aus lauter Verzweiflung selbst. In den touristischen Zentren und Hauptstädten fristen sie ihr Leben in Bordellen und müssen Touristen und Einheimischen gleichermaßen zu Diensten sein.

Die Kinderprostitution bleibt ein großes Problem in Südostasien. Genaue Zahlen gibt es nicht, doch steht fest, dass Kambodscha und die Philippinen seit der (offenbar nur geringfügig abschreckend wirkenden) Verschärfung Thailändischer Gesetze in den späten 1990er Jahren immer mehr zu Zentren der käuflichen Körperlichkeit von Kindern und Jugendlichen werden. Auch europäische Staaten und die USA reagierten: Seit einigen Jahren können im Ausland begangene Straftaten auch im Inland verfolgt werden und immer wieder einmal gibt es aufsehenerregende Verhaftungen Pädophiler, die in der vermeintlichen Anonymität Asiens ihren Gelüsten nachgingen.

Doch bleibt der Weg zu besserem Schutz junger Mädchen – teilweise zwischen 6 und 10 Jahren alt! – ein langer und steiniger. Die NGO ECPAT setzt sich genau mit diesem Problem auseinander und macht unermüdliche Arbeit dort, wo andere wegschauen.

/eb/

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Von Ladyboys, Sextouristen und Kinderprostitution

  1. Sabine

    Großartiger Bericht. Interessant, das alles mal zusammengefaßt zu lesen.

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