Ein zahnloser Tiger im Kampf gegen Blutdiamanten

14.

14 Jahre Bürgerkrieg in Liberia, elf Jahre Bürgerkrieg in Sierra Leone, eine faktische Diktatur und Gewalt in Simbabwe – das sind nur drei dunkle Flecken in der Geschichte Afrikas, die jedoch eines gemeinsam haben: Diamanten.

In Sierra Leone kämpfte die Revolutionary United Front (RUF) von 1991 bis 2002 gegen die Regierung. Nach eigenen Aussagen ging es nur um Gerechtigkeit und Demokratie. Offensichtlich war die Kontrolle über die Diamantenminen im Osten des Landes jedoch der eigentliche Grund für den Krieg. In Liberia standen sich verschiedene Ethnien gegeneinander, ebenso wie Warlords, die die Macht über die zahlreichen Rohstoffe des Landes haben wollten. Einer dieser Warlords war Charles Taylor, späterer Präsident von Liberia. Taylor unterstützte die RUF im Nachbarland Sierra Leone und half kräftig beim Diamantenschmuggel mit. Derzeit steht Taylor wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Beide Kriege zeichneten sich durch unbeschreibliche Gewalt an der Zivilbevölkerung aus. Finanziert und verlängert wurde das ganze hauptsächlich durch sogenannte „Blutdiamanten“. Doch selbst der im Jahr 2003 in Kraft getretene „Kimberley Prozess“ zur Zertifizierung von Diamanten hat das Problem nicht gelöst. Durch den Kimberley Prozess soll verhindert werden, dass Blutdiamanten in den Handel kommen. Die Schwäche oder vielleicht sogar der Unwille der beteiligten Staaten etwas gegen das weiterhin bestehende Problem der Blutdiamanten zu unternehmen, wird derzeit – fernab der Weltöffentlichkeit – in Simbabwe deutlich.

Im Osten Simbabwes befinden sich die 66.000 Hektar großen Diamantenfelder von Marange. Niemand weiß, wie groß das Diamantenvorkommen dort ist, aber Vermutungen gehen dahin, dass es eines der reichsten Diamantenvorkommen der Welt sein könnte. Und das weckt Begehrlichkeiten. Seit mehr als drei Jahren werden in Marange die Menschenrechte mit Füßen getreten. Vor allem staatliche Sicherheitsfirmen waren zunächst beteiligt. Es gab hunderte Tote, Vergewaltigungen, illegale Festnahmen und Sklaverei. Wer nicht für die Polizei arbeitete, wurde kurzerhand umgebracht. Als das Militär die Kontrolle von der Polizei übernahm, begann der Diamantenschmuggel in die Nachbarländer Mosambik und Südafrika, ohne dass die Menschenrechtsverletzungen aufhörten.

Derzeit haben zwei Joint-Venture-Unternehmen Abbaurechte für die Diamantenfeldern von Marange. Beide Firmen sind jedoch nur auf etwa 3% der Gesamtfläche aktiv. 97% bleibt unter Kontrolle des Militärs. Und so gehen die Menschenrechtsverletzungen und der Diamantenschmuggel im Namen des Staates munter weiter. Die Mitgliedsstaaten des Kimberley Prozesses hätten die Möglichkeit, Simbabwe aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen, doch hier scheint wieder mal ein zahnloser Tiger geschaffen worden zu sein. Oder besser gesagt ein Tiger, dessen Zähne Staaten sind, die sich zum Teil selbst nicht durch die Einhaltung von Menschenrechten auszeichnen. Ein Ausschluss Simbabwes ist sehr unwahrscheinlich.

Die Menschen in Simbabwe leiden unterdessen weiter – immer noch fernab der Durchschnittsberichterstattung. /mf/

Quelle: Return of the Blood Diamond, Bericht von global witness

 

 

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