Monatsarchiv: Dezember 2010

Frohes Fest – leider nicht für alle.

Weihnachten in Brasilien, 2007. Bild: Silvio Tanaka.

Heute, am Tag des letzten Schokoladentierchens im Adventskalender und der großen Bescherung, kommen wir auch zum Abschluss des Adventskalenders der Menschenreche. Zunächst: Vielen Dank, liebe Mitleser, und genießt die Feiertage, die Jahreszeit an sich und den Jahreswechsel.

A propos Weihnachten, über allen Nikolausmützen, Familienbesuchen, Geschenkewahnsinn und gemütlichen Beisammensein der Jahreszeit vergessen wir gern, dass Weihnachten weltweit gesehen fast schon ein Randphänomen ist. Zwar werden in Abu Dhabi Millionenschwere Weihnachtsbäume aufgestellt und brummen die Fabriken der ganzen Welt, um Europa und Amerika mit ausreichenden Weihnachtsgeschenken zu versorgen, doch feiern die wenigsten derjenigen, die von der Coca Cola – Romantik so gedankenlos als „Santa’s Helpers“ abgestempelt werden, selbst Weihnachten. Und noch weniger haben sie Grund zum Feiern. Weiterlesen

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Iran: Hossein Derakhshan – Wenn Bloggen im Gefängnis endet

23.

Hossein Derakshan sitzt seit November 2008 im Evin-Gefängnis. Er musste acht Monate in Einzelhaft verbringen ohne Kontakt zu seiner Familie. Informationen über die Vorwürfe gegen ihn waren in dieser Zeit nicht zu bekommen. Nach diesen acht Monaten wurden die Haftbedingungen gelockert und er wurde angeklagt. Die konkreten Anklagepunkte wurden jedoch nicht veröffentlicht. Die Anklageschrift besteht aus den Punkten „Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen“, „Propaganda gegen die islamische Republik“, „Propaganda zugunsten antirevolutionärer Gruppen und Schmähung religiöser Heiligkeiten“. Diese typischen Vorwürfe, mit denen sich das Teheraner Regime unliebsame Kritiker vom Hals schaffen will, sind mehr als absurd und absolut haltlos. Trotzdem steht auf derartigen Straftaten im Iran die Todesstrafe. So war lange Zeit unsicher, ob Derakhshan zum Tode verurteilt wird. Weiterlesen

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Der neue Kurs der deutschen Entwicklungshilfe

Die deutsche Entwicklungspolitik hat seit einiger Zeit ein neues Ziel. Eine Vision, sozusagen. Nachdem er ursprünglich angetreten war, das Entwicklungshilfeministerium gänzlich abzuschaffen und dann zum Minister für selbiges benannt wurde, arbeitet er nun daran, seinen Posten zum „Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ umzudeuten – auf dem Rücken der Ärmsten der Armen, versteht sich. Weiterlesen

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Philippinen: Davao Death Squads

21.

Jaypee Larosa wollte noch eben für eine Stunde ins Internet-Cafe seiner Heimatstadt Davao City. Es sollte sein letztes Vergnügen werden. Eine Stunde später war er tot. Durchsiebt von sechs Gewehrkugeln, konnte im Krankenhaus nur noch sein Tod festgestellt. Seine drei Mörder kamen im Dunkeln auf Motorrädern. Als sie sich vom Tatort entfernten, schaute einer von ihnen genauer hin und rief seinen Kompagnons zu: „Dies ist nicht der Richtige.“ Weiterlesen

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Von Ladyboys, Sextouristen und Kinderprostitution

20.

Geschäftsleute tun es. Ehemänner tun es. Alleinreisende tun es. Pauschaltouristen tun es. Einheimische tun es. Junge Männer tun es. Alte Männer tun es. Frauen tun es fast nie, doch sind es meist sie, die den oben genannten gegen Geld ihre Dienste anbieten.

In Thailand, auf den Philippinen, in Kambodscha und anderen Ländern Südostasiens boomt die Prostitution – und damit auch der Sextourismus. Schätzungen besagen, dass jährlich hunderttausende Sextouristen aus westlichen Ländern – allen voran den USA, Großbritannien und Deutschland – eigens in südostaisatische Länder reisen, um sich mit lokalen Frauen, Männern, „Ladyboys“ und, ja, auch Kindern zu vergnügen. Weiterlesen

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Hacienda Teves – Eine unendliche Geschichte?

19.

Die Bauern unserer Partnerorganisation Task Force Mapalad (TFM) waren seit Ende September in Manila, um vor dem Department of Agrarian Reform (DAR) einen Camp-Out durchzuführen. Dadurch wollten sie eine Installation (selbstständige Landübernahme) für Hacienda Bacan* und Teves erreichen. Auf der Hacienda Teves soll zudem ein ständiger Außenposten der Polizei eingerichtet werden. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Arroyo Ländereien, Hacienda Teves

Bunte Gewalt in Thailand

18.

Im Jahr 2006 fand der 18. Militärputsch in der thailändischen Geschichte statt. Der damalige Premierminister Thaksin Shinawatra wurde während seiner Abwesenheit entmachtet, mit Duldung des Königs. Damit endete das 15 Jahre dauernde Demokratieexperiment. Seitdem kam das Land nicht mehr richtig zur Ruhe.

In diesem Jahr war Thailand mit blutigen Unruhen wieder in den Nachrichten. „Rothemden“ (United Front for Democracy against Dictatorship) standen „Gelbhemden“ (People’s Alliance for Democracy) gegenüber. In politische Lager übersetzt heißt das Anhänger Thaksins gegen den nach dem Putsch an die Macht gekommene Premierminister Abhisit Vejjajiva. Laut der australischen Zeitung „National Times“ wurden bis Juni 85 Menschen getötet und 1402 verletzt. Im Gegensatz zum Großteil der westlichen Berichterstattung, handelte es sich jedoch nicht um einen Kampf Arm gegen Reich, sondern eher alte gegen neue politische Klasse. Die Rothemden, wie die Gelbhemden die Demokratie im Namen tragend, sind lange nicht so friedlich wie es sonst unter Demokratiebewegungen üblich ist. Mindestens elf Tote und 411 Verletzte gehen auf ihr Konto. Gegen das Militär, welches auf Seite der Gelbhemden steht, kamen sie natürlich nicht an. Während der gewaltsamen Auseinandersetzungen wurde auch auf Zivilisten und Sanitäter geschossen – ein klarer Verstoß gegen Menschenrechte und die Genfer Konvention.

Rothemden und Militär stehen sich gegenüber

Foto: Reuters

Die Proteste der Rothemden gegen Premierminister Abhisit und die Forderung nach Neuwahlen begannen zunächst friedlich. Nach und nach spitze sich die Lage jedoch zu. Als die Rothemden im April in das Parlamentsgebäude eindrangen, wurde der Ausnahmezustand verhängt und die Gewalt begann. Als die Regierungstruppen die Rothemden von einer besetzten Brücke vertreiben wollten, wurden 25 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt.  Verhandlungsversuche im Mai scheiterten. Am 19. Mai stürmte das Militär ein besetztes Viertel unter Zuhilfenahme von gepanzerten Fahrzeugen (die nebenbei erwähnt in Zukunft mit deutschen Motoren ausgestattet  sein werden).

Auch wenn es in Thailand in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden ist und eine Demonstration im September friedlich verlaufen war, ist das Problem noch nicht gelöst. Der Ausnahmezustand gilt noch bis Januar, gegen Thaksin und 24 weitere Oppositionsführer wurden Anklage wegen Verstöße gegen die Anti-Terror-Gesetze erhoben. Im schlimmsten Fall können sie dafür mit dem Tod bestraft werden. Sollte es tatsächlich so weit kommen, sind erneute Demonstrationen und Gewalt nicht ausgeschlossen. /mf/

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