Kämpfe gegen Windmühlen? – Beharrlich weitermachen, Teil 2

Bedrohung und ein neuer Anfang

Vor diesem „Dialog“ hatten wir bereits am Mittwochvormittag Gelegenheit die beiden Special Investigators Leo Villarino und Primo C. Campadog von der Regional Direktion des CHR in Cebu auf die ehemaligen Teves-Ländereien zu begleiten. Das CHR möchte sich ein eigenes Bild über die Lage machen. Deshalb war es für Eline und mich eine willkommene Möglichkeit die Ländereien zu besuchen. Denn Anfang September wurde gegen IPON das erste Mal in seiner Geschichte eine direkte Drohung ausgesprochen. Diese wurde und wird sehr ernst genommen; bis zur Einladung durch die Commission hatten wir davon abgesehen uns dieser Bedrohung auszusetzen.

Mit einer gehörigen Portion Respekt ging es dann zuerst auf eine Rundfahrt über die Hacienda. Ab und an stiegen wir aus und das CHR führte kurze Gespräche mit Farmern. Wir konnten die Schweinefarm besichtigen, die längst hätte abgerissen werden sollen und illegalerweise immer noch auf dem CLOA-Land steht. Normalerweise wird das Land von bewaffneten Security Guards der Familie Teves bewacht. Diese hatten wohl heute Urlaub, da die Buschtrommeln in dieser Region außerordentlich gut zu funktionieren scheinen. Die Teves-Familie ist in sowohl auf lokaler Ebene als auch nationaler Ebene sehr gut vernetzt und so verbreiten sich Informationen relativ schnell.

Danach trafen wir uns mit den CLOA-Holdern, die von Villarino und seinem Kollegen zu            verschiedenen Übergriffen befragt wurden. Währenddessen konnten wir mit dem Sohn eines CLOA-Holders sprechen und uns über die aktuelle Situation vor Ort informieren. Traurigerweise erzählte Alexander „Dodong“ Hoyohoy, dessen Bruder im Dezember 2008 erschossen wurde, sie fühlen sich weiterhin durch die Familie Teves bedroht und müssen sehr vorsichtig agieren. Sie halten sich vermehrt in der Nähe ihrer Häuser auf und sind sich nicht immer sicher wem sie trauen können. Denn wie die Vergangenheit mit bereits zwei Erschossenen lehrt, müssen sie weiterhin jederzeit um ihr Leben fürchten, da es bis dato keine wirklichen Anzeichen zur Veränderung durch die Familie Teves gibt

Dodong zeigte uns ein von Arnie Teves (Anm.: Verwalter der Teves-Ländereien) illegal gebautes Haus, das Studenten in ihrer freien Zeit nutzen können und die Bauern von ihrem Land abschneiden soll. In Wirklichkeit ist dieses Haus nur eine weitere Machtdemonstration gegenüber den CLOA-Holdern. Die Teves-Familie schädigt ihre Gegner und sammelt Ansehen innerhalb der Gemeinde, da sie für diese etwas tut. So bitter das klingt, aber die Strategie ging bisher auf. Arnie Teves ist seit Neuestem auch noch Barangay-Captain*. Dies reicht zwar nicht an seinen Bruder, Congressman Henry Teves, heran, aber selbst so eine Position ist nur von Vorteil für die Teves’.

Derzeit kann auf lokaler Ebene nichts mehr in dieser Sache bewegt werden. Entweder die staatlichen Stellen sind eingeschüchtert und fürchten sich oder sie sind zu großer Wahrscheinlichkeit bestochen. Nur auf nationaler Ebene lässt sich dieser Konflikt noch lösen. Wann lässt sich schwer sagen. Der oberste Gerichtshof hat bereits Urteile zu Ungunsten der Familie Teves in dieser Sache gefällt. Passiert ist nichts. Das DAR ist auch aufgefordert endlich eine Entscheidung im Sinne der ausgeschlossenen CLOA-Holdern zu fällen, die seit 1997 bzw. 1999 im Besitz von Landtiteln sind.

Immerhin hat das CHR eine eigene Untersuchung von regionaler Ebene aus durchführen lassen. Hoffentlich können sie sich zu einem offiziellen Statement durchringen, welches Menschenrechtsverletzungen anprangert. So würde die eigene Regierung in Zugzwang versetzt etwas für die schwächsten Glieder, die Menschenrechtsverteidiger, zu unternehmen.   Kämpfe gegen Windmühlen habe ich diesen Artikel tituliert, weil es uns manchmal so vorkommt. Doch hin und wieder  bringen wir eine Windmühle zum Stehen, es bewegt sich etwas in die Richtung, die den Menschen hier hilft. Das Beispiel Leo Villarino verdeutlicht dies. Bei ihm trifft man auf Verständnis, Kooperation und den Willen zur Verbesserung. Leider wissen sowohl er als auch wir, dass die Macht des CHR begrenzt ist und sie kaum Instrumente haben ihren Untersuchungen und Anklagen Konsequenzen folgen zu lassen.

Wer noch mehr zur Vorgeschichte und zu den Hintergründen erfahren möchte, sollte die Rubrik Hacienda Teves auf der rechten Seite durchstöbern oder den IPON-Report zu diesem Fall lesen.

Was geschieht auf nationaler Ebene?

Seit Ende September führen die TFM-Bauern der Hacienda Teves und Bacan** ein CAMP – Out vor dem DAR in Manila durch. Sie fordern, dass ihr Recht auf Land durchgesetzt wird und sie ihr Land, für das sie bereits vor über zehn Jahren Landtitel bekommen haben, an sie übergeben wird. Sie werden so lange in Manila bleiben, bis sie ihr Land erhalten haben. Unterstützung erfahren sie von Teilen der Kirche in Form von verschiedenen Bischöfen und weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen, die Druck auf die Regierung ausüben.

Das DAR ist hier in Zugzwang geraten eine Entscheidung zu fällen und das CARP*** durchzusetzen. Bisher ist nur auf den Arroyo-Ländereien Bewegung in die Sache gekommen. Das letzte Wort liegt in dieser Sache wahrscheinlich beim Präsidenten, der seinen großen Ankündigungen des Wahlkampfes, z.B. das CARP-Programm umzusetzen, Taten folgen lassen darf. Denn die Bauern werden wohl nicht so schnell aufgeben und die Familie Teves wird weiterhin versuchen sich gegen die Abgabe des Landes zu wehren. Vielleicht kann es auf diese Weise zu einer friedlichen Lösung kommen, mit der alle Beteiligten Leben können. Und es kehrt Ruhe in dieser Region ein.

Gleichzeitig hat IPON eine Briefkampagne gestartet, die den Präsidenten der Philippinen und den Agrarreformminister auf die Situation auf Hacienda Teves aufmerksam macht und beide auffordert zu handelt.

Wer von unseren Lesern noch keinen Brief an den Präsidenten abgeschickt hat und dies tun möchte, kann dies immer noch tun und ist herzlich eingeladen an der Kampagne teilzunehmen. Deine/eure/Ihre Teilnahme ist mit wenig Aufwand verbunden und kann große Wirkung entfalten. Also schickt Briefe! Briefvorlagen können über observer.negros[at]ipon-philippines.org gerne angefordert werden. /ap/

*          Barangay = unterste und kleinste Verwaltungseinheit

**        Landbesitz der Familie ehemaligen Präsidentin Arroyo

***      CARP = Comprehensive Agrarian Reform Program

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Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Teves

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