Erste Eindrücke

Endlich angekommen! Nach knapp zwei Wochen auf den Philippinen beginnen wir langsam, zumindest unsere unmittelbare Umgebung weniger durch die Touristen-Brille zu betrachten. Wir schütteln nicht mehr den Kopf darüber, dass eine Schachtel Zigaretten am Sari-Sari-Store weniger kostet als ein Klobesuch an einer deutschen Raststätte oder darüber, wie viele Philippinos in, auf und um ein Tricycle (Motorrad mit Beiwagen in verschiedensten Größen und Ausstattungen) passen. Wir wissen, dass man im Jeepney „Lugar lang“ sagt, wenn man aussteigen möchte und dass der Fahrer, egal wie leise und undeutlich diese Worte ausgesprochen werden oder wie laut gerade philippinische Schmachtfetzen aus dem Radio dröhnen, sofort reagiert und ruckartig auf die Bremse tritt, um die betreffende Person an Ort und Stelle abzusetzen.

Tricycles

Tricycles, zur Abwechslung mal nicht voll beladen.

Auch die verschiedenen Bereiche unserer eigentlichen IPON-Arbeit nehmen langsam Gestalt an. Nach und nach trafen wir in Manila, hier in Bacolod und auf zwei Haciendas verschiedenste Akteure im Landkonflikt, den wir im Auftrag unserer Partnerorganisation TFM beobachten. So wurden wir beispielsweise bereits an einem unserer ersten Tage in Manila, bestens gekleidet und gestriegelt, bei der CHR, der staatlichen Commission for Human Rights, vorstellig; ein Termin, der sich in vielerlei Hinsicht als beispielhaft für die Arbeit mit staatlichen philippinischen Stellen herausstellte. Wie so oft im hiesigen Staatsapparat fehlt es der CHR an allen Ecken und  Enden, vor allem finanziell und in der Personaldecke. Das bedeutet gar nicht unbedingt, dass das vorhandene Personal nicht engagiert wäre. Im Gegenteil, gerade die CHR ist sehr interessiert an unserer Arbeit als Menschenrechtsbeobachter und verspricht, unseren Erkenntnissen nachzugehen. Doch die Mühlen philippinischer Institutionen mahlen langsam, so viel haben wir mittlerweile gelernt. Ein angekündigter Report muss erst die streng hierarchische Institutions-Pyramide durchlaufen – vom kleinsten Angstellten auf Regionalebene bis hin zur Rechtsabteilung und dem Commissioner höchstselbt – und ist mit Sicherheit nicht dann fertig, wenn er eigentlich erscheinen sollte.

Auch auf den Haciendas, bei den von uns betreuten Farmergruppen, stoßen wir auf viel Wohlwollen und philippinische Gastfreundlichkeit, aber ebenso auf für korrekt-bürokratisch aufgewachsene Europäer ungewohnte Hürden. Zeitangaben sind schwammig, mündliche Berichte müssen in unseren Hacienda-Profilen häufig revidiert werden, Schriftstücke sind nicht auffindbar und Landeigentum ist eher selten auf Karten eingezeichnet, sondern wird einfach direkt vor Ort mit einem allgemein gehaltenen Schwenk der Arme vorgeführt. Kurzum: Informationen können je nach vergangener Zeit seit dem entsprechenden Vorfall, Übersetzer, Gesprächspartner, Jahreszeit oder Gutdünken sehr unterschiedlich ausfallen und lassen sich nur schwer mit wissenschaftlicher Gründlichkeit verarbeiten und dokumentieren.

Doch eines ist klar: Einige schwarze Schafe unter den Großgrundbesitzern wehren sich mit Händen und Füßen – und bewaffneten Wachen – gegen längst gerichtlich geklärte Eigentumsverhältnisse. Drohungen, Gewalt und Schikane gegen organisierte Menschenrechtsverteidiger in der Landwirtschaft sind und bleiben traurige philippinische Realität, so dass der Sinn unserer Arbeit hier – leider, möchte man sagen – schnell ersichtlich wird.
/EB/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Alltagsleben

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