WE PROUDLY PRESENT…..

Es gibt nur sehr wenige gute Gründe nach Manila zu fahren. Manila ist laut und hässlich und versmogt. Verbaut und chaotisch, eine Stadt aus mehreren Städten. Die Taxifahrer sind launisch und äußerst wählerisch bei ihrer Kundschaft, das Wort überfüllt ist bei der Metro eine starke Untertreibung. Manila, Stadt der Gegensätze,  der Slums und klimatisierten Diplomatenbüros, kurz: Manila ist furchtbar anstrengend.

Schon bei unserer Ankunft letzten März wurden wir vom vorherigen Team vor der Hauptstadt gewarnt, blieben nicht länger als nötig und wurden schnell nach Negros verschifft. Nach Bacolod, City of Smiles.

Ein guter Grund für einen Besuch in Manila ist allerdings ein Termin mit dem neuen Minister des Agrarreformministeriums (DAR), Virgilio Delos Reyes. Der weiß jetzt nicht nur, dass es IPON gibt, sondern auch, und viel wichtiger, über die Probleme auf Hacienda Teves in Negros Oriental Bescheid. Wir dagegen können nur hoffen, dass der freundliche und umgängliche Eindruck des neuen Ministers nicht täuscht und er sich als weniger beeinflussbar und wankelmütig als sein Vorgänger erweisen möge. Neben Terminen mit nationalen staatlichen Stellen gab es diesmal noch einen anderen, ausgesprochen guten Grund für einen Manilabesuch: Die Neuen sind da!

…TEAM NO 5!

Dazu gehört einmal Eline (philippinische Aussprache: wahlweise Elin oder Elina, ein E am Ende ist und bleibt ein Problem). Mit 27 Jahren hat Eline Sozialwissenschaften studiert, als Wahlberlinerin Touristen herumgeführt, ist um die Welt gereist, war mehrmals länger in Indonesien und ist momentan offiziell Physikstudentin. Sie wird als Vorstandsmitglied des „Ärzte“ – Fanclubs hoffentlich einen positiven Einfluss auf die hier allgegenwärtige Schnulzenmusik ausüben – zumindest aber durch kulturellen Austausch das sehr schräge und äußerst veraltete Bild deutscher Musik wieder auf den halbwegs neusten Stand bringen. Neben Eline ist Quotenmann Arne Teil des neuen Negros-Teams. Arne (philippinische Aussprache: nahezu unmöglich. Da sein Name ein ungeheurer Zungenbrecher zu sein scheint, ist aus Arne kurzerhand Arnie geworden. Das geht nicht nur flott von den Lippen sondern hat auch den Vorteil, dass Arnie Teves jetzt einen Namensvetter hat, der sich der Bedeutung der Menschenrechte durchaus bewusst ist.) Manche nennen Arne auch Barney – und Simpsonsliebhabern wird tatsächlich eine Ähnlichkeit auffallen, besonders hinsichtlich der Bieraffinität. Arne ist 25, durch und durch Schleswig-Holsteiner und studiert Europäische Ethnologie und Geschichte. Außerdem hat er „a nose like a mountain“ wie die aufmerksame Dame in der Bäckerei um die Ecke schon festgestellt hat (man darf das durchaus auch als Kompliment verstehen).

Beide, Eline und Arne sind sehr sehr groß, und das nicht nur gemessen an philippinischen Verhältnissen. Mit ihrer enormen Körperlänge werden sie sicherlich Eindruck machen auf korrupte lokale Polizeichefs und untätige DAR-Angestellte, denen sie früher oder später unvermeidlich begegnen werden. (Vielleicht führt das auch dazu, dass ihr Alter annähernd richtig eingeschätzt wird, sie wären damit sicherlich das erste IPON-Team auf Negros dem das so geht. Zu schätzen weiß man das nur, wenn man beispielsweise von der Staatsanwältin ein überraschtes: „Und ich dachte Sie wären erst 16!“ zu hören bekommt. Generell scheint man hier, wenn auch nicht immer minderjährig, so doch mindestens fünf Jahre jünger zu wirken).

Hochmotiviert und tatendurstig: Arne, Eline und Christian, neues Mitglied des IPON-Teams auf Bondoc (von links)

Nach mehr als einer Woche auf den Philippinen haben sowohl Eline als auch Arne die erste nachhaltig prägende, leidvolle Erfahrung eines jeden IPON-Observers gemacht: Die offiziellen Observer T-Shirts sind für unsere Arbeit hier ungefähr so geeignet wie eine Badehose am Nordpol. Aus dicker, fester und dunkler Baumwolle gewebt ist der durchschnittliche Observerkörper darin kaum lebensfähig. Team 5 durfte diese Erfahrung während ihres ersten Besuches auf Hacienda Agueda machen: brütende Mittagshitze, gefühlte 40 Grad im Schatten, kaum Wind, ausgedehnte Wanderungen über die Felder (der  kopfschüttelnde Stoßseufzer, voll Unverständnis über die unergründlichen Entscheidungen der Koordination in Hamburg wird nicht der letzte ihrer Observerzeit sein…) Neben den Bauern auf Hacienda Agueda haben Eline und Arne auch schon Bekanntschaft mit Tanduay und Red Horse gemacht. (Während dieser Blogartikel sich seinen letzten Sätzen entgegentippt, verkündet Barney übrigens soeben, dass er nicht nur Held genannt werden will für seine Bereitschaft Bier zu holen sondern das auch gerne an dieser Stelle verewigt hätte. Eine umfangreiche disziplinierende Theorieeinheit am nächsten Tag wird ihn sicherlich wieder auf den Boden der philippinischen Tatsachen zurückbringen.)

Die Ankunft von neuen, motivierten IPON-Observern bedeutet allerdings auch Abschiednehmen: so werden Anna und Friederike nach über sechs Monaten wieder zurückkehren ins herbstliche Deutschland – Mira dagegen wird noch bis Dezember bleiben. Es wird ein wehmütiges Abschiednehmen…

Dem neuen Team wünschen alles Gute für die nächsten Monate, eine ruhige Erntezeit ohne Tote oder Verletzte, das Glück in den kleinen Erfolgen und natürlich außerordentlich viele hochanständige, überaus bemühte Staatsbedienstete (letzteres ein frommer Wunsch…)

Mabuhay! Schön, dass ihr da seid:

Welcome to the City of Smiles on the Island of Sugar! /fm/

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktuelles, Alltagsleben

3 Antworten zu “WE PROUDLY PRESENT…..

  1. Steffen Rudolph

    Schöner Artikel, da kommt beim Lesen direkt Sehnsucht nach dem Office bei mir auf.

    Sehe Arne direkt vor meinem geistigen Auge. Wie bekommt ihr den eigentlich in Busse oder Jeepneys? Oder sitzt er auf dem Dach?

    Gruß an alle,

    Steffen

  2. irene

    Haha, sehr amüsanter Artikel. Kompliment! Wünsche dir und Anna eine gute Heimreise.

  3. Steffen: Arne wird einfach zusammengeklappt, das passt schon. Irgendwie zumindest bislang immer. 😉
    Schöne Grüße nach Schland!
    (Eline.)

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