Dem Konflikt beim Wachsen zuschauen

Nachdem am 6. Juli 2010 ein, des Mordes an Florencio Dogomeo beschuldigter, Mann im Baranguay Bandila, umgebracht wurde sind wir wieder in Toboso gewesen. Die Polizei erzählte uns, dass sieben Männer beschuldigt werden, ihn gefesselt zu haben und ihn dann mit einem harten Gegenstand erschlugen. Mir ist schlecht, als wir das Polizeigebäude verlassen und uns auf den Weg zu den TFM-Bauern begeben, von denen einige nun verdächtigt werden einen Rachemord begangen zu haben.

Wegen der schlechten Sicherheitslage ist mittlerweile eine Übernachtung ausgeschlossen. Jederzeit ist mit einem neuen Überfall zu rechnen. Das Risiko, dass weitere Menschen sterben, schätzen wir als sehr hoch ein. Die Liste der Bedrohungsanzeichen wird immer länger. Uns wird berichtet, dass Nachts Unbekannte um die Häuser geschlichen seien und dass Morddrohungen ausgesprochen wurden. „Bevor wir unsere Beerdigung haben, werdet ihr eine weitere Beerdigung vorbereiten“, habe einer der Männer gesagt, die bereits des ersten Mordes beschuldigt werden. Es gibt Gerüchte, dass das nächste Opfer eine Frau sein soll.

Es wird Druck ausgeübt, die Anzeige zurückzuziehen die gegen Florencio Dogomeos Mörder erstattet wurde. Alle weisen auf die Witwe Naneth Dogomeo, die diese Anzeige erstattet hat: Sie könnte das nächste Opfer werden. Aus einem anderen Grund lehnt sie auch den Mord an dem mutmaßlichen Mörder ihres Mannes ab: „Ich fühle vor allem Mitleid für die Hinterbliebenen. Ich weiss, was es bedeutet Jemanden zu verlieren, den man liebt.“

Auch die Zeugen, die weiterhin untergetaucht sind, werden bedroht. (An dieser Stelle ein kurzer Hinweis auf einen kürzlich veröffentlichten Artikel zur Zeugenschutzproblematik auf den Philippinen von Friederike Mayer)

Die örtliche Polizei sagt, dass sie nicht davon ausgehen, dass in dem Konflikt weitere Menschen sterben würden. Ob sie entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen wollen, könnten sie erst entscheiden, wenn die Ermittlungen zu diesem neuen Mord abgeschlossen seien. Es gibt einen neuen Polizeichef, der anscheinend durch uns das erste Mal von dem Mord an Florencio Dogomeos erfährt. Ihn interessieren jedoch die weiteren Details nicht zureichend, um während des Gesprächs im Raum zu bleiben, welches er an den Ermittler des neuen Mordes delegiert.

Wir versuchen hier – und werden dies auch auf höherer Ebene und bei anderen verantwortlichen Staatsakteuren fortsetzen, die Aufmerksamkeit auf die defizitäre Sicherheitslage zu lenken. Hoffentlich werden Schritte ergriffen, die vor Ort die Gefahr eindämmen, zumindest bis alle Verdächtigten festgenommen werden können und das Leben wieder weitergehen kann. Das dauert lange. Eine vorgerichtliche Untersuchung zu dem Mord an Florencio Dogomeo († 16. Mai 2010) darf nach Aussage des zuständigen Staatsanwalts erst ab dem 26. August 2010 vorgenommen werden. Erst im Anschluss daran können Haftbefehle ausgestellt werden. Für den zweiten Mord sind keine kürzeren Fristen zu erwarten. Viel Zeit für weitere Tote.  /ah/

2 Kommentare

Eingeordnet unter Hacienda Teresita

2 Antworten zu “Dem Konflikt beim Wachsen zuschauen

  1. Daniela

    Leute, passt auf euch auf! Ich habe großen Respekt vor dem, was ihr da tut!

  2. irene

    Artikel bei der taz, Kompliment 🙂

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