Ein weiterer Toter

Gestern erhielten wir per SMS die Information, dass einer der mutmasslichen Mörder Florencio Dogomeos umgebracht wurde. Unsere Gedanken laufen durcheinander und immer wieder kommen wir zu dem – wenig überraschenden – Ergebnis, dass dieser Mord alles verschlimmert.

Schlachtung im Nachbardorf - Leben und Tod liegen eng beieinander

Schlachtung im Nachbardorf - Leben und Tod liegen eng beieinander

Wir wissen nicht wer der Täter war und ob das – naheliegende – Motiv der Rache diese Tat motivierte. Um eines kreisen unsere Gedanken immer wieder: Welche Auswirkungen hat das auf die fragile Sicherheitssituation auf der Hacienda Jizon? Hat nun der Konflikt eine weitere Stufe erreicht? Werden noch mehr Menschen sterben? Wir fürchten die Konsequenzen und werden wütend, wenn wir daran denken, dass ein umständlicher bürokratischer Apparat ermöglichte, dass die Verdächtigten überhaupt erschossen werden konnten. Eine Untersuchungshaft bei Mordverdacht ist nur in seltenen Fällen direkt und in der Regel nur auf Anweisung des zuständigen Staatsanwalts möglich. Diese Anweisung braucht in diesem Fall zwei Monate. Zeit genug für die des Mordes Verdächtigten unterzutauchen, oder wie es Einem nun geschehen ist, selber zum Opfer zu werden.

Immer wieder spekulieren wir, ob einer der Menschen mit denen wir engeren Kontakt hatten sich jetzt als Mörder offenbart hat. Und wir fragen uns, ob einer, der die Menschen in der kleinen TFM-Dorfgemeinschaft kennt, in der Lage wäre sie diesem gewachsenen Risiko auszusetzen. Ohnehin herrscht seit dem Mord ein Gefühl der Bedrohtheit unter den Bauern: Spione im Zuckerrohr, Gewehrschüsse in der Ferne, Unbekannte die hinter den Häusern entlangschleichen, viele weitere kleinen Beobachtungen, die in dieser Situation die Angst weiter schürten. Den Verdächtigten wurden weitere Waffen ins Haus gebracht, weitere Männer versteckten ihre Mottorräder, bevor sie jeden Abend in dem Haus der Verdächtigten übernachteten.  Unbekannte Motorradfahrer, die seit der Erstattung der Anzeige wegen Mordes täglich durch das Dorf fuhren. Angst in jeder Hütte, Sicherheitsmassnahmen, Waffen.

Kurz vor einem Schuss in der Ferne, der die Tanzaufführung abrupt  beendete

Kurz vor einem Schuss in der Ferne, der die Tanzaufführung abrupt beendete

Naneth, die Witwe Florencio Dogomeos, der am 16. Mai umgebracht wurde, hat sehr unter dem Verlust gelitten und unter den vielen, plötzlichen Bedrohungsszenarien, die beinahe jeden Abend das Dorf in Unruhe versetzten.  Sie erzählte uns von ihren Herzproblemen und wir sahen, wie sie sich nach einem entfernten Pistolenknall heftig übergab, als die Angst und die Erinnerung sich mischten. Sie  erfährt von dem neuen Mord wohl noch, während sie in der Hauptstadt versucht eine fact-finding-mission, für das an ihrem Mann begangene Unrecht, zu erreichen. Sie ist nicht die einzige Person um die wir uns sorgen, weil sie an diesem Ort lebt, wo die Polizei sich nur selten hintraut.

Die Polizei erzählte uns, dass sie einen Hinterhalt fürchten müssten, würden sie eine regelmässige Patroullie auf dieses abgelegene, von Rebellen durchsetzte, Gebiet schicken. Prinzipiell fahren sie nur selten dort hin – und nur bei Tageslicht.

Für unsere Arbeit ist klar, was zu tun ist: Wir verstärken unsere Forderungen an die Polizei (und das Militär), die Sicherheitslage vor Ort zu verbessern und die Menschen vor weiteren Übergriffen zu schützen. Alles muss getan werden, damit der Konflikt entschärft wird und die Mörder bestraft werden, ohne das es Gelegenheit für weitere Testosteronausschüttungen und Rachefeldzüge gibt. /ah/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Teresita

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