Unvergessliche Erlebnisse einer guten Woche Dauerpräsenz

Vieles ist anders hier, auf Hacienda Teresita Jizon. Anders, als unser vergleichsweise luxuriöses Leben in Bacolod. Bei unserem zweiten Ein-Tages-Besuch fragte ich nach dem „C.R.“. Besorgte Blicke begegnen mir. Die folgende Erklärung verstehe ich zwar nicht, sage aber, dass sie sich wegen des C.R.s keine Sorgen machen müssen. Eine junge Frau führt mich hinters Haus, wo vier Holzpfosten mit Wellblech und einer Plane umgeben sind. Auf der Größe eines knappen Quadratmeters liegen Steine. Das C.R. für kleine Bedürfnisse.

Als wir drei Tage später zurückkommen und auch länger bleiben wollen, werden wir mit den anderen sanitären Einrichtungen bekannt gemacht. Das allgemeine C.R. ist mehrere Hektar groß – im normalen Sprachgebrauch auch als Zuckerrohrfeld bekannt. Da das Zuckerrohr auf einigen Feldern recht hoch steht, hat man dort durchaus seine Ruhe. Ganz im Gegensatz zur „Dusche“. Unsere Dusche ist ein ausgetrockneter Fluss, in den die Bauern drei Löcher gegraben haben, aus denen Grundwasser geschöpft
werden kann. Geduscht wird, wie wir es auch aus Bacolod gewohnt sind, mit Eimer und Schöpfkelle. Das neue hier ist allerdings, dass man die Kleidung anbehält, und die Freude der Dorfbewohner, die sich über unsere Art zu duschen köstlich amüsieren. Mir ist bis jetzt noch nicht klar, was wir falsch gemacht haben. Oder war es nur die allgemeine Fröhlichkeit der Philipin@s, Langnasen duschen zu sehen? Wir freuen uns die Menschen zum Lachen zu bringen und weinen unserer Privatsphäre, zumindest am ersten Tag, nicht allzu sehr hinterher.
Die Tage gestalten sich für uns hier sehr gemütlich. Abgesehen von wenigen Treffen mit Polizei, Militär und Bürgermeister in Toboso, der nächsten Stadt, sind wir, wie dieser Teil unserer Arbeit treffend heißt, dauerhaft auf der Hacienda präsent. Wir unterhalten uns (dank unserer Übersetzerin) mit den Leuten, bringen ihnen Mau-Mau bei, lesen und – essen. Man könnte manchmal den Eindruck
bekommen wir machen nichts anderes. Denn es gibt Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Nachmittagssnack (manchmal auch zwei davon) und natürlich Abendessen. Das Essen ist, meistens zumidest, sehr lecker, und wir können die besorgten Nachfragen, ob das Essen denn in Ordnung sei, mit einem ehrlichen und nachdrücklichen Ja“ beantworten.
Sonntag ist Feiertag. Unsere Regel „Kein Bier vor fünf“ (jaja, es heißt kein Bier vor vier) wird geflissentlich überhört. Dank der philippinischen Eigenart Bier mit Eiswürfeln zu trinken, hält sich der Alkoholgehalt jedoch sehr in Grenzen. Später am Tag kommen wir auch noch in den „Genuss“ einen Hahnenkampf live mitzuerleben. Ein sehr kurzes Vergnügen. Eine johlende Menge steht um zwei Hähne, die jeweils eine Klinge am Bein haben und aufeinander losgehen. Nach zwei bis drei Minuten können beide Hähne wegen ihrer Verletzungen nicht mehr stehen. Mindestens einer der beiden stirbt und landet kurze Zeit später in unserem Abendessen.
Neben der üblichen Karaoke an Geburtstagen, wo wir uns wegen eines wichtigen Gesprächs vor dem Singen drücken konnten, haben wir die Menschen hier auch philippinischen Cha-Cha tanzen sehen. Begonnen hat es damit, dass ich Anna ein paar Tanzschritte zeigte. Dies wurde bald von der Frau des Hauses aufgenommen und sie tanzte mit. Da es allerdings keine Walzer- sondern nur Cha-Cha-Musik gab, gingen wir dazu über uns an diesem Tanz zu versuchen. Dann wurden die inzwischen versammelten Kinder dazu aufgefordert zu „Nobody but you“ (Wondergirls) zu tanzen, was diese mit großer Freude und mehrmals hintereinander taten.
Auch wenn die Situation auf Hacienda Teresita Jizon eigentlich sehr angespannt ist, haben diese Menschen ihre Freude am Leben in keinster Weise  verloren. Sie lachen, spielen Karten und singen, auch wenn diese Unbeschwertheit hin und wieder durch die Nachricht, es seien Spione im Zuckerrohr gesehen worden, ein abruptes Ende findet. Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier, auch wenn der Anlass ein sehr trauriger war. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns ohne zu zögern in ihrer Mitte aufgenommen haben, wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. /mf/

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Eingeordnet unter Aktuelles, Alltagsleben, Hacienda Teresita

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