Monatsarchiv: Juni 2010

Radiointerview des Bondoc-Teams

Josefine Brauer vom IPON Bondoc Team berichtet bei DRadio Wissen über die Arbeit als Menschenrechtsbeobachterin. Das Interview kann hier angehört werden.

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Weder schwarz noch weiß

Die Prinzipien, die der Arbeit von IPON zugrunde liegen, haben wir auf den Vorbereitungsseminaren kennen gelernt. Nichteinmischung. Gewaltfreiheit. Damals war das alles ganz klar, bereitete keinem von uns irgendwelche Bedenken. Doch vor Ort sieht die Situation manchmal dann doch anders aus. Nicht, dass wir an der generellen Sinnhaftigkeit jemals zweifeln oder gezweifelt hätten. Doch nicht alles ist schwarz oder weiß, es gibt auch viel grau dazwischen.

Während unserer Dauerpräsenz auf Hacienda Teresita Jison sahen wir mehr als eine Waffe, was zu ernsten Diskussionen zwischen Observern sowie zwischen Observern und Bauern geführt hat. Wir Observer waren uns dabei einig – das offensichtliche Vorhandensein von Waffen widerspricht den IPON-Prinzipien und ist ein Grund, unsere Präsenz vor Ort zu beenden. Bei dieser Entscheidung war auch ausschlaggebend, dass die Bauern vorerst nicht vorhatten Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Wir sprachen mit den Bauern und teilten ihnen unsere Entscheidung mit, die Präsenz am nächsten Morgen zu beenden. Das führte dann ungewollt zu einem Konflikt mit einem anderen IPON-Prinzip – der Nichteinmischung. Zu keinem Zeitpunkt haben wir von den Bauern gefordert zur Polizei zu gehen. Zu gut verstanden wir ihre Sicherheitsbedenken, denn Zeugenschutz auf den Philippinen ist praktisch nicht vorhanden. Dennoch mussten wir natürlich erklären, warum eine weitere Präsenz für uns nicht möglich war. Und unsere Gründe waren das Vorhandensein von Waffen und vor allem dass keine staatlichen Akteure involviert waren. Denn laut IPON-Definition können Menschenrechtsverletzungen nur vom Staat begangen werden, der Menschenrechtskonventionen unterschreibt, ratifiziert und deshalb ihre Einhaltung garantieren muss. Ohne staatliche Akteure ist eine Arbeit für IPON unmöglich, und in einem Konflikt zwischen zwei Bauerngruppen für etwas Ruhe zu sorgen, gehört eindeutig nicht zu unserem Mandat.

Unsere Ankündigung führte zu einer internen Diskussion in der Gruppe der Bauern, vor allem mit den Zeugen des Mordes, und es wurde der Beschluss gefasst, am nächsten Tag bei der Polizei die Zeugenaussagen zu machen und somit den Prozess von Anzeige, Haftbefehl etc. ins Laufen zu bringen. Wir hatten das nicht bezweckt, was wir den Bauern auch klar sagten. Wir wollen sie schließlich nicht zu etwas drängen, das sie am Ende bereuen, da das Gewaltpotential auf dieser Hacienda immer noch recht hoch ist und mit weiteren Zwischenfällen gerechnet wird. Hier wird jedoch die Grenze von „Nichteinmischung“ schnell deutlich. Allein unsere Präsenz vor Ort verändert die Lage – was in einem gewissen Rahmen ja auch beabsichtigt ist.

Das Thema Gewaltfreiheit ist da eine etwas andere Sache. Denn natürlich haben wir auch Verständnis für Bauern, die sich selbst verteidigen. Dass sie die Waffen nur für diesen Fall der Selbstverteidigung einsetzen werden, versicherten sie uns. Gerade in einer Situation wie auf Hacienda Teresita Jison, wo abends Spione im Zuckerrohrfeld gesehen werden, macht deutlich, dass auch hier die Lage nicht ganz eindeutig ist. Von wem kann man verlangen, sich nicht gegen diese Bedrohung schützen zu wollen?
Eine erneute Diskussion zwischen uns Observern begann, wobei wir auch unsere dritte Frau im Büro sowie Steffen vom „alten“ Team telefonisch in die Beratung mit einschlossen. Wir kamen zu dem Schluss über die Waffen vorerst hinweg zu sehen und zu bleiben.
Haben wir jetzt gegen IPON-Prinzipien verstoßen? Ganz klar beantworten lässt sich diese Frage wohl nicht. Es gibt eben verschiedene Stufen von grau. /mf/

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„Which World Cup??“ Die Weltmeisterschaft auf philippinisch

Wir schreiben das Jahr 2010 der FIFA. Der sportliche Höhepunkt des Jahres lässt die Einwohner eines jeden Landes hoffen und bangen. Die ganze Welt ist im Fußballfieber. –Oh, sagte ich die ganze Welt? –Nicht doch! Siebentausend kleine Inseln im pazifischen Ozean leisten der allgemeinen Fußballbegeisterung immer noch erfolgreichen Widerstand, obwohl sie von keinen nennenswerten Gegnern umzingelt sind.

Fußball ist auf den Philippinen ungefähr so wichtig wie Brot zum Frühstück – also höchst uninteressant. „Manny“ Pacquiao, die lebende Boxerlegende der Philippinen dagegen kennt jedes Kind. Hat „Manny“ einen Kampf, sind die Strassen so leergefegt wie in Deutschland bei einem Finalspiel der DFB Elf. Als Ausländer wird man immer wieder gefragt, ob man Pacquiao kenne, den Nationalhelden schlechthin (der sich bei der letzten Wahl seine Popularität übrigens zunutze gemacht hat und sich nun als Politiker versucht). Doch Volkssport der Filipinos ist Basketball – koloniales Erbe der USA. Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens einen Basketballkorb, Straßenkinder dribbeln Bälle am Bordstein entlang und ein geschätztes Drittel der männlichen Bevölkerung trägt permanent Basketballshirts. Dirk Nowitzki ist auf den Philippinen bestimmt mindestens genauso bekannt wie in Deutschland. Doch Fußball? WM-Vorrundenspiele sind absolut bedeutungslos wenn beispielsweise das große Finale der Talentshow „Pilipinas Got Talent“ zur gleichen Zeit ausgestrahlt wird. Überhaupt ist es nicht einfach, im touristenarmen Bacolod City einen Ort zu finden, an dem die WM-Spiele gezeigt werden – vor allem solche um halb drei nachts philippinischer Zeit. Dank guter Kontakte (man passt sich der Mentalität an) hat nun die Eatery um die Ecke regelmäßig und exklusiv bis morgens um halb fünf geöffnet. Eaterys gibt es auf den Philippinen an jeder Straßenecke, kleine Läden in denen man kostengünstig essen kann (im Zweifelsfall Reis mit Fisch, immer im Angebot). Oder eben Fußball schauen – sobald man sich als treue Stammkundschaft etabliert hat. Wenn der Besitzer sich dann nicht nur bereit erklärt bis zum frühen morgen wach zu bleiben sondern auch noch bei jedem Tor um ein Bier wettet, ist die WM fast wie sie sein soll. (Zumindest bei Deutschlandspielen, die einem vier Freibier bescheren.) Und langsam, ganz langsam, erwacht auch das Fußballinteresse in der kleinen Eatery um die Ecke. Bleibt nur zu hoffen, dass es sich verbreitet. Schließlich haben die Filipinos trotz des landesweiten Fanatismus in Sachen Basketball weltweit nicht besonders große Erfolge in diesem Sport zu verzeichnen –  die meisten Spieler sind schlicht zu klein für die internationale Konkurrenz. Im Fußball dagegen könnte die glorreiche sportliche Zukunft des Landes liegen – auch wenn das philippinische Nationalteam (es existiert tatsächlich und ist sogar eines der ältesten Asiens) in der FIFA-Weltrangliste momentan auf Platz 167 liegt. Nach Vanuatu aber immerhin kurz vor Palästina und Somalia. Und im AFC (Asian Football Confederation) Challenge Cup 2010, ein alle zwei Jahre stattfindendes Turnier für jene Mitgliedsländer des AFC „which need time to develop their football“, konnte das philippinische Team immerhin Bhutan mit 1:0 vernichtend schlagen (die unschöne 0:5 Niederlage gegen Turkmenistan sei nur am Rande erwähnt). Es bleibt also noch Hoffung – für den philippinischen Fußball einerseits und zahlreiche weitere Freibiere bis zum Finale andererseits. /fm/

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Gute Nachrichten für die Bauern auf Mansanero

Im Fall Mansanero gibt es nun wieder gute Neuigkeiten für die dort lebenden Menschenrechtsverteidiger_innen.

Nach dem letzten Gerichtstermin, eine Mediation auf der der Richter sich zu Gunsten der Bauern aussprach, wurden die Ländereien der Großgrundbesitzerin zum Verkauf ausgeschrieben. Zwar laufen die bestehenden Klagen gegen die Bauern weiter und werden, nach wie vor, an den falschen Gerichten verhandelt, aber es gab keine weiteren Drohungen und Schikanierungen gegen die Bauern. Sie fürchten sich nicht mehr davor, aus ihren Häusern vertrieben zu werden und eine mögliche Strafe in denen gegen sie laufenden Klagen scheint ihnen nun wesentlich weniger Sorge zu bereiten.

Sie hatten sich im vergangenen Jahr, in Absprache mit dem Agrarrefomministerium, auf ihrem Land friedlich selbst installiert. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass sich etwa 1.4 ha des Gebietes noch im Landvergabeprozess befinden. Daraufhin hatte die (noch) Landbesitzerin sie wegen ursurpation und forcible entry angeklagt.

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Kurzgesagt: Es ist viel passiert.

Das war dann doch zuviel des Guten

Das war dann doch zuviel des Guten

An all unsere fleissigen Leser_innen soll zumindest eine kleine Entschuldigung und Erklärung gehen, warum wir in letzter Zeit eigentlich nicht mehr soviel von uns haben hören lassen. Hiermit also eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen.

Einige haben sicherlich von dem Mord auf der Hacienda Teresita gelesen, die Witwe des ermordeten Florencio Dogomeo bat uns um Unterstützung und eine längere Präsenz vor Ort. Seitdem waren elf Tage lang jeweils zwei aus unserem Team vor Ort und eine teilte sich das Büro mit immer mehr Kakerlaken. Das hat notwendigerweise zur Folge, dass alle anfallende Büroarbeit plötzlich von nur einer Person bearbeitet werden konnte, während natürlich gleichzeitig noch andere Fahrten anstehen.

Wäschetrocknen auf Teresita

Wäschetrocknen auf Teresita

Unsere Arbeit wurde nicht rücksichtsvollerweise auf einmal weniger, als wir uns entschlossen an einem Ort „präsent zu sein“, an dem es kein Internet gibt. Stattdessen schien die Situation nach der Wahl nun doch noch zu explodieren, mit einem zweiten Toten, einem Verletzten und vielen anstehenden Aufgaben.

Bezüglich der Hacienda Agueda ziehen der lokale Vertreter des Agrarreformministeriums und der Verantwortliche auf Provinzebene eine abschliessende Aufteilung der umstrittenen Länderein auf Hacienda Agueda in Betracht. Vielleicht passiert hier also bald wieder etwas. Zudem fragen wir vermehrt bei der Polizei nach Neuigkeiten nach, seitdem diese sich gezielt darum bemühen einen positiven Eindruck bei uns zu hinterlassen. Abgesehen davon müssen Reaktionen weiterer staatlicher Akteure auf unseren Report über die Menschenrechtssituation auf Agueda erst noch eingefordert werden. Nebenher stellen wir bei anderen staatlichen Akteuren vor Ort Gerüchte über unsere Arbeitsweise richtig. Scheinbar ist in Moises Padilla eine kleine Panik ausgebrochen, als behauptet wurde, dass IPON Anzeigen erstatte. Da sind wohl einigen Leuten ihre Übeltaten und Auslassungen nochmal bewusst geworden… Aber natürlich ist Schadenfreude keine zureichende Begründung eine solche Fehlinformation stehen zu lassen.

Carabao beim Mittagsschlaf

Carabao beim Mittagsschlaf

TFM- Bauern der Hacienda Mansanero wurden von der ehemaligen Landbesitzerin angeklagt, nachdem sie sich versehentlich zum Teil auf dem falschen Gebiet selbst installiert haben. In diesem Rechststreit werden üblicherweise die Termine kurzfristig abgesagt, aber kaum stapelt sich die Arbeit auf dem Schreibtisch findet die Mediation statt. Der Richter hat sich eindeutig ausgesprochen. Der ehemaligen Landbesitzerin sei kein nennbarer Schaden durch den Fehler entstanden, da sie das Gebiet der Bauern, auf dem sie sich versehentlich nicht installiert haben, ja bewirtschaftet habe. Die Bauern hingegen haben Verluste gemacht da sie das falsch installierte Gebiet nicht mehr kultivierten, nachdem sie auf ihren Fehler hingewiesen wurden. Er schlägt vor, dass Gebiet einfach offiziell zu tauschen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Bauern die umstrittenen 1.5 ha dann letztlich auch bekommen (dieses Land befindet sich längst im Prozess). Selbstverständlich könne er aber in diesem Fall auch noch seinen Richterspruch abgeben, wenn sie weiterhin an ihrer Klage festhielte. Gut für die Bauern, die so wohl in sehr geringem Umfang mit Strafe rechnen müssen, falls die Grossgrundbesitzerin das Verfahren weitertreibt. Auch am falschen Gericht kommen also sinnvolle Entscheidungen zustande (eigentlich müsste dieser Fall vor dem Gericht verhandelt werden, dass speziell für Streitfragen im Kontext der Agrarreform eingerichtet wurde).

Zu Teves ist es gerade jetzt wichtig Kontinuität zu beweisen und ein Follow-Up einzufordern. Zudem zeigt die deutsche Botschaft grosses Interesse an dem Fall und auch hierfür müssen wir weiteres Material anfertigen. Das Infomaterial zur Hacienda Teresita ist natürlich auch zu überarbeiten und an alle Interessierten, wie die EU-Delegation auf den Philippinen, das EPjust Programm und die deutsche Botschaft weiterzugeben.

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Die Kugel ist noch in Josefs Arm

Auf Hacienda Victoria gab es am 27. Mai 2010 einen sehr bedauerlichen Zwischenfall, bei dem ein TFM-Bauer angeschossen und ein Security-Guard getötet wurde (möglicherweise aus Notwehr). Nachdem drei Security-Guards überraschend aufgetaucht sind und drei TFM-Bauern mit Steinen bewarfen, lief einer der Bauern weg, eine Kugel traf ihn im linken Oberarm. Ein anderer fiel vom Stein getroffen zu Boden und zückte sein Messer, als der Security Guard auf ihn zu kam. Letztlich wurde der Security Guard erstochen. Seitdem ist der TFM-Bauer untergetaucht. Die zurückgebliebenen TFM-Bauern fürchten sich wegen Gerüchten, dass die Security-Guards den Getöteten rächen wollen. Wir sind uns noch nicht ganz einig darüber, wie wir dazu arbeiten können, so dass die Sicherheit der anderen Bauern gewährleistet wird.

Unser Hauptansprechpartner vom TFM warnt uns zugleich schon mal vor, dass die neue Regierung nicht mehr die Ländereien des Ehemannes der ehemaligen Präsidentin schonen werde und daher mit Entwicklungen auf Hacienda Bacan zu rechnen sei. Und mit gewaltsamen Reaktionen von Seiten der Arroyos. Wir müssen hierauf vorbereitet sein, wenn die Landverteilung dort endlich doch noch losgeht.

Auch ansonsten ist viel passiert und es hat sich wieder genug Material für ein ganzes Buch angesammelt, sicher werden wieder einige interessante Blogeinträge folgen, wenn wir hier wieder das Gröbste abgearbeitet haben. Bis dahin bitten wir Euch um Nachsicht. /ah/

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Neues Observer Journal erschienen

Das zweite Observer Journal zum Thema „Human Rights Defenders: Perceptions and Protection“ kann jetzt hier runtergeladen werden. Viel Spaß beim Lesen!

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Unvergessliche Erlebnisse einer guten Woche Dauerpräsenz

Vieles ist anders hier, auf Hacienda Teresita Jizon. Anders, als unser vergleichsweise luxuriöses Leben in Bacolod. Bei unserem zweiten Ein-Tages-Besuch fragte ich nach dem „C.R.“. Besorgte Blicke begegnen mir. Die folgende Erklärung verstehe ich zwar nicht, sage aber, dass sie sich wegen des C.R.s keine Sorgen machen müssen. Eine junge Frau führt mich hinters Haus, wo vier Holzpfosten mit Wellblech und einer Plane umgeben sind. Auf der Größe eines knappen Quadratmeters liegen Steine. Das C.R. für kleine Bedürfnisse.

Als wir drei Tage später zurückkommen und auch länger bleiben wollen, werden wir mit den anderen sanitären Einrichtungen bekannt gemacht. Das allgemeine C.R. ist mehrere Hektar groß – im normalen Sprachgebrauch auch als Zuckerrohrfeld bekannt. Da das Zuckerrohr auf einigen Feldern recht hoch steht, hat man dort durchaus seine Ruhe. Ganz im Gegensatz zur „Dusche“. Unsere Dusche ist ein ausgetrockneter Fluss, in den die Bauern drei Löcher gegraben haben, aus denen Grundwasser geschöpft
werden kann. Geduscht wird, wie wir es auch aus Bacolod gewohnt sind, mit Eimer und Schöpfkelle. Das neue hier ist allerdings, dass man die Kleidung anbehält, und die Freude der Dorfbewohner, die sich über unsere Art zu duschen köstlich amüsieren. Mir ist bis jetzt noch nicht klar, was wir falsch gemacht haben. Oder war es nur die allgemeine Fröhlichkeit der Philipin@s, Langnasen duschen zu sehen? Wir freuen uns die Menschen zum Lachen zu bringen und weinen unserer Privatsphäre, zumindest am ersten Tag, nicht allzu sehr hinterher.
Die Tage gestalten sich für uns hier sehr gemütlich. Abgesehen von wenigen Treffen mit Polizei, Militär und Bürgermeister in Toboso, der nächsten Stadt, sind wir, wie dieser Teil unserer Arbeit treffend heißt, dauerhaft auf der Hacienda präsent. Wir unterhalten uns (dank unserer Übersetzerin) mit den Leuten, bringen ihnen Mau-Mau bei, lesen und – essen. Man könnte manchmal den Eindruck
bekommen wir machen nichts anderes. Denn es gibt Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Nachmittagssnack (manchmal auch zwei davon) und natürlich Abendessen. Das Essen ist, meistens zumidest, sehr lecker, und wir können die besorgten Nachfragen, ob das Essen denn in Ordnung sei, mit einem ehrlichen und nachdrücklichen Ja“ beantworten.
Sonntag ist Feiertag. Unsere Regel „Kein Bier vor fünf“ (jaja, es heißt kein Bier vor vier) wird geflissentlich überhört. Dank der philippinischen Eigenart Bier mit Eiswürfeln zu trinken, hält sich der Alkoholgehalt jedoch sehr in Grenzen. Später am Tag kommen wir auch noch in den „Genuss“ einen Hahnenkampf live mitzuerleben. Ein sehr kurzes Vergnügen. Eine johlende Menge steht um zwei Hähne, die jeweils eine Klinge am Bein haben und aufeinander losgehen. Nach zwei bis drei Minuten können beide Hähne wegen ihrer Verletzungen nicht mehr stehen. Mindestens einer der beiden stirbt und landet kurze Zeit später in unserem Abendessen.
Neben der üblichen Karaoke an Geburtstagen, wo wir uns wegen eines wichtigen Gesprächs vor dem Singen drücken konnten, haben wir die Menschen hier auch philippinischen Cha-Cha tanzen sehen. Begonnen hat es damit, dass ich Anna ein paar Tanzschritte zeigte. Dies wurde bald von der Frau des Hauses aufgenommen und sie tanzte mit. Da es allerdings keine Walzer- sondern nur Cha-Cha-Musik gab, gingen wir dazu über uns an diesem Tanz zu versuchen. Dann wurden die inzwischen versammelten Kinder dazu aufgefordert zu „Nobody but you“ (Wondergirls) zu tanzen, was diese mit großer Freude und mehrmals hintereinander taten.
Auch wenn die Situation auf Hacienda Teresita Jizon eigentlich sehr angespannt ist, haben diese Menschen ihre Freude am Leben in keinster Weise  verloren. Sie lachen, spielen Karten und singen, auch wenn diese Unbeschwertheit hin und wieder durch die Nachricht, es seien Spione im Zuckerrohr gesehen worden, ein abruptes Ende findet. Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier, auch wenn der Anlass ein sehr trauriger war. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, die uns ohne zu zögern in ihrer Mitte aufgenommen haben, wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. /mf/

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