Die traurige Bedeutung des Wortes ginpatay

Ginpatay ist eines der wenigen Worte, das wir im Sprachkurs gelernt und doch gehofft hatten, es nie wieder zu hören. Ginpatay heißt töten. Offensichtlich war es uns nicht bestimmt, dieses Wort wieder zu vergessen. Denn am Sonntag wurde der Bauernführer von Hacienda Teresita, Florencio Dogomeo, ermordet. Nicht, dass er „einfach“ erschossen wurde. Nein – um sicher zu gehen, dass er wirklich tot ist, warfen die Täter auch noch eine Granate.
Und die Hintergründe der Tat? Im Gegensatz zur üblichen Arbeit von IPON haben wir es hier nicht mit einem gewalttätigen Landbesitzer zu tun, sondern mit einer betrügenden DAR-Angestellten, Frau L. Nachdem die Bauern ihre Landtitel im Jahr 2003 bekommen hatten, schlug L., die als development facilitator für support services des Agrarreformministeriums (DAR) zuständig war, den Bauern vor sich als Kooperative registrieren zu lassen, um so besser an Staatshilfen zu kommen. Die Bauern zahlten ihr 21.000 Peso für die Registrierung sowie 14.000 Peso als Startkapital. Das sind 35.000 Peso (knapp 600 Euro), über die die Bauern jedoch keine Bestätigung erhielten. Die Registrierung wurde nie gemacht. Als die Bauern nach einiger Zeit um einen Kredit baten, meinte L., dass der Registrierungsprozess noch nicht abgeschlossen sei. Als Übergangs“hilfe“ bat sie den Bauern an, sie aus ihren eigenen Mitteln zu unterstützen. Im Gegenzug bekam sie von den Bauern 23 ha von deren Land geliehen, womit die Schulden abgezahlt werden sollten. Doch das Geld wanderte komplett in ihre eigene Tasche. Anfang 2009 meinte L., dass die Bauern bei ihr 900.000 Peso Schulden haben. Einschließlich der Zinsen von 24% pro Jahr belief sich die Summe auf 1,2 Millionen Peso (ca. 20.000 Euro). Daraufhin machten die Bauern beim Ombudsmann der Region eine Anzeige wegen Fehlverhalten, Unehrlichkeit und Korruption. Damit begannen die Bedrohungen. Als die Bauern vorige Woche L. per Brief mitteilten, dass sie auch einen Fall wegen Betrugs machen wollen, was ein Kriminal- und kein Zivilfall ist, lief das Fass wohl über.
Als Florencio am Sonntag morgen zusammen mit drei weiteren Bauern zum Highway ging um Dünger zu holen, blieb Florencio etwas zurück. Als er seine Enkelin weinen hört und umdrehen will, wird er von vier Männern, die sich im Zuckerrohrfeld versteckt hatten, erschossen. Die Täter rennen weg, nicht jedoch ohne vorher anzukündigen, dass sie zurück kommen werden. Die drei Bauern, die Florencio begleiten, können die Täter nicht identifizieren, obwohl nur einer von ihnen, der Schütze, maskiert gewesen war. Es wäre ein leichtes gewesen, die drei anderen Bauern auch zu töten. Doch offensichtlich haben es die Täter nur auf Florencio abgesehen, der als Vorsitzender der Kooperative auch die treibende Kraft hinter den Anzeigen gegen L. war.
Unter den Bauern ist jetzt die Diskussion entbrannt, ob sie den Fall wegen Betrugs weiter verfolgen sollen oder nicht. Die Angst der Bauern ist auf ihren Gesichtern zu lesen. /mf/

Eine detailliertere Zusammenfassung des Mordes gibt es hier.

Einen weiteren Bericht haben wir auf indymedia veröffentlicht.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Aktuelles, Hacienda Teresita

2 Antworten zu “Die traurige Bedeutung des Wortes ginpatay

  1. Ein Menschenleben ist hier leider wenig wert insbesondere wenn es um Geld und Macht geht wie auch die Geschichte in Maguindanao im November letzten Jahres zeigt. Von regierungsoffizieller Seite wird dann immer grtönt und Hektik vorgeschoben, im Endeffekt passiert dann nichts oder so gut wie nichts. Als höchstes der Gefühle schnappt und verurteilt man die Täter, die Hintermänner bleiben fast immer ungeschoren.

    Gruß von Eurer Nachbarinsel – Panay
    Hans

    btw. ein kleiner Rechenfehler schlich sich hier wohl ein, Ihr schreibt:
    „… Die Bauern zahlten ihr 21.000 Peso für die Registrierung sowie 14.000 Peso als Startkapital. Das sind 35.000 Peso (knapp 5000 Euro) …“ abhängig vom Wechselkurs sund 35.000 Peso wesentlich weniger wert, momentan rund 600 Euro

  2. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben es verbessert! Was du beschreibst, ist leider die traurige Realität unserer Arbeit hier…
    Grüße, das IPON- Team

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