Ein weiteres Jahr Zusammenarbeit

Am 16. Dezember 2011 wurde das Mandat, auf ddem die Zusammenarbeit von IPON und unserer Partnerorganisation in Negros Task Force Mapalad, kurz TFM basiert, für ein weiteres Jahr verlängert.

Als wir – anderthalb Stunden, bevor die eigentliche Konferenz beginnen sollte – im TFM Büro ankamen, waren bereits Angestellte der für Essen, Trinken und dem allgemeinem Vergnügen zuständigen Eatery [kleine lokale Restaurants] dabei, die Videoke-Anlage zum Laufen zu bringen. Während also die ersten Gäste eintrudelten und wir auf weitere bekannte Gesichter warteten, wurden die Stimmen geölt und die ersten paar Lieder gesungen. Gegen 11 Uhr waren durch die spontan auf den gleichen Tag verlegte TFM-Weihnachtsfeier rund 70 Leute da, von denen wir ca. 25 eingeladen hatten. Von den von uns betreuten Haciendas waren anwesend: Hacienda Bacan mit sieben, Hacienda Mulawin mit vier, Hacienda Teves mit zwei, Hacienda Victoria mit einer und Hacienda Agueda mit vier Personen.

Bauern sitzen und gucken

Nach einer kurzen Begrüßung von Lena Pfeffer hielt José Rodito Angeles, ehemaliger Präsident von TFM und ein Mann, dessen Mitarbeit wir sehr zu schätzen wissen, eine Rede zu der Arbeit und Geschichte von IPON. Er ging auf die für die Bauern relevanten Menschenrechte ein und erklärte, auf welche Weise die Präsenz von IPON ihnen bei der Einhaltung dieser Rechte behilflich war und weiterhin sein kann. Auch sagte er, dass unsere Anwesenheit einen entscheidenden Anteil daran habe, dass viele der versammelten TFM-Bauern ihr Land heute ungestört bearbeiten können. José betonte jedoch, dass die Präsenz von IPON wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen dennoch weiter nötig und eine Zusammenarbeit von TFM ausdrücklich erwünscht sei.

An zweiter Stelle hielt Dani Gaban, Koordinator von TFM und unsere primäre Ansprechperson, einen Vortrag. Dani erklärte im Detail die Arbeitsweise von IPON und untermauerte die bisherigen und noch zu erreichenden Erfolge beider Organisationen mit einigen Zahlen und Fakten. So stehen auf Negros noch immer 135.000ha aus, die unter der Landreform verteilt werden sollen. Davon gehören (nach legalen Begriffen; de facto stimmt dies leider nicht) rund 13.000ha von TFM organisierten Bauern. Seit Juli 2011 wurden insgesamt nur noch 800ha verteilt und im gesamten Jahr 2011 wurde kein einziger CLOA-Titel [Certificate of Land Ownership Award: Besitztitel, mit dem die Bauern CARP-fähiges Land zugesprochen bekommen] mehr für TFM-Bauern ausgestellt.

Anschließend nannte uns Dani drei weitere Haciendas, die für IPON von Interesse sein könnten und mit deren Bauernführern wir uns demnächst treffen werden: Hacienda Anita, Hacienda Teresa und Hacienda Ledesama. Nach Danis Rede widmeten wir uns der finanziellen Entschädigung der Bauern für die Busfahrten und schließlich – mit knurrenden Mägen – dem Mittagessen.

Nach dem Mittagessen kamen wir, die IPON Mitglieder, an die Reihe. In unseren anschließenden Redebeiträgen stellten wir die grobe Entwicklung der Situationen auf den Haciendas seit der letzten Mandatskonferenz sowie zukünftige Projekte, darunter den Präsidentenbrief und Danis Deutschland-Besuchsreise, vor. Denise und ich erklärten in Grundzügen den Inhalt des Mandatsvertrages. Diesem Moment ging eine grundlegende Veränderung einiger Punkte des Vertragstextes voraus; uns lag vor allem am Herzen, die Einhaltung der Gewaltfreiheit als Voraussetzung für unsere Kooperation stärker zu betonen. Anschließend wurden Kopien auf Ilonggo bzw. Cebuano an die anwesenden Bauern verteilt und der gesamte Vertrag von unserer Übersetzerin, Ava Sumbi, vorgelesen. Um 14:34 Uhr wurde schließlich der Mandatsvertrag zwischen IPON und TFM durch Dani Gaban, Alberto Jayme, Lani Factor und José Angeles für TFM und Gerlinde Becker, Denise Klein-Allermann und Tobias Lorch für IPON unterschrieben.

Mandatskonferenz Dezember 2011

Leider wurde der Anlass der Mandatskonferenz wie auch die hohe Zahl anwesender TFM-Bauern von José Angeles, Dani Gaban wie auch Lani Factor (Vizekoordinatorin von TFM) genutzt, um auch organisationsinterne Themen anzusprechen. So hielten sie auch nach Unterzeichnung des Vertrages lange und ausschweifende Reden über geplante TFM Termine und Kampagnen, wodurch die Mandatskonferenz und der Mandatsvertrag – eigentlicher Anlass der Zusammenkunft – in den Hintergrund gerückt wurden. Auch war Dani Gaban selbst des Öfteren während der Konferenz wie auch bei der Vorstellung seiner Deutschlandreise abwesend. Stattdessen beschäftigten ihn private Gespräche und sonstige Tätigkeiten im Büro.

Dennoch konnten wir um 14:50 nach einer letzten Danksagung und Aufforderung unsererseits, mit Problemen, Anliegen und Vorschlägen jederzeit zu uns zu kommen, die Mandatskonferenz für beendet erklären und in den gemütlichen Red-Horse-Videoke-Teil [Red Horse: lokale Biermarke] übergehen.

Abschließend lässt sich die Mandatskonferenz als positive Erfahrung für TFM und IPON bewerten. Durch die hohe Anzahl von anwesenden TFM-Mitgliedern bekamen wir die Möglichkeit, unser Arbeitskonzept auch denjenigen vorzustellen, auf deren Haciendas wir nicht arbeiten. Wir hoffen, dass trotz eines mangelnden Interesses an unseren Reden von Dani Gaban noch weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, wie es uns von verschiedenen Seiten wiederholt bestätigt wurde. /gb/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktuelles, TFM

Vegetarismus auf den Philippinen

- ein Ding der Unmöglichkeit?

Man sollte ja davon ausgehen, dass in einem Land, dessen Großteil der Bevölkerung sich doch eher mit niedrigen Lebensstandards begnügen muss, der Genuss von tierischen Produkten aus Kostengründen eher selten praktiziert wird. Aber falsch gedacht!

Ganz im Gegenteil ist es so, dass man teils große Probleme damit hat, zu erklären dass man wirklich kein Tier isst.

Auch nicht Hühnchen? Ist ja kein richtiges Fleisch!

Ja ach so…wirklich keine Tiere? Dann geht doch wenigstens Fisch. Ist ja schließlich nur Fisch!

Diese Aberkennung des Lebewesenstatus des Fischs hat mich schon des Öfteren an den Lehren meiner frühen Kindheit zweifeln lassen. Oder ist das hier auf den Philippinen wirklich anders? Hier gehört der Fisch gefühlsmäßig so unverzichtbar zu jeder Mahlzeit wie der Reis. Und am Besten noch überall Fleisch rein mischen. Wenn auch in kleinen Mengen, aber fehlen darf es nicht. Es gibt hier selten ein ganzes Steak, alles wird einfach klein gehäckselt und untergerührt. Und zwar unter alles. So musste ich mich manchmal schon freuen, auswärts zumindest fleischfreien Reis mit Sojasoße essen zu können, wenn alle anderen Speisen „kontaminiert“ waren. Aber ob der nicht doch in Fleischbrühe gekocht wurde, kann man nie mit Sicherheit sagen.

Auf Nachfrage wurde mir schon in diversen Restaurants versichert, ein gewisses Gericht sei vegetarisch. Dass da dann doch Schinken drin ist, zählt ja eigentlich nicht, danach hab ich ja nicht speziell gefragt. Woher soll denn der liebe Kellner wissen, dass ich das auch nicht möchte??

Das die Peperoni auf der Pizza in Form von Peperonisalami vorliegt war natürlich auch dem Koch nicht klar. Sieht Peperoni denn nicht so groß und rund aus?

Die interessanteste Erfahrung die ich bis jetzt gemacht habe, war aber definitiv ein Besuch bei einer vegetarischen Eatery in Bacolod, die mir von philippinischen Freunden empfohlen wurde. Als ich vor der Theke stand, dachte ich zunächst, am falschen Ort zu sein. Das ist doch Fleisch?! Aber nein, alle Gerichte sind auf Sojabasis. Keine tierischen Produkte. Sieht nur so aus. Und das ist auch nocauch wenn es absolut nicht so aussieht ist das alles aus Sojah Absicht. Sogar „vegetarian Barbecuesauce“ gibt es. Na dann, auf geht’s. Einmal alles probieren.

Es war wohl wirklich kein Fleisch, aber so richtig lecker war es auch nicht… Statt einfach Gemüse als Ersatz zu verwenden, war ich gezwungen, hauptsächlich Soja zu mir zu nehmen, das durch die Fleischoptik ein absurdes Gefühl beim Essen ausgelöst hat.

Der Sinn dieses seltsamen Angebotes liegt darin, es den Filipinos, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch verzichten sollen, leichter zu machen vom Fleisch „weg zu kommen“. Dann sieht das Essen immerhin noch so aus wie vorher, auch wenn es geschmacklich ganz anders ist. Aber das Auge isst ja bekanntlich mit. Und was soll man denn mit dem ganzen frischen Gemüse anfangen? Das kann man doch nicht einfach so kochen…

Glücklicherweise leben wir hier im IPON-Büro alle weitgehend vegetarisch, so dass es zumindest daheim kein Problem ist, einfach das zu essen, was es gerade gibt.

Unterwegs werde ich wohl weiterhin die Fragezeichen in den Augen meiner Mitmenschen betrachten und über das bisschen Fleisch, das sich irgendwie in mein vegetarisches Menü gemogelt hat, hinweg sehen. /lp/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Grande Top! Agueda Flop!

Mit der Erntezeit für Zuckerrohr, die Anfang Oktober beginnt, wird es für Menschenrechtsbeobachter interessant: Oft finden Landübergaben direkt nach der Ernte statt, damit die Felder ohne stehendes Zuckerrohr, das Eigentum des Pflanzers wäre, als nutzbares Agrarland komplett in die Hände der Bauern gegeben werden können. Es ist kein Wunder, dass es in diesem Kontext zu Spannungen und Problemen um die Ernte und die Landübergabe kommt. Wir waren sicher darauf gefasst, dass die Erntezeit einige Überraschungen mit sich bringt, die Ambivalenz unserer Erfahrungen an einem Einzigen Observer-Tag ist aber dennoch interessant:

Mehr aus Interesse als aus Notwendigkeit waren wir bei der Landübergabe auf Hacienda Grande-Arroyo am Morgen des 15. Novembers anwesend, die in der Municipality La Castellana in Negros Occidental liegt. Der ehemalige Landbesitzer ist der Onkel von Mike Arroyo, dem Mann der ehemaligen Präsidentin. Die 19 Bauern – allesamt TFM-Mitglieder – die im Zuge der Landreform ihre Besitztitel zugesprochen und nun ihr Land offiziell übertragen bekommen haben, bestätigten unsere Einschätzung, dass es sich bei der Hacienda Grande-Arroyo um ein mustergültiges Beispiel für die Anwendung und Durchführung des Agrarreformprogramms (CARP) handelt. Alle Schritte des Reformprozess’ wurden ordnungsgemäß und ohne Verzögerung durchgeführt; Menschenrechtsverletzungen sind auf der Hacienda bis heute nie vorgefallen, weshalb auch IPON dort noch nie gearbeitet hat.

Eigentlich ist das schade, dass wir auf eben solchen Haciendas, wo alles sauber und glatt läuft – „smooth installation“ hat es José, der lokale „Business Manager“, genannt – nicht arbeiten und auch nur selten davon mitkriegen. Dennoch ist es auf jeden Fall schön und motivierend, auch mal von einem Fall zu hören, wo es nichts zu beanstanden gibt und bei dem die TFM-Bauern mit den Bauern des Großgrundbesitzers bzw. der Administration ein gutes Verhältnis haben. Sonst hört man als Menschenrechtsbeobachter leider immer von Gerichtsklagen, Mord(versuch)en, Schikanen, Spannungen und allerlei sonstigen Problemen.

Installation

*Nachtrag vom 17.11.2011:

Leider muss die Darstellung der Situation auf Hacienda Grande-Arroyo nach neuen Informationen, die wir am 17.11.11 erhalten haben etwas berichtigt werden: Der Pächter und ehemalige Landbesitzer des übergebenen 4,8 ha Feldes, Antonio Tribol, hat direkt nach der Landübergabe am 15.11 alle der 19 TFM-Bauern, die bis dato für ihn gearbeitet hatten, entlassen. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung der Lebensversorgung der Bauern dar, da das neu übergebene Feld noch nicht bestellt und viel zu klein ist, um die 19 Bauern inklusive Familien zu ernähren. Die Bauern wollen jedoch eine Klage wegen der ungerechtfertigten Entlassungen gegen Tribol einreichen. Es gibt aber glücklicherweise auch Anzeichen, dass Tribol an einem Dialog mit den Bauern interessiert ist. Die Entwicklung zeigt einmal mehr, dass sich binnen kurzer Zeit, wie im Fall Agueda, die geamte Situation drehen kann, sodass plötzlich die Sicherheit oder die Versorgung von einzelnen Bauern auf dem Spiel steht.*

 

 

 

Nur wenige Kilometer von Hacienda Grande-Arroyo entfernt liegt noch in der selben Municipality Hacienda Agueda, mit der wir uns schon seit langem intensiv beschäftigen und unter anderem auch einen Fallbericht angefertigt haben. Nachdem die letzten Informationen, die wir erhalten hatten auf eine Entspannung der Lage mit baldiger Landübergabe hindeutete, verschlimmert sich die Situation seit Anfang November wieder zusehends: Eine erneute Abmachung zwischen TFM-Mitglieder und der „Gegenseite“ (Bauern, die dem ehemaligen Landbesitzer weiter loyal sind) ist abermals geplatzt. Versprechen, das Land nach der Ernte freizugeben, wurden nicht eingehalten. Am Montag, den 07.11.11, fand eine ominöse Waffenlieferung mehrerer M14 und M16 Sturmgewehre statt, die einherging mit dem Auftauchen von inoffiziellem, unlizenziertem Sicherheitspersonal. Die Hintergründe dieses Vorfall sind weder den TFM-Bauern noch der lokalen Polizei, die wir natürlich zu den Vorgängen befragt haben, bekannt. Auch die Zahl der offiziell und ordnungsgemäß beschäftigten Sicherheitskräfte ist wieder auf insgesamt 16 Mann (auf beiden Seiten) angestiegen, nachdem die Zahl bis Oktober auf 12 gesunken war.

Angesichts dieser Entwicklung können wir als Menschenrechtsbeobachter aus Sicherheitsgründen nicht länger das Haciendagelände betreten; der Kontakt mit den lokalen TFM-Bauern wurde ausgelagert, so dass wir uns jetzt in der nahe gelegenen Stadt treffen müssen, um die neuesten Informationen zu erhalten. Das haben wir auch gleich getan, als wir am 15. November wegen der Installation auf Hacienda Grande-Arroyo schon vor Ort waren. Bei diesem Treffen haben wir dann erfahren, dass die Bauern am 17. November beim Agrarreform-Büro (Provinzebene) in Bacolod ihr Gesuch auf eine schnelle Installation einreichen und noch im November eine Demonstration vor dem Agrargericht ebenfalls in Bacolod durchführen wollen.

Unsere Hoffnung, dass es im ewigen Streit um das Land auf Hacienda Agueda mit der Erntezeit und im Zusammenhang mit der Landübergabe endlich zu einer dauerhaften friedlichen Lösung kommt, mussten wir vorerst aufgeben. Der Fall Agueda zeigt einmal mehr, wie schnell sich die Situationen innerhalb weniger Wochen oder Tage wandeln kann.

Nichtsdestotrotz hat IPON bereits weitere Schritte geplant, um zur Verbesserung der prekären Situation beizutragen. Ein Besuch bei der staatlichen Menschenrechtskommission (CHR) steht ebenso auf dem Plan wie weitere Interviews mit der Polizei und dem Agrarreformministerium. /tl/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Hacienda Agueda

Red-Baiting Konferenz in Manila erfolgreich zu Ende gebracht

 

Der 29.09.2011 soll als das historische Datum der ersten von IPON ausgerichteten Konferenz auf den Philippinen in die (IPON-)Geschichte eingehen. Auf dem Campus der University of the Philippines in Manila kamen Vertreter von Militär, Polizei, Menschenrechtskommission, Amnesty International und weiteren staatlichen und zivil-politischen Gruppen zusammen, um in insgesamt 8 Redebeiträgen mit anschließender Diskussion das Thema „Red-Baiting in den Philippinen“ zu erörtern. Zufrieden zeigte sich am Ende nicht nur IPON Country Coordinator Jan Pingel, sondern auch das Publikum. Die Redebeiträge sind in Kürze als mp3-Podcast auf der deutschen und englischen IPON-Hompage verfügbar. /tl/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Red Baiting

IPON begleitet TFM-Protest

Heißer Protest in Bacolod

Eine der Aufgaben IPONs im Zusammenhang mit der klassischen Menschenrechtsbeobachtung ist es, Demonstrationen von Mitgliedern unserer Partnerorganisation TFM[1]zu begleiten und deren Verlauf zu beobachten. So geschah dies auch gestern.

Kleinbauern sowie Funktionäre von TFM kommen am Dienstag, den 09.08.2011 zusammen, um eine zügige Umverteilung des Landes (der momentane Stand hinkt dem hinterher, was eigentlich bis jetzt erreicht werden sollte) sowie eine Verlängerung des CARP[2] zu fordern. Etwa 280 Menschenrechtsverteidiger versammeln sich friedlich und ziehen gemeinsam, am Straßenrand entlang, vom TFM-Büro über das Landwirtschaftsreform-Ministerium, wo über Megaphone die Forderungen verkündet werden, zu einem zentralen Platz um dort im Lichte der Öffentlichkeit noch einmal ihren Standpunkt zu bekräftigen. Da während der Demonstration ein weiterer Zug aus entgegengesetzter Richtung dazu stößt, erhöht sich die Teilnehmerzahl auf etwa 1000 Personen.

Uns fällt gleich zu Beginn auf, dass keinerlei Polizeischutz vorhanden ist, sondern die Demonstranten selbst für ihre Sicherheit sorgen müssen. Dies ist auf den viel befahrenen Straßen in Bacolod nicht gerade einfach und stellt vor allem für Langsamere, die mit dem großen Pulk nicht mithalten können, eine Gefahr dar. Um zusammen zu bleiben, muss der hintere Teil des Zuges wiederholt rennen, um gerade auf rot umspringende Ampeln noch gemeinsam mit dem vorderen Teil überqueren zu können. Dieser Zustand ist in unseren Augen bedenklich und zeigt, dass der Staat kein großes Interesse daran hat, seine Bürger in ihrem Versammlungsrecht zu schützen. Die Demonstration wird zwar geduldet, aber nicht durch Sicherheitsvorkehrungen oder Polizeibegleitung geschützt.

Während der ganzen Demonstration ist die Stimmung unter den Teilnehmern trotz der Hitze und dem sehr schnellen Schritttempo gut und freundlich. Wir werden als Beobachter eigentlich kaum beachtet, sondern tatsächlich als das wahrgenommen was wir sind,  Beobachter eben. Da wir durch unsere T-Shirts gut zu erkennen sind, und die meisten Teilnehmer über unsere Anwesenheit und Aufgabe Bescheid wissen, erregen wir kaum Aufsehen sondern werden lediglich zu Beginn freundlich begrüßt und dann uns selbst und unserer Aufgabe überlassen.

Wir empfinden die Demonstration als sehr friedlich und geordnet. Die wenigen Menschen die sich bemühen, die Aufgaben von Ordnern übernehmen, werden respektiert und ihren Anweisungen wird umgehend Folge geleistet.

Angeführt wird der Zug übrigens von einer Art Lautsprecherwagen: einem Tricycle mit aufgebauter Megaphonanlage, die allerdings nicht funktionstüchtig ist, so dass alle  Ansagen mit einem Handmegaphon getätigt werden müssen.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause und der Abschlusskundgebung löst sich die Menschenmenge zügig auf. Vermutlich war die Hitze für die Teilnehmer doch ähnlich anstrengend wie für uns. /lp/


[1] Task Force Mapalad: Nationale Bauernvereinigung und Partnerorganisation von IPON

[2] CARP: „Comprehensive Agrarian Reform Program“, Staatliches Landumverteilungsprogramm, das es Kleinbauern ermöglicht, eigenes Land zu erhalten.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Demonstration, TFM